22. April 2026
RezensionChristoph Fackelmann, Till Kinzel: Lepanto-Almanach 6/7 (2025/26)
Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte
Der Lepanto-Verlag ist nach einem epochalen Ereignis europäischer Geschichte benannt. Da sind die Erwartungen hoch, wenn ein literarischer Kalender – ein Almanach – vorliegt, und diesmal sogar in einer Doppelausgabe, über 600 Seiten stark. Die Anthropologie Josef Piepers ist Thema im Lepanto-Almanach 2025/26. Der Autor, Daniel Zöllner, setzt bei Immanuel Kant und Thomas von Aquin an, um die Gedanken dieses bedeutenden katholischen Theologen zu erklären. Der Mensch, so resümiert er, muss „einen Raum der Freiheit inmitten des totalen Anspruchs von Kapital, Technik und Medien“ behalten. Höchst aktuell! Christoph Fackelmann baut seinen Beitrag auf einem scheinbaren Widerspruch auf: „Die Sprache spricht als das Geläut der Stille.“ Als Ausgangspunkt für diesen Satz Martin Heideggers identifiziert er Georg Trakls „Winterabend“. Derlei kirchliche Bezüge finden sich sehr zahlreich in diesem Band, so auch bei einer Ausarbeitung zu Paul Gerhardt, dem Dichter vieler bekannter Kirchenlieder und Zeitzeuge des Dreißigjährigen Krieges. Richard Reschika führt seine Leser in den „Bann der byzantinischen Idee“ – so umschreibt er den Kulturkonservatismus Konstantin N. Leontjews, der Grundlage und Anschauungsobjekt seines Aufsatzes ist. Der hochbedeutende Reinhold Schneider kommt später, im Abschnitt „Werkstatt“, zu Wort – ebenfalls zu Leontjew. Drei Aufsätze über die völlig zu Unrecht zunehmend in Vergessenheit geratende Schriftstellerin Gertrud von le Fort folgen: Felix Hornstein schreibt über die Aktualität der Novelle „Die Letzte am Schafott“, Ruth Wahlser über die Erzählung „Die Opferflamme“ und Gerhard Ringshausen über die Bedeutung le Forts für den Widerstand im Dritten Reich. Dies alles sind nur Beispiele – auf 600 prall gefüllten Seiten spiegelt sich das Geistesleben mit kirchlichem Bezug. Um dieses wahrlich spannende „Jahrbuch für deutsche Literatur und christliche Geistesgeschichte“ – so der Untertitel des Lepanto-Almanachs – kommt man schlechterdings nicht herum.
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