16. Mai 2026

Der Einkommensinvestor Brookmont Catastrophic Bond ETF

Schutzgeschäft statt Zinsillusion

von Luis Pazos

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Bildquelle: Redaktion Katastrophenanleihen: Risikostreuung bei Extremereignissen

Es gibt eine Anlageklasse, deren internationale Bezeichnung im größtmöglichen Kontrast zum dahinterstehenden Geschäftsmodell steht. Die Rede ist von Cat Bonds. Katastrophenanleihen, die deutsche Entsprechung, klingt dann auch erwartungsgemäß weniger nach Stubentiger als nach verzinstem Weltuntergang. Tatsächlich ist die Logik hinter diesem speziellen Anleihetypus nüchterne Statistik: Versicherungen lagern damit einen Teil übernommener Extremrisiken an den Kapitalmarkt aus. Und das aus schlichter Notwendigkeit, da Großschäden irgendwann eine potenzielle Größe erreichen, die klassische Versicherungskapazitäten allein nicht mehr auffangen können. An der Nahtstelle beginnt der ökonomische Rendite-Risiko-Transfer.

Ein Katastrophenbond ist daher kein an die künftige Kapitaldienstfähigkeit eines Unternehmens gekoppelter Kredit, sondern die Wette auf das Ausbleiben eines genau definierten Schadensereignisses. Tritt das Ereignis nicht ein, fließen Kuponzahlungen. Tritt es ein, können Zins und, je nach Ausgestaltung, sogar das Kapital ganz oder teilweise verloren gehen. Der Anleger bekommt also keine Prämie für die Bereitstellung von Liquidität, sondern für das Tragen von Versicherungsrisiken.

Historisch ist das kein modischer Auswuchs der Finanzindustrie, sondern die Antwort auf ein altes Problem: Nach großen Naturkatastrophen wurden Sachversicherungen sukzessive knapper und teurer, da die Schadenssummen überproportional stark anstiegen. Seit den 1990er Jahren gingen Assekuranzen aus dem Grund dazu über, Risiken wie Hurrikans oder Erdbeben über den Kapitalmarkt abzusichern, um ihre Bilanzen zu schonen. Emittenten sind typischerweise Versicherer, Rückversicherer, Zweckgesellschaften oder auch öffentliche Einrichtungen, die sich gegen Extremereignisse absichern wollen. Für sie sind Cat Bonds kein Renditeprodukt, sondern ausgelagerte Resilienz. Für Anleger wiederum sind sie ein Instrument, um an Versicherungsprämien zu partizipieren, ohne direkt von klassischen Unternehmensgewinnen oder Zinsbewegungen abhängig zu sein.

Wer Cat Bonds hält, kauft kein normales Kreditrisiko, sondern ein Versicherungsprodukt. Genau deshalb werden diese Instrumente oft als wenig korreliert zu Aktien, Staatsanleihen und klassischem High Yield wahrgenommen. Zugänglich sind sie aufgrund der Regulatorik und Stückelung üblicherweise nur institutionellen Anlegern.

Eine Möglichkeit für Privatanleger, sich in diesem speziellen Marktsegment zu engagieren, ist der Brookmont Catastrophic Bond ETF. Der Fonds wurde vor genau einem Jahr aufgelegt. Zum Jahreswechsel lagen rund 81 Prozent des Portfolios in Insurance-Linked Securities, zehn Prozent in Treasury Bills und fünf Prozent in Corporate Bonds. Die 71 Katastrophenanleihen im Bestand verfügten über ein Equivalent Rating von B+ und einen durchschnittlichen Coupon von knapp zwölf Prozent. Ausgeschüttet wird quartalsweise, die Dividendenrendite betrug zuletzt sechs Prozent.

Das unter dem Kürzel ILS an der NYSE Arca gehandelte Papier kombiniert den Vorteil hoher laufender Erträge mit einer geringen Abhängigkeit von traditionellen Kredit- und Zinsfaktoren. Geringe Korrelation bedeutet allerdings nicht geringe Gefahr. Sie bedeutet nur: Das Risiko kommt aus einer anderen Richtung. Wenn eine Unternehmensanleihe ausfällt, liegt das meist an der Bilanz, der Konjunktur oder Refinanzierung. Wenn ein Cat Bond ausfällt oder abgeschrieben wird, liegt es an einem Extremereignis: Hurrikan, Erdbeben, Sturm, Überschwemmung. Entscheidend ist also die Bedingung, unter der Zins und Tilgung verdient werden.

Was folgt daraus für Privatanleger? Erstens: Katastrophenbonds können als Beimischung zweckmäßig sein, wenn diese bewusst eine alternative Ertragsquelle suchen, die nicht primär an Aktienbewertung, Duration oder klassische Kreditausfallzyklen gekoppelt ist. Zweitens: Sie sind kein Sicherheitsanker. Wer Sicherheit sucht, ist hier gedanklich an der falschen Adresse. Die Risiken sind real, nur eben anders gelagert. Drittens: Das Produkt macht einen bisher verschlossenen Markt zugänglich. Genau darin liegt sein strategischer Nutzen.

Aber Zugänglichkeit ist noch kein Qualitätsbeweis. Und ein ETF ersetzt nicht die Eignungsprüfung für das eigene Portfolio. Cat Bonds sind vor allem dann interessant, wenn sie eine bestehende Einkommensarchitektur ergänzen.

Apropos Zugang: Aufgrund der EU-Regulatorik – Stichwort: MiFID II – kann der Fonds ausschließlich über Nicht-EU-Broker geordert werden. Diesbezügliche Vorschläge unterbreite ich gerne auf Anfrage.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 24. April erscheinenden Mai/Juni-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 261.


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