08. August 2026
EinBlick: Kampf zwischen Gut und Böse
Warum die Ökonomie auf geistliche Mithilfe angewiesen ist
von Thorsten Polleit
„Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Mächten und Gewalten, mit den Weltherrschern dieser Finsternis, mit den bösen Geistern in den himmlischen Regionen.“ So steht es in Epheser 6:12, einem der schönsten und tiefgründigsten Briefe des Apostels Paulus mit der Botschaft: Der geistliche Kampf des Christenmenschen richtet sich nicht gegen andere Menschen (also nicht gegen „Fleisch und Blut“), sondern gegen die unsichtbaren, geistlichen Mächte des Bösen, einschließlich ihrer bösen Ideen. Biblisch gesprochen sind Ideen böse, die sich gegen Gott, seine Heiligkeit, seine Ordnung und seine Liebe stellen. Denkt man vor diesem Hintergrund auch nur etwas über das staatliche Zwangsgeldmonopol, seinen Ursprung und vor allem auch seine Folgen nach, so gelangt man rasch zur Schlussfolgerung: Es handelt sich ganz bestimmt um eine schlechte Idee, vermutlich sogar um eine böse Idee.
Man erinnere sich nur einmal an den Ökonomen Carl Menger (1840–1921). Er hatte bereits 1871 darauf aufmerksam gemacht, dass das Geld spontan aus den freiwilligen Transaktionen der Menschen in einem freien Markt entstanden ist, und zwar aus einem Sachgut, vor allem aus Gold und Silber; dass also das Geld auf „natürlichem“, freiwilligem Weg in die Welt gekommen ist.
Selbstverständlich ging es mit dem Sachgeld nicht problemlos zu. Man denke hier beispielsweise an das Geldfälschen: das Gießen von Münzen mit minderwertigem Metall oder die Gewichtsreduzierung der Münzen durch „Klippen“. Geldfälschen ist vermutlich so alt wie das Geld selbst. Die Strafen dafür waren allerdings sehr hart – dem Geldfälscher drohte in der Antike der Feuertod, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit siedendes Öl, Handabhacken, Hängen, noch im 19. Jahrhundert Kerker oder gar Todesstrafe –, weil die Menschen sehr wohl um die Übel des Geldfälschens wussten. Gefälschtes Geld zerstört das Vertrauen in das Geld und damit in Arbeitsteilung, Handel und Wohlstand. Geldfälschung ist eine Form des Betrugs und der Lüge – und so gehört sie zu den Werken des Bösen, weil sie die von Gott gegebene Ordnung pervertiert.
Nicht umsonst ließ Dante Alighieri (1265–1321) in seinem epischen Gedicht „Göttliche Komödie“ die Geldfälscher im achten Höllenkreis, im zehnten Graben (Bolgia), landen; hierhin werden auch Alchemisten (Fälscher von Metallen), Personenfälscher sowie Lügner und falsche Zeugen verbannt.
Auch der Weg vom Sach- zum heutigen Fiatgeld war alles andere als makellos und unschuldig. Der US-amerikanische Ökonom Murray N. Rothbard (1926–1995) zeigte in seinem Buch „What Has Government Done To Our Money“ auf, wie der Staat sich, in einem zugegebenermaßen durchaus langgestreckten Prozess, das Geld sprichwörtlich unter den Nagel gerissen, das Sachgeld durch sein eigenes, beliebig vermehrbares Fiatgeld ersetzt hat. Genauer: Der Staat hat spätestens am 15. August 1971 einen Vertragsbruch begangen, indem er die Goldeinlösbarkeit der Banknoten und Bank-Giroguthaben mutwillig beendete. Das Geld war damit sprichwörtlich vom Gold abgeschnitten – und damit fortan beliebig vermehrbar –, die Geldhalter ihres Goldes beraubt. Aus Rothbards Sicht ist dadurch ein System der „legalisierten Geldfälschung“ entstanden: Die Zentralbank, in enger Kooperation mit den Geschäftsbanken, weitet die Geldmenge (in Form von „Geldsubstituten“, also Banknoten und Giroguthaben) per Kreditvergabe aus, ohne dass dabei die Menge des eigentlichen Geldes, des „Grundgeldes Gold“, zunimmt. Ökonomisch gesehen ist belanglos, so Rothbard, ob hier private Geldfälscher am Werke sind oder ob die Zentral- und Geschäftsbanken die Geldmenge ausweiten – in jedem Fall wird Geld gefälscht.
Die Folgen der Falschgeldvermehrung, des inflationären Geldes, sind weithin bekannt: Die Kaufkraft des Geldes schwindet; Sparen wird entmutigt; die einen werden reicher auf Kosten der anderen; es kommt – wenn das neue Geld per Kreditvergabe herbeigefälscht wird – zu Finanz- und Wirtschaftsstörungen; die Volkswirtschaften versinken im Schuldensumpf; das Leben auf Pump wird zum Normalfall, die Menschen werden zu Schuldsklaven; der Staat wird immer größer und mächtiger; Korruption und Günstlingswirtschaft greifen um sich; Kriege lassen sich relativ einfach finanzieren, werden häufiger; Moral und Sitten der Menschen verflachen, verfallen; und darauf folgt der wirtschaftliche Niedergang des Gemeinwesens.
Gerade auch weil man um die „natürliche Geldordnung“ – also einen freien Markt für Geld – und ihre Funktionsfähigkeit weiß, kommt man nicht umhin, die Idee des staatlichen Zwangsgeldmonopols als schlechte Idee und angesichts seiner Konsequenzen sogar als böse Idee einzustufen und die staatliche Zentralbank, die das Zwangsgeldmonopol verkörpert, als das „Biest“ des Schlechten, des Bösen zu sehen – das staatliche Zentralbank-Zwangsmonopol also als eine sichtbare Verkörperung der unsichtbaren Macht des Bösen.
Der Einwand, die Rückführung auf das eigentliche Problem, und zwar auf den Staat (wie wir ihn heute kennen), stehe doch noch aus, ist gerechtfertigt. In der Tat wäre das heutige Fiatgeld(un)wesen ohne den Staat nicht möglich. Der Staat als territorialer Zwangsmonopolist mit der Letztentscheidungsbefugnis über alle Konflikte auf seinem Gebiet, der sich dabei auch noch herausnimmt, Steuern zu erheben (also Menschen gegen ihren Willen etwas wegzunehmen), kann seinen Ursprung und seine Existenz ebenfalls nicht an eine gute Idee knüpfen. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Er fußt auf Zwang und Gewalt, auf dem Vorhaben der einen, die anderen zu beherrschen, zu zwingen, zu unterdrücken, auszupressen.
Wer den biblischen Bezug zur Problematik des staatlichen Zentralbank-Zwangsmonopols nicht herstellen möchte oder kann, der steht nun vor einer gleichen Frage: Ist vielleicht der Staat (wie wir ihn heute kennen) nicht nur einer schlechten, sondern vielleicht auch einer bösen Idee entsprungen? Rothbard würde ohne zu zögern mit „Ja“ antworten: Dem Staat als Zwangs- und Gewaltinstitution liegt eine böse Idee zugrunde, weil sie systematisch gegen Gottes Ordnung von der Freiheit des Individuums, seines Eigentums und seines freiwilligen Handelns verstößt. Und eine Idee, die Zwang statt Liebe, Lüge statt Wahrheit (oder gar Selbstvergötterung statt Gottesanbetung) fördert, ist böse.
Der christliche Handlungsauftrag ist damit quasi vorformuliert: der bösen Ideen und ihrem Biest die Stirn bieten. Die Bibel weist den Weg: Böse Ideen sind geistige Festungen – man nehme sie gefangen, reiße sie nieder durch Gottes Wahrheit und überwinde sie mit Gutem, statt sie zu ignorieren oder mit fleischlichen Mitteln zu bekämpfen (2. Korinther 10:4-5).
Es ist daher höchste Zeit, die Wirkung ökonomischer Erkenntnisse, die über den Staat und sein Zentralbank-Zwangsgeldmonopol seit langer Zeit vorliegen, nicht länger zu überschätzen, sondern auf die „geistliche Waffenrüstung“ des Christentums, seine biblischen Prinzipien für den Kampf gegen das Böse zu setzen. Nur mit dieser Hilfe lässt sich dem Bösen und seinem Biest beikommen. Allein mit den Erkenntnissen aus der Ökonomik ist es nicht getan.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 26. Juni erscheinenden Jul.-Aug.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 262.
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