06. Mai 2026
Kowalskys Presseagentur meldet: Faule Illusionen
Die ungezahlten Kosten und politische Reaktionen
von Kurt Kowalsky
Nach gewöhnlich gut informierten Kreisen teilte das Bundeskanzleramt mit, dass der Bundeskanzler nicht beabsichtigt, die Beerdigungskosten von Verstorbenen zu bezahlen. Dies erfolge in historischer Kontinuität früherer Regierungen.
Auf einer Veranstaltung hatte eine Frau über ihre Krankheit berichtet und gemeint, sie hätte das Geld für ihre eigene Beerdigung nicht mehr, da man ihr die Kosten für die Heilbehandlung nicht bezahle. Warum, fragte die Frau den Bundeskanzler, wäre aber Geld für eine Erhöhung des Kanzlergehalts um 65.000 Euro da.
Da das Elend einer ungefragt fragenden Frau, so ein Politikkenner, einem Politiker der höheren Weihen professionell am Arsch vorbeigeht, konzentrierte sich Merz in seiner Antwort auf die 65.000 Euro.
Der weitgehend beratungsresistente Merz, der einen Hang zum unangemessenen Poltern hat, kanzelte also die Frau ab und bezichtigte sie, die Unwahrheit zu sagen. Er behauptete, zu keinem Zeitpunkt wäre von ihm oder Mitgliedern der Bundesregierung erwogen worden, die Bezüge anzuheben.
Ist das Erwägen lediglich ein mentaler Prozess, lässt sich ex post natürlich alles behaupten. Die Aussage der Frau stützte sich aber auf einen von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) im April 26 vorgelegten Gesetzesentwurf. Dass Dobrindt aufgrund der Proteste den Gesetzesentwurf wieder zurückgenommen hatte, wusste die Frau offenbar nicht.
Dem Wesen nach ist ja so eine Kanzlerposition ein Ehrenamt. Die bis zu 38.000 Euro an Bezügen und Zulagen monatlich stehen in keinem Verhältnis zum Lohn eines Facharbeiters mit abgeschlossener Berufsausbildung. Im Verhältnis zu anderen ungerechtfertigten Vergütungen sind sie aber ein Trinkgeld.
Neben den kommunikativen Desastern, welche sich bei Merz wie die Raben auf der Stange reihen, ist es bezeichnend für diese Gesellschaft, dass nicht nur die krebskranken Frauen, sondern Hinz und Kunz offenbar der Ansicht sind, sie hätten irgendwelche Ansprüche an den Staat. Und dass irgendwelche Milliarden da eingespart werden könnten und dort ausgegeben. Doch eine solche Kausalität gibt es nicht. Obwohl die in Frage stehenden 3,5 Milliarden jetzt nicht für die höhere Beamtenbesoldung ausgegeben werden, wird die Heilbehandlung der Frau trotzdem nicht bezahlt.
Das sind alles völlig voneinander unabhängige Vorgänge, wie uns ein Regierungsphysiker erklärte. Vergünstigungen und Zeugs werden den Menschen dann gnädig gewährt, wenn sich die Machthaber davon einen Vorteil versprechen. Dieser Vorteil kann in Form von Wählerstimmen spekuliert sein oder mit einem späteren Aufsichtsratsposten bei einem Industrieunternehmen oder einem Beratervertrag nach stressiger Amtszeit. Ansonsten wird das eingetriebene und den Leuten abgenötigte Geld in der eigenen Clique verteilt.
Das bedeutet auch, dass alles jemals Gewährte eben irgendwann wieder zurückgenommen wird. Um dann nach einiger Zeit von einer anderen Clique wieder gewährt zu werden. Jedes Kind, das schon öfter auf dem Volksfest in einer Geisterbahn gefahren ist, wird dies bestätigen können. Die Schreckensgestalten wechseln sich wohl ab, sind im Grunde genommen immer dieselben in neuer Gestalt. So wurden vermutlich auch mal die Beerdigungskosten von der Krankenkasse bezahlt. Dafür wird jetzt auch der Zahnersatz nicht mehr bezahlt.
So besteht noch die Möglichkeit, sich die Beerdigungskosten von der Rentenversicherung bezahlen zu lassen. Dafür sollte man die Oma nach ihrem Ableben noch drei Monate in der Tiefkühltruhe zwischenlagern, sodass man in dieser Zeit noch ihre Rente kassieren kann. Ein Problem, so haben wir uns sagen lassen, gäbe es beim Auftauen, wenn man den Hausarzt nicht kenne. Verzichtet man ferner auf eine Feuerbestattung, damit keine zweite Leichenschau stattfindet, nimmt die Angelegenheit den üblichen faulen Gang.
Korrekturhinweis: In einer früheren Ausgabe stand etwas von „unserem Bedauern“. Wir bitten die Falschmeldung zu entschuldigen.
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