31. Januar 2026
EinBlick: Die Geschäftsgrundlage des Euro löst sich auf
Der Beschuss der EU wird auch die Einheitswährung treffen
von Thorsten Polleit
Der Euro, die Einheitswährung Europas, hat ein ökonomisches Argument auf seiner Seite: Es macht Sinn für Menschen, die arbeitsteilig eng verbunden sind, mit dem gleichen Geld zu rechnen und zu wirtschaften. Denn das ist viel einfacher, weniger kostenreich und transparenter im Vergleich zu einer Situation, in der viele verschiedene Geldarten gleichzeitig Verwendung finden. So gesehen mag so mancher die Währungsvereinheitlichung, die am 1. Januar 1999 vollzogen wurde, gutheißen wollen.
Doch gleichzeitig ist es dadurch politischen Kräften gelungen, ein finsteres Ziel zu erreichen: den Währungswettbewerb in Europa auszuschalten, die Geldproduktion in den Händen einer supranationalen Institution, der Europäischen Zentralbank (EZB), zu zwangsmonopolisieren; den Menschen ein Einheitsgeld aufzuzwingen, von dem es kein Entkommen mehr geben soll, obwohl es eklatante ökonomische und ethische Defekte hat.
Der Euro ist nämlich ein Fiatgeld, und so eine Geldart verursacht bekanntlich viele üble Dinge. So ist der Fiat-Euro nicht nur inflationär, verliert also seine Kaufkraft über die Zeit, er sorgt auch für Wirtschaftskrisen. Er treibt die Volkswirtschaften immer tiefer in die Verschuldung. Vor allem die Euro-Staaten leben ungehemmt auf Pump. Sie dehnen sich dank dem Euro immer weiter und ungehemmt aus im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben, zu Lasten der Freiheiten von Bürgern und Unternehmern. Immer mehr Menschen geraten so in die Euro-Abhängigkeit, indem sie ihm ihre Lebensersparnisse anvertrauen, und eine wachsende Zahl von Menschen fristet ihren Lebensunterhalt aus staatlichen Zuwendungen und Aufträgen.
All das sollte niemanden ernstlich überraschen, denn es ist kein Zufall, kein Unfall. Schließlich ist Fiatgeld so etwas wie ein Wolf im Schafspelz, ein Zerstörer der freien Wirtschaft und Gesellschaft, eine Art teuflischer Wegbereiter in die Unfreiheit.
Das gilt natürlich nicht nur für den Fiat-Euro, sondern auch für alle Fiatwährungen. Aber der Fiat-Euro wirkt ganz besonders heimtückisch: Er soll einem Kartell von Nationalstaaten zu Diensten sein, einen Einheits-Zentralstaat aus der Taufe zu heben – wie das Projekt „Vereinigte Staaten von Europa“ ja auch ganz unverhohlen verkündet; das Ganze ist so etwas wie ein neo-sozialistischer Turmbau zu Babel.
In Brüssel hat man bislang mit dem Euro die Expansion der Europäischen Union (EU) erfolgreich vorangetrieben. Der Fiat-Euro wird mittlerweile in 26 Nationalstaaten mit etwa 351 Millionen Menschen offiziell als Geld verwendet, zu Jahresbeginn 2026 kommt Bulgarien hinzu, weitere Länder stehen auf der Erweiterungswunschliste der EU.
Doch jetzt gerät die EU aus Amerika heftig unter Beschuss: Die Trump-Administration hält sie für undemokratisch, für tyrannisch, sieht in ihr ganz zu Recht die Verkörperung der „globalistischen Idee“, die die Maga-Initiative jetzt aus dem eigenen Land zu vertreiben trachtet.
Wirtschaftlicher Rückfall, Überalterung und Kinderlosigkeit sowie unkontrollierte Masseneinwanderung machen Europa aus amerikanischer Sicht zu keinem ernstzunehmenden Konkurrenten, sondern vielmehr zu einem Pflegefall, von dem man keine Hochleistung mehr erwartet, den man aber auch nicht sich gänzlich selbst überlassen will. Amerika hat ein Interesse an Europa, auch wenn die EU, vor allem Deutschland, Großbritannien und Frankreich, sich im Ukraine-Russland-Krieg als Widersacher offenbart.
Die Anti-EU-Agenda der Trump-Administration ist auf fruchtbaren Boden gefallen, ermutigt die bislang immer noch verhaltenen Oppositionskräfte in vielen Nationalstaaten, sich von der EU abzulösen, sich von ihr zu befreien. Die Bewegung, die da in Gang gekommen ist, wird sich vermutlich nicht in parametrischen Reförmchen der EU erschöpfen. Es geht ihr vielmehr darum, die Über-Regierung namens EU aus dem Feld zu schlagen.
Was also, wenn die EU ihre Anhängerschaft verliert, sich mit der EU im wahrsten Sinne des Wortes kein Staat mehr machen lässt? Antwort: Die Frage nach der Zukunft, dem Fortbestand des Euro, wäre gestellt. Verflüchtigt sich die Vision eines europäischen Einheitsstaates, bleibt zwar die ökonomische Ratio für ein einheitliches Geld in Europa erhalten. Aber mit der Zustimmung ist es dann wohl vorbei, das politische Einheitsgeld der EZB zu überlassen, die de facto dem Zugriff der nationalen Wähler entzogen ist.
Die Finanzmärkte werden sehr bald erkennen, dass in der nächsten Finanzkrise, in die ein Euro-Staat oder die Geschäftsbanken eines Euro-Teilnehmerlandes sich hineinmanövrieren, sich die Unterstützung von Seiten anderer Teilnehmerländer – etwa in Form von steuerfinanzierten „Rettungspaketen“ und Haftungsübernahmen – nicht mehr formieren lässt. Was dann noch bleibt, ist das ungeschminkte Monetisieren von Schulden durch die EZB, das Subventionieren von maroden Staaten und Banken mit künstlich gesenkten Zinsen und Kredit- und Geldmengenvermehrung, sprich: eine Inflationspolitik, die die Menschen in den noch besser wirtschaftenden Teilnehmerländern zur Ader lässt, sie mit in den Abgrund zieht.
Man muss schon ahnungslos oder verblendet sein, wenn man erwartet, dass der Fiat-Euro bleibt, wenn der Albtraum des EU-Einheitsstaates im Abfalleimer der Geschichte landet. Zentrifugalkräfte, die den Euro in die Zerreißprobe führen, arbeiten bereits. Und es wird wohl nicht lange dauern, und die Menschen im Euro-Raum werden noch bemerken, dass sie jahrzehntelang Politiken gewählt, befürwortet und geduldet haben, die ihnen schon bald ein unübersehbares monetäres Chaos bescheren.
Wie kann es weitergehen? Eine Renationalisierung des Geldes, die Rückkehr zu eigenen nationalen Fiatwährungen, ist zwar eine politisch nachvollziehbare Affekthandlung, aber alles andere als ökonomisch überzeugend. Gleiches gilt für eine Dollarisierung. Hingegen ist das Überführen des Euro in ein goldgedecktes Geld eine wirklich erfolgversprechende Option, und sie kann ein Zwischenschritt sein auf dem Weg, einen freien Markt für Geld in Europa aus der Taufe zu heben und damit die bestmögliche Lösung für das „Geldproblem“ herbeizuführen. Wie immer der Weg aber auch aussehen mag, der mit dem Kollaps des EU-Paradigmas und seines Erfüllungsgehilfen namens Fiat-Euro eingeleitet wird: Die Kaufkraft des Euro wird unter die Räder kommen. Wer Augen hat zu sehen und Ohren hat zu hören, der tritt am besten schon heute die Flucht aus der Einheitswährung an.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 22. Dezember erscheinenden Jan.-Feb.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 259.
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