10. August 2019

Elektroautos Der Schrott von morgen

Der Weg wird kein leichter sein

von Holger Finn

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Bildquelle: shutterstock Moralischer Verschleiß im Zeitraffer: Elektroauto

Die Perspektive wird allmählich klar, der Weg zeichnet sich deutlich ab. Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung seit Jahren alljährlich auf die Straße bringen, bisher hat das nicht geklappt, doch das Vorhaben bleibt – genau wie die Absicht, eine europäische Lösung für die Flüchtlingsverteilung zu finden – gerade deswegen immer weiter aktuell. Und sie hat Rückenwind: 80.000 E-Autos wird allein Fiat Chrysler demnächst pro Jahr ausliefern, das sind genauso viele Elektrofahrzeuge, wie derzeit insgesamt in Deutschland abgesetzt werden.

Um die momentan noch mit fossilen Treibstoffen betriebenen 42 Millionen Autos, Transporter und Lkw nach und nach zu ersetzen, bräuchte es beim derzeitigen Tempo nicht einmal ganz 500 Jahre.

Eine einfache Rechnung, die allerdings noch außer Acht lässt, was auf die Umwelt zukommt. Für 42 Millionen Neufahrzeuge mit Elektroantrieb werden 120 Millionen Tonnen Stahl, 40 Millionen Tonnen Aluminium und 2,1 Millionen Tonnen Lithium benötigt. Beim Stahl sind das nur drei komplette deutsche Jahresproduktionen, wenn für diese Zeitspanne nichts anderes aus Stahl gebaut wird. Beim Lithium werden hingegen schon mehr als 50 derzeitige Jahresproduktionen benötigt, um die ehrgeizigen deutschen Klimaziele zu erreichen.

Da Deutschland selbst nur über sehr geringe und bisher nicht einmal erschlossene Lithium-Vorkommen verfügt, könnte es eng werden. In Europa erst recht: Um alle 250 Millionen Fahrzeuge, die in der EU zugelassen sind, durch elektrisch angetriebene Pkw, Transporter und Lkw zu ersetzen, wären 12,5 Millionen Tonnen Lithium nötig. Die Produktion der nächsten 250 Jahre.

Auch bei den Produktionskapazitäten für die Fahrzeuge und bei deren Versorgung durch das öffentliche Stromnetz steht der „Wandel“ (von der Leyen) bevor, aber vor unklaren Bewältigungsverhältnissen. Der aktuelle Stromverbrauch von rund 530 Terawattstunden stiege durch den Bedarf der E-Fahrzeuge um etwa ein Drittel auf 700 Terawattstunden. Um die Lücke vegan, ökologisch und kohlendioxidfrei zu füllen, bräuchte es um die 17.000 neue Windräder, die aufzubauen allerdings erst einmal rund 50 Millionen Tonnen Stahl erfordern würde. Dadurch entständen etwa 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Nein, dieser Weg wird kein leichter sein, auch weil jeder, der heute ein Elektroauto kauft, eine Technik erwirbt, deren moralischer Verschleiß im Zeitraffer vonstattengeht. Ist ein aktuelles Benzin- oder Dieselfahrzeug technisch so ausentwickelt, dass das Modell des kommenden Jahres kaum besser sein wird, verhält es sich beim Elektroauto genau umgekehrt: Die nächste Generation wird viel besser und die übernächste wiederum noch viel besser sein.

Jeder Euro, der jetzt in ein elektrisch angetriebenes Auto gesteckt wird, ist in ein, zwei Jahren nur noch 50 Cent wert, weil dann kein Mensch mehr ein solches Auto wird kaufen wollen. Die erste Generation der Elektroautos lebt es vor: Ein zwei Jahre alter Chevrolet Volt, der ehemals über 42.000 Euro kostete, ist heute schon kaum noch die Hälfte wert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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