03. März 2026
RezensionJavier Milei: Der Weg des Libertären
Freiheit in ihrer reinsten Form
An der Person Javier Milei scheiden sich die Geister. Kaum ein anderer Politiker Argentiniens polarisiert derzeit stärker, konsequenter und spart weniger mit scharfen Worten gegenüber politischen Gegnern, Gewerkschaften und dem etablierten Parteisystem. Sein Buch „El Camino del Libertario“ aus dem Jahr 2022, inzwischen auf Deutsch unter dem Titel „Der Weg des Libertären“ erschienen, liefert dafür reichlich Belege – programmatisch, persönlich und rhetorisch zugespitzt. Ob Milei seinen libertären Ansprüchen tatsächlich gerecht wird, ist umstritten und bleibt auch nach der Lektüre offen. Fest steht jedoch: Seine Partei La Libertad Avanza gewann bei der Kongresswahl im Oktober 2025 knapp die absolute Mehrheit. Ein Erfolg, der sich nicht allein mit Protestwahl oder medialer Zuspitzung erklären lässt. Im Buch kommen zahlreiche Weggefährten zu Wort, darunter Lilia Lemoine, damals Visagistin und Fotografin. Sie schildert, wie sie Milei nach wenigen Minuten Youtube-Recherche intuitiv folgte. Für sie ist er kein Populist, sondern ein echter – im Wortsinn populärer – Anführer. Tatsächlich speist sich Mileis Erfolg aus seinem Talent, ökonomische Theorie emotional aufzuladen und große Massen zu erreichen. Besonders eindrücklich sind die fünf Reden am Ende des Buches, ein wahres Fest für Rhetoriker: „Ich bin nicht gekommen, um Lämmer zu führen. Ich bin gekommen, um Löwen zu wecken!“ Überraschend wirkt der nahezu grenzenlose Optimismus, mit dem Milei auf Argentinien und die Welt blickt. „Es ist keineswegs übertrieben optimistisch zu glauben, dass das Beste noch vor uns liegt“, schreibt er. Seine Begründung liefert er nüchtern: Zahlenmaterial, Adam Smith und das Prinzip der Konvergenz. Länder mit geringem Wohlstand besitzen hohes Wachstumspotenzial; langfristig, so Milei, gleichen sich Produktivität und Einkommen an. Fazit: Anhänger der Österreichischen Schule lernen, wie Mises und Hayek politisch wirksam werden können. Etatisten erfahren, warum sie irren. Und Pessimisten erkennen, welches Wachstum freie Märkte ermöglichen. Viva la libertad, carajo!
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