09. Oktober 2020

Elmar Theveßen Die Zerstörungsphantasien des Leiters des ZDF-Studios in Washington

Über einen „Amerika-Kenner“, der Trump als Inkarnation des Teufels sieht

von Holger Finn

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Bildquelle: Olaf Kosinsky / Wikipedia (Lizenz CC BY-SA 3.0-de) Elmar Theveßen: „Leiter des deutschen Sondergerichts für Trump“

Die ganz feine Klinge, die politisch unvoreingenommene Analyse oder der von eigenen Vorurteilen nicht vorab bestimmte Urteilsspruch sind seine Sache nun wirklich nicht. Wenn Elmar Theveßen im deutschen Fernsehen den Amerika-Kenner gibt, der zu sein ihn seine Anstellung als ZDF-USA-Korrespondent verpflichtet, dann gehen stets die Pferde mit dem langjährigen Chef vom Dienst der ZDF-Hauptredaktion „Aktuelles“ durch. 

Theveßen wettert und schimpft, er vernichtet und nörgelt, nichts ist ihm links und alles zu rechts und klar wird schnell: Der Mann aus Viersen mag Amerika mögen. Aber die Amerikaner und die USA, die mag er nicht. Vor allen anderen natürlich den einen nicht. „Donald Trump ist ein bösartiger Narzisst mit einem übersteigerten Streben nach Anerkennung, der Überhöhung der eigenen Person aus großer Machtgier und tiefem Unsicherheitsgefühl, mit schamlosem Lügen als Teil einer alternativen Wahrnehmung der Wirklichkeit“, schrillt Theveßen in seinem neuen Buch, das „Die Zerstörung Amerikas“ heißt, weil unter dem macht er es nicht, der ZDF-Mann, der in einem früheren Werk schon „Die Bush-Bilanz. Wie der US-Präsident sein Land und die Welt betrogen hat“ enthüllt hatte.

Auch hier und heute sind wieder böse Mächte am Werk, Trump ist für Theveßen eine Art Teufel, der die USA „für immer“ verändern will. Und die Welt dazu – nein, darunter macht es der ZDF-Mann nicht. Was gar nicht erlaubt ist, glaubt man Theveßen. Die Welt muss bleiben, wie sie immer war, das ist doch klar, sagt der Mann, der wegen seiner Bücher „Nine-Eleven: Der Tag, der die Welt veränderte“ und „Al-Qaida – Wissen, was stimmt“ in einer Zweitrolle auch immer wieder als Experte für Terrorismus, organisierte Kriminalität, Wirtschaftskriminalität und Nachrichtendienste auftritt.

Das aber erledigt er im Nebenjob. Seine wahre Leidenschaft, der nachzugehen ihn das ZDF mit knapp über 200.000 Euro vergütet, gilt Donald Trump, Donald Trump und nur Donald Trump. Lieferten frühere Korrespondentengenerationen zuweilen auch Nachrichten nach Hause, die nicht am Zaun des Weißen Hauses entstanden, so konzentriert sich Elmar Theveßen auf ähnlich entschlossene Weise auf die Trump-Berichterstattung wie das Magazin „Der Spiegel“. Das schaffte binnen nur dreier Tage 67 Meldungen, Hintergrundberichte, Kommentare und Anklageschriften zu Donald Trumps Covid-Erkrankung.

Theveßen ist als öffentlich-rechtlich bestalltes Auge der Deutschen im früheren Partnerland nicht ganz so emsig, aber für ZDF-Verhältnisse kommt er auf eine imponierende Frequenz an Filmen, Kommentaren und Verrissen über den US-Präsidenten. Mal ist er „Der Unverantwortliche“, dann lügt er, dann steckt er seine Leibwächter an, obwohl sie Schutzanzüge tragen, dann „sendet er Signale aus“, dass er „das Ergebnis der US-Wahl im Falle einer Niederlage nicht anerkennen“ wird und dann dopt er sich mit Steroiden, die die „Immunreaktion des Körpers gegen Covid-19 unterdrücken“.

Elmar Theveßen berichtet in der Regel nicht, er richtet hin. Konzentriert auf seine Aufgabe, die längst eine Umbenennung des Jobs in „Leiter des deutschen Sondergerichts für Trump“ verdient hätte, liefert Theveßen absurde „Nachrichten“ wie die, dass namenlose „Ärzte außerhalb von Trumps Team“ dessen Krankenhausentlassung „kritisiert“ hätten. Oder dass es ein „Schuss realer Surrealität“ sei, wenn Menschen in den USA nun sagten, dass der Präsident Corona jetzt besser beurteilen könne als Joe Biden.

Berichtet wird, was passt. Alles andere findet nicht statt. Unter Elmar Theveßen ist das mächtigste Land der Welt zum Trump-Staat geschrumpft: Die USA haben in der Karikatur, die Theveßen von ihnen nach Hause sendet, die Gesichtszüge des Präsidenten, seine Stirnlocke und sie sprechen mit seiner Stimme.

Interessant an den um Uneindeutigkeit nie verlegenen Urteilen des 53-Jährigen ist jedoch nicht der konsequente Verzicht auf jegliches Bemühen um Ausgewogenheit, Nachrichtlichkeit und Fairness oder die komplette Ausblendung des normalen Alltagslebens in den Vereinigten Statten, sondern der Umstand, dass Theveßen sich selbst vollkommen und anlasslos glaubt.

Bizarre Fake News wie die, dass „Trumps Medikamente“ die geheimnisvolle Kraft haben, die „Krankheit nur zu unterdrücken“ (Theveßen), gelten dem Atlantikbrücke-Mitglied und mehrfachen Fernsehpreisträger als verlässlicher Fakt, mit dem Theveßen trotzig hausiert, obwohl sich selbst Nicht-Mediziner angesichts seiner Wick-MediNait-Phantasien vor Lachen die Bäuche halten.

So klein denkt Elmar Theveßen freilich nicht. Der, Medienberichten zufolge, im Streit mit Chefredakteur Peter Frey zurück zu seinem früheren Posten in Washington geflüchtete Karriere-Journalist hat aus früheren Irrtümern gelernt. Auch der größte Blödsinn ist schnell vergessen. Niemand in Deutschland erinnert sich heute noch daran, dass er, der führende Terrorismusexperte der Republik, behauptet hatte, der islamistische Terrorismus könne „militärisch nicht besiegt“ werden, weshalb „ein wirklicher Dialog der Kulturen“ der einzige Weg „aus der Sackgasse“ sei. Niemand weiß noch, dass er Trump der Errichtung einer Militärdiktatur bezichtigt hatte.

Und ebenso wird in einem Jahr oder in fünfen niemand mehr wissen, dass Theveßen der USA, die er traditionell als „zerrissenes Land“ bezeichnet, weil keineswegs alle US-Bürger einer Meinung sind, die Zerstörung vorausgesagt hatte. Die Vereinigten Staaten werden dann immer noch da sein, Theveßen eines Tages nicht mehr. Aber das wird dann schon gar keiner mehr bemerken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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