19. April 2026
Freibier: Massiver Rückgang des Bierkonsums
Der (neue) deutsche Michel ist systemkonform und abstinent
von Helge Pahl
Wenn wir derzeit aus dem Fenster schauen, können wir die Demontage ganzer Industriezweige beobachten. Grundstoffindustrie, Chemie, Maschinenbau und Automobilhersteller schließen Betriebe und Werke, bauen sie bestenfalls in Fernost oder in den USA wieder auf, neuer, schöner, größer. Gas- und Ölpipelines, die lebenswichtigen Arterien unserer hochkomplexen Volkswirtschaft, werden höchst EU-kommissarisch abgeklemmt oder sogar freundschaftlich-geheimdienstlich gesprengt. Unheimlich, wie in Trance versetzt, jedoch stocknüchtern, klatscht der Michel, wenn AKW-Kühltürme oder nagelneue Kohlekraftwerke in die Luft fliegen. Er hat sich erfolgreich ins Gehirn scheißen lassen. So gut, dass er (trotzdem oder weil er im Geschichtsunterricht kaum etwas anderes als das Dritte Reich zu wissen bekam) die alten nationalsozialistischen Heilmittel wie die Wunderwaffen aus Peenemünde bejubelt: Mietendeckel, Militärzwang, Reichsfluchtsteuer, Gleich- und Ausschaltung kritischer Medien und das Zupflastern der Kulturlandschaft mit unzähligen Reichskrafttürmen in mannigfaltiger Bauart, Frequenz und Höhe. Die in der BRD nie überwundene sozialistisch-ideologische Naziparole „Gemeinnutz vor Eigennutz“ wurde durch das Bundesverfassungsgericht noch einmal quadriert, indem der vermeintliche Gemeinnutz zukünftiger Generationen vor dem vermeintlichen Eigennutz jetziger geschützt werden muss und letztere dadurch vorsorglich zurück in die Steinzeit deindustrialisiert gehören. Der Globetrotter und Buchautor Kolja Spöri attestiert trefflich: „Die Deutschen sind das hirngewaschenste Volk in der Geschichte der Menschheit.“
Sie, werter und treuer Leser dieser Kolumne, wissen es längst: Bier ist die Quelle der Zivilisation (siehe ef 230), und daher ist es nicht verwunderlich, dass mit dem Rückgang des Bierkonsums auch der kulturelle und ökonomische Niedergang eingeläutet wurde. Erst ganz behutsam, fast unmerkbar, dann allmählicher und nun rasend schnell ohne Fallschirm geht es gen Abgrund. Mitte der 1970er Jahre genoss noch jeder Bewohner Westdeutschlands statistisch gut 150 Liter Bier pro Jahr, wohl gemerkt alkoholhaltig, denn das sogenannte alkoholfreie „Bier“ steckte noch in den Kinderschuhen. Im Jahr 2024 lag der gesamtdeutsche Bierkonsum pro Kopf bei 88 Litern, darin enthalten jedoch circa zehn Liter alkoholfreier Gerstensaft. Im letzten Jahr verzeichnete der Bierabsatz in Deutschland noch einmal einen Rekordrückgang von sechs Prozent. Binnen 50 Jahren hat sich also der Pro-Kopf-Konsum von alkoholhaltigem Bier in Deutschland halbiert.
Die Gründe mögen uns vielfältig erscheinen: vermeintlich gestiegenes Gesundheitsbewusstsein, geänderte Freizeitgewohnheiten, mehr Schreibtisch- und weniger Malocherjobs und somit schwindender Durst und so weiter. Dahinter steckt eine zunehmende öffentliche Abwertung der Kulturdroge Alkohol. Und diese Diskreditierung hat insbesondere eine starke politische Komponente: Kneipen und vor allem ihre Stammtische gelten spätestens seit der illegalen Massenmigration als subversive Orte proletenhafter Rechtsextremisten, wo man es wagt, nach dem dritten Bier öffentlich Missstände zu benennen und frei Regierungskritik und Staatsdelegitimierung hinauszuposaunen. Bereits 2008 behauptete der regierungsnahe Fernseharzt Eckhart von Hirschhausen in der Zeitung „Die Welt“, dass vermehrter Alkoholkonsum zu konservativen Ansichten führe. Die unterschwellige Botschaft lautet deshalb: Lassen wir lieber die Finger von Schnaps und Bier, bevor wir noch braun werden und blau wählen.
Als Hauptargument gegen das Bier wird jedoch die vermeintliche Gesundheitsgefahr, die von ihm ausgehe, herangeführt. Ungefähr bis zur Jahrtausendwende schien die sogenannte „Weltgesundheitsorganisation“ (WHO) noch redliche Ziele zu verfolgen. Immerhin verkündete sie die frohe Kunde, dass der Konsum von einem Liter Bier pro Tag bei einem erwachsenen Mann nicht schädlich sei. Diese Menge ist nunmehr um 40 Prozent geschrumpft: Ab 0,6 Litern Bier täglich kann das Leben offiziell bereits gefährlich werden. Was ist passiert? Liegt es daran, dass viele Menschen durch die Nebenwirkungen, bedingt durch die Teilnahme an einem gentherapeutischen Experiment, gesundheitlich angeschlagen sind? Oder macht sich hier der zunehmende Einfluss muslimischer Staaten und Organisationen auf die WHO bemerkbar? Bekanntlich ist Alkohol haram und Allah sieht jeden Schluck – zumindest, so lang es hell ist, wie mir ein befreundeter Moslem lachend erklärte.
Bier ist ein urdeutsches Kulturgut, aber nicht exklusiv. Sein Konsum ist identitätsstiftend, fördert Geselligkeit und Kommunikation, wirkt somit integrativ. Sie können sich völlig unbeschwert und mit Leichtigkeit nach dem Genuss von zwei, drei Bieren mit Niederländern, Belgiern, Tschechen, Briten, Skandinaviern, Polen, Ungarn, Schweizern, Italienern, Griechen, ja sogar Franzosen unterhalten und verbrüdern. Das gleiche gelingt möglicherweise auch mit Bewohnern der Levante, wenn Sie sich mit Energydrinks ausreichend aufgeputscht irrtümlich in eine Shisha-Bar verirren, weil sich an dem Ort früher Ihre Stammkneipe befand. Schöne neue Welt.
Der eingangs erwähnte klatschende Michel beklatscht seinen Untergang übrigens auch dann, wenn er als Brauunternehmer tätig ist. So wurden vom deutschen Brauerbund Gestalten zu sogenannten Bierbotschaftern ausgerufen, die über Jahrzehnte mit ihrer Politik an den Wurzeln der mittelständischen Unternehmen sägen; darunter Sigmar Gabriel, Julia Klöckner, Winfried Kretschmann, Cem Özdemir, Peter Altmaier, Volker Kauder, Frank-Walter Steinmeier, Ilse Aigner. Der brauende Michel biedert sich an und hofiert jene Politikkaste, die ihn wiederum sein eignes Grab schaufeln lässt. Als unlängst wieder einmal die Rufe aus der Politik nach höheren Alkoholsteuern laut wurden, fragte ich beim Brauerbund an, ob bereits ein Standardprotestschreiben vorbereitet sei, um den jeweiligen Abgeordneten der Mitgliedsbrauereien den Unmut und die prekäre Lage der Branche zu verdeutlichen. Nein, war die Antwort, das sei nicht notwendig, da man diese Thematik ja laufend bei parlamentarischen Frühstücken erläutere. Der Lobbyist ist der beneidenswerteste unter den Doppelagenten. Sein Leben ist gleichermaßen gefahrlos und exzessiv.
Neben neuen oder höheren Alkoholsteuern werden wir alsbald auch von Alkoholverbotszonen profitieren können. Mein Bundesland, Schleswig-Holstein, bekanntlich regiert von einem Ausnahmepolitiker, der die Karten seiner amtsbedingten schizophrenen Störungen im öffentlich-rechtlichen Reality-TV geschickt auszuspielen versteht, hat unlängst per Gesetz Kommunen ermöglicht, einschlägige Plätze zu alkoholfreien Bannzonen zu erklären. Tatsächlich haben die Erfahrungen der letzten zehn Jahre gezeigt, dass – neben den nüchternen Messern – auch etliche beschwipste Messer die extra eingerichteten Messerverbotszonen einfach ignorieren. Eine alkoholbefreite Messerverbotszone wird nun aber endlich die zunehmende Messergewalt verhindern. Ganz sicher.
Von dem amerikanischen Schriftsteller und leidenschaftlichen Trinker Charles Bukowski stammt der weise Ratschlag: „Wo auch immer die Masse hingeht, renn in die andere Richtung! Sie haben immer unrecht.“ Wenn die asketische Mehrheit also abstinent zum Gänsewein greift, bestellen Sie sich besser ein Bier! Wenden Sie sich ab vom Mainstream und gehen schnurstracks hinein in die verpönte Kneipe! Und warum gründen Sie nicht einen staatskritischen Stammtisch oder schließen Sie sich einem an? In Balingen, Bernburg, Frankfurt, Göppingen, Grevenbroich, Hamburg, Kiel und Magdeburg finden regelmäßig bereits libertäre Kneipenrunden statt. In geselliger Umgebung und bei einem trefflichen Gerstentrunk macht die Delegitimierung des Raubstaates gleich dreimal so viel Spaß.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 27. Februar erscheinenden März/April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 260.
Anzeigen
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.
Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.
Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.


