30. Mai 2026
EinBlick: Erst Crash. Dann Chaos. Oder Tyrannei.
Energiepreise und Wirtschaftskrise
von Thorsten Polleit
Der Militärschlag der Vereinigten Staaten von Amerika und Israel gegen den Iran hat die Energiepreise drastisch in die Höhe getrieben und die Versorgungssicherheit mit Energie in vielen Teilen der Welt infrage gestellt oder gar zerstört. Ökonomisch gesehen handelt es sich hier um einen „negativen Angebotsschock“: Die bisherige Produktion kann, wenn überhaupt, nur noch mit erhöhten Kosten bereitgestellt werden. Das macht die Menschen sprichwörtlich ärmer: Um die gleiche Energiemenge konsumieren zu können, müssen sie schließlich ihre Nachfrage nach anderen Gütern einschränken. Der Energiepreisschock – wenn er andauert, sich verschärft – hat folglich eine rezessive Wirkung.
Nun wird allerdings der Anstieg der Energiepreise in der Öffentlichkeit als „Inflationsauftrieb“ gewertet. Und zweifellos werden sich auch die erhöhten Preise für Öl, Gas und Kohle in den statistischen Preisindizes, mit denen üblicherweise die Inflation gemessen wird, zeigen. Doch es handelt sich hier nicht um Inflation im ökonomischen Sinne. Von Güterpreisinflation spricht man vielmehr sinnvollerweise dann, wenn die Zentralbank die Geldmenge ausweitet und das gestiegene Geldmengenangebot die Güterpreise in die Höhe befördert.
Doch derzeit verläuft dies- und jenseits des Atlantiks die Geldmengenausweitung vergleichsweise gezähmt. Aus diesem Grund führen die steigenden Energiepreise auch zu einem „negativen Realkasseneffekt“: Die Kaufkraft der Einkommen, über die die Menschen verfügen, nimmt ab. Es handelt sich tatsächlich, wie bereits erwähnt, um einen Verarmungseffekt. Nun haben jedoch die Zentralbanken vermeldet, sie wollten angesichts der drastischen Energieverteuerung die Leitzinsen anheben. Es gelte, so die Zentralbankräte, „Zweitrundeneffekte“ zu verhindern: dass also steigende Energie- und Güterpreise zu steigenden Löhnen, zu steigenden Preisen auf breiter Front führen.
Leitzinserhöhungen als Reaktion auf einen negativen Angebotsschock würden allerdings absehbar aus einer „großen Krise“ eine „Mega-Krise“ machen: Steigende Zinsen, also die Verknappung des Kreditangebots, wird die hochverschuldeten Volkswirtschaften, die Finanz- und Vermögensmärkte abstürzen lassen, Pleitewellen lostreten, zu Massenarbeitslosigkeit führen. Ist es wahrscheinlich, dass den Zentralbankräten solch ein „Fehler“ unterlaufen kann? Oder sind die Zinserhöhungsbeschwörungen gar nur heiße Luft, die nur die Inflationserwartungen der Marktakteure vertreiben sollen? Drohende Worte, auf die doch keine Taten folgen? Oder steckt vielleicht mehr dahinter?
Die Ideologen des „Globalismus“ haben zwar mit der Wahl von US-Präsident Donald J. Trump in Amerika einen schmerzlichen Rückschlag zu verkraften. Doch noch geben sie sich nicht geschlagen, und sie haben ihren Einfluss auch noch nicht ganz verloren, wie der Iran-Krieg unmissverständlich zeigt. Vielmehr lässt sich in ihre „Great Reset“-Agenda, die bisher über „Klima“, „Corona“ und „Krieg“ verfolgt wurde, auch der „Crash“ einreihen (und zwar nicht nur alliterativ): Die politisch betriebene Sabotage der Energieversorgung verschärft sich durch die Folgen des Iran-Krieges – wenn die Regierungen beispielsweise Höchstpreise für Energie erlassen, Rationierungen vornehmen, die Reisefreiheit beschränken, Betriebsschließungen und „Lockdowns“ verordnen et cetera.
Und die Zinserhöhungspolitik der Zentralbanken hilft kräftig mit und nach, die Wirtschaften zu „crashen“, Firmen in die Pleite zu treiben, Arbeitsplätze zu zerstören, hunderte Millionen von Menschen in die staatliche Abhängigkeit zu ziehen. Es ist absehbar, dass in einer solch schweren Finanz- und Wirtschaftskrise dem Vordringen des Staates kaum mehr etwas wirklich im Wege steht: Der Staat ist dann nämlich, in der Not der Stunde, für viele Menschen so etwas wie der einzig verbliebene „Retter“. Und der Staat und diejenigen, die seine Macht gerade in den Händen halten, steigen ganz groß ein und auf – ganz ähnlich wie etwa beim „New Deal“ in den USA ab 1933 oder im nationalsozialistischen Deutschland: Der Staat übernimmt die Wirtschaft durch Preis- und Produktionsvorgaben, durch Bewirtschaftung der Arbeitskraft, durch umfassende Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung.
So gesehen kann man sagen: mit dem „Crash“ geradewegs in die Tyrannei.
Ist das eine „Räuberpistole“, eine überdrehte, überzogene Phantasie? Nun, so gern man vielleicht auch möchte, ganz so leicht lässt sich das bisher Gesagte nicht von der Hand weisen. Denn es ist unbenommen, dass Ideen und Ideologien die Köpfe vieler Menschen erobert haben, die, in die Tat umgesetzt, der freien Wirtschaft, der freien Gesellschaft ein Ende bereiten. Und es steht auch außer Frage, dass bislang der Weg in die Unfreiheit von seinen Protagonisten in Politik, Bürokratie, Wissenschaft und vor allem Zentralbanken – mit oder ohne Wissen vieler weiterer nützlicher Idioten – graduell, schrittweise vorangetrieben wurde. Doch spätestens die Corona-Virus-Episode dürfte ihnen klargemacht haben, dass es auf die brutale Tour noch besser geht.
Das Zerstören des Energieangebots im Westen im Zuge des Iran-Krieges, das Abschalten von Nuklearstrom, die Explorationsstopps bei Öl und Gas, die Russland-Sanktionen, die Sprengung von Kraftwerken et cetera sind untrügliche Indizien dafür, dass die Globalisten ihre Samthandschuhe längst ausgezogen haben. Und deshalb kann man auch annehmen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür gestiegen ist, dass sie eine wirtschaftliche Notlage geldpolitisch auch irgendwann tatsächlich herbeiführen; dass also Zinserhöhungen angesichts eines negativen Angebotsschocks kein „Fehler“ wären, vielmehr dass es sich hierbei um einen Versuch handelt, einen großangelegten Crash gezielt herbeizuführen.
Allerdings: Den „Great Reset“ durch einen Crash vom Zaun brechen zu wollen, birgt erhebliche, ja gewissermaßen auch existentielle Risiken für die Globalismus-Anhänger: Ein Crash des weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystems kann nur allzu leicht zu explosiven Entwicklungen, zu Unkontrollierbarkeit führen, und das Ganze endet in Chaos und nicht in der Allmacht des Staates, der Tyrannei. Zumal ja viele Menschen begonnen haben aufzuwachen, zu erkennen, was tatsächlich gespielt wird.
Es gibt also für die Globalismus-Anhänger durchaus Anreize, weiter wie bisher zu machen, schrittweise vorzugehen, allzu große Erschütterungen wie etwa einen geldpolitisch gezielt organisierten „großen Crash“ zu vermeiden.
Was man aus all diesen Gedankengängen erkennen kann, ist das Folgende: Das Bewahren des wirtschaftlichen Wohlergehens der Menschen ist für die Globalisten nicht das Ziel, es ist bestenfalls nur Mittel zum Zweck. Und deshalb wäre ein „großer Crash“ des Wirtschafts- und Finanzsystems nicht lediglich ein „unvorhergesehener Unfall“, sondern er kann auch zum unmittelbaren politischen Ziel werden, und zwar dann, wenn die Globalisten der Auffassung sind, man könne so besser zur Tyrannei gelangen.
Wer die Analyse teilt, der wird auch zu dem Schluss kommen müssen, dass sich die Risikolage für Geldanleger, für Investoren mittlerweile extrem gewandelt hat. Eine Konsequenz ist jetzt (falls noch nicht geschehen), jedwede Unschuldsvermutung gegenüber Staat und Zentralbanken fallen zu lassen und Augen und Ohren weiter denn je offenzuhalten.
Schließen wir dazu mit Worten von Friedrich von Schiller (1759–1805): „Manche Gefahren umringen euch noch, ich hab sie verschwiegen. Aber wir werden uns noch aller erinnern – nur zu!“
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 24. April erscheinenden Mai/Juni-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 261.
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