15. November 2019

„Gigafactory“ für Elektroautos soll in Brandenburg entstehen Tesla und das Dinkelbrötchen

Wo soll das Geld herkommen, woher die Arbeitskräfte, woher die Käufer?

von Spoeken Kieker

Artikelbild
Bildquelle: Hadrian / Shutterstock.com Soll in Brandenburg gebaut werden: Tesla

Dieselben Leute, die es seit zehn Jahren nicht schaffen, einen Flughafen fertigzustellen, sollen jetzt dafür sorgen, dass in einer neuen Autofabrik ausgerechnet in der Nähe des Flughafens Berlin/Brandenburg ab 2021, also in spätestens zwei Jahren, Autos vom Band rollen. Es zeigt die ganze Operettenhaftigkeit der deutschen sogenannten Politik, dass der Politikversager und Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller und der Politikversager und brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) darüber streiten, wer jetzt dafür verantwortlich ist, dass der selbsternannte E-Auto-Pionier Tesla seine dritte Gigafactory in der Bundesrepublik ansiedeln und zudem ein Design- und Technikzentrum in Berlin errichten will.

Die deutsche Qualitätspresse jubelt: „Tesla braucht ein grünes Image, Brandenburg hat es, weil es dort viel Ökostrom gibt. Dort lässt sich klimaschonend produzieren, Ökologie wird zum positiven Wirtschaftsfaktor“, ist etwa in der regierungsnahen „taz“ zu lesen, die völlig ausblendet, dass die durch die Energiewende drastisch gestiegenen Strompreise ein massives Problem für die Wirtschaft sind. Und die „Märkische Oderzeitung“ hat aus der jüngeren brandenburgischen Geschichte nichts gelernt: „Endlich mal wieder Aussicht auf eine richtige Großansiedlung. Es zeigt, dass Wirtschaftsförderer und Politiker gute Arbeit geleistet haben.“ Vergessen sind die Großansiedlungs-Fehlschläge Cargolifter und Chipfabrik in Frankfurt/Oder. Parallelen zu Erich Honeckers Wunderchip in der DDR-Schlussphase drängen sich geradezu auf. Unsere Politikdarsteller müssen sich ein paar Fragen gefallen lassen:

Erstens: Wo soll das Geld für die Investition herkommen? Wie bekannt ist, hat Tesla noch nie einen Dollar verdient. Tesla ist ein Hätschelkind des weltweiten grünen Jetsets, einer neuen luxuriös lebenden Oberschicht, die mit Vielfliegerkarte in der Brieftasche Klimaschutz predigt und den in der Großgarage der von den Eltern geerbten Villa stehenden Tesla zum Brötchenholen nutzt. Es gibt Gerüchte, dass Tesla-Chef Elon Musk persönlich schon pleite ist – ein Hochstapler vor dem Fall. Die letzten Gigafactorys sind mit hohen Zuschüssen des US-Staates Nevada und von chinesischen Banken in Staatsbesitz finanziert worden. Also, Herr Müller und Herr Woidke, beantworten Sie die Frage, woher das Geld für den Bau kommen soll. Tesla hat es definitiv nicht.

Zweitens: Nach deutschem Genehmigungsrecht ist die Fertigstellung einer solchen Anlage bis 2021 völlig ausgeschlossen. Soll hier Genehmigungsrecht einfach umgangen und nicht beachtet werden? Uns würde dies in Hippie State nicht wundern, wenn für die „Guten“ die eigenen Gesetze nicht gelten. Dient ja alles höheren Zwecken.

Drittens: Sollte die Gigafactory einmal fertig sein: Wo sollen die 7.000 Arbeiter herkommen? Wenn man sich die schluffigen bärtigen Gestalten anschaut, die in Berlin zum Beispiel in Bäckereien arbeiten, mit Mühe und Not zwei Dinkelbrötchen in eine Papiertüte stecken können und kaum in der Lage sind, das Wechselgeld herauszugeben, oder beim Edeka an der Kasse sitzen und dort mit ihrer Behäbigkeit für lange Warteschlangen sorgen, dann fragt man sich, wie die in einer Acht-Stunden-Schicht (und bei Überstunden) Autos mit schwerem Werkzeug zusammenschrauben sollen. Diese jungen Männer (man mag sie eigentlich nicht so bezeichnen) brechen doch bei der kleinsten Belastung zusammen und müssen dann von ihrer Mama im Familien-SUV abgeholt werden.

Viertens: Sollten Teslas tatsächlich in Deutschland vom Band rollen: Wer soll sie kaufen? Die Tesla-Modelle sind Klapperkisten, weil das Musk-Unternehmen seine Produktionsprobleme nicht in den Griff bekommt. Das wird in deutschen Testberichten verschwiegen beziehungsweise verniedlicht. Die Reichweitenangaben sind maßlos übertrieben, werden aber von einer regierungsnahen Journaille kritiklos akzeptiert, während sonst jeder Abgaswert grundsätzlich angezweifelt wird. Für die grüne Oberschicht reicht es, so ein Vorzeigeobjekt zu besitzen, auch wenn es klappert wie einst ein Polski Fiat. Verkaufen lassen sich E-Autos außerdem als Dienstwagen für Staat, Verbände, Stiftungen und Unternehmen für den grünen Eigenanstrich – und nur mit riesigen Subventionen durch den Staat. Für die allgemeinen Marktaussichten von Tesla und Co reicht ein Satz des BMW-Entwicklungsvorstandes Klaus Fröhlich: „Wir könnten jedem ein elektrifiziertes Fahrzeug liefern, aber niemand will es kaufen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Die Kieker (Die Spoekenkiekerei)“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Staatswirtschaft

Mehr von Spoeken Kieker

Über Spoeken Kieker

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige