17. Juni 2019

RezensionManfred Schlapp: Es lockt der Ruf des Muezzins

Europa am Kreuzweg

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Das vorliegende Werk unterscheidet sich von anderen islamkritischen Büchern insofern, als es von einem Mann geschrieben wurde, der große Sympathie für den Orient empfindet. Dass er die koranarabische Sprache gut beherrscht, verleiht seinen Betrachtungen zusätzliches Gewicht. Der Autor bietet sowohl eine historische Analyse der Welt des Islam als auch tiefe Einblicke in dessen heilige Schriften – insbesondere in ihre Entstehungsgeschichte. Die tiefe Kenntnis der arabischen Sprache ermöglicht es Manfred Schlapp, die Bedeutung der im islamischen Schrifttum verwendeten Begriffe treffsicher zu erklären. Große Bedeutung für die Entwicklung der islamischen Welt und ihrer seit dem 7. Jahrhundert andauernden Aggression gegen das Abendland misst der Autor Muhammad al-Ghazali (1058-1111) zu, einem islamischen Gelehrten, der die „liberale“ okzidentale Philosophie vernichtend kritisiert und den Islam gegen westliche Einflüsse faktisch „versiegelt“ hat. Dass in der Welt des Halbmonds nach Ghazali – im Gegensatz zur Zeit vor ihm – faktisch kein nennenswerter Geistesblitz mehr zu verzeichnen war, ist wohl kein Zufall. Was ein gläubiger Moslem wissen muss, das findet er seither eben im Koran. Was nicht im Koran geschrieben steht, ist folglich wertlos. Der im Laufe der Jahrhunderte immer größere Rückstand der muslimischen Welt gegenüber dem Westen erklärt sich zum Großteil aus ihrer systematischen Abkehr vom Wissenserwerb. Dank seiner profunden Quellenkenntnisse versteht es der Autor, die im Koran angeordnete strikte Zweiteilung der Welt, die daraus folgende Unmöglichkeit der Anerkennung einer „Goldenen Regel“ und das Fehlen einer Aufklärung im Sinne Kants, in flüssiger, passagenweise sogar amüsant zu lesender Art und Weise zu vermitteln. Wer dieses Buch gelesen hat, wird anschließend jede Illusion auf ein friedvolles Miteinander von „Rechtgläubigen“ und „Kuffar“ begraben. Ehe die islamische Umma nicht das gesamte Erdenrund beherrscht, werden die Muslime keinen Frieden geben.


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