12. Juli 2026
Im Visier, die Waffenkolumne: Drohnengefahr und Abwehrwaffen
Innovationen schreiten in atemberaubendem Tempo voran
von Andreas Tögel
Wie der Ukrainekrieg zeigt, hat kaum ein anderes Phänomen die zeitgenössische Art der Kriegsführung stärker verändert als der massenhafte Einsatz von Kampfdrohnen. Galten als die gefährlichsten Gegner von Kampfpanzern bis dahin feindliche Kampfpanzer und bildeten Artillerie und Maschinengewehre die größte Bedrohung für Infanteristen, so sind es nun in beiden Fällen ferngesteuerte oder KI-gestützte, autonom agierende Drohnen.
Die Weiterentwicklung dieser anfangs störungsanfälligen Flugkörper erfolgt in atemberaubendem Tempo. Die Abwehr dieser Bedrohung stellt daher alle Waffengattungen – auch die Marine – vor große Herausforderungen.
Die „Kostenasymmetrie“ stellt ein Hauptproblem dar. Die Beschädigung oder Zerstörung millionenteurer Kampfmittel durch nur wenige hundert oder tausend Euro teure Drohnen zwingt die Rüstungsindustrie zur Entwicklung adäquater Antworten.
Der Einsatz luftgestützter Systeme (Kampfflugzeuge und bewaffnete Hubschrauber) ist teuer und für den Objektschutz nicht optimal geeignet. Autonom agierende „Interceptor“-Drohnen befinden sich gegenwärtig noch im Entwicklungsstadium.
Bodengebundene Waffen – Luftabwehrkanonen und -raketen – eignen sich zwar gut für den Objektschutz, kranken aber ebenfalls an einem ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. So kostet eine vom im Ukrainekrieg bewährten „Gepard“-Fliegerabwehrpanzer verschossene Rheinmetall-Granatpatrone im Kaliber 3,5 Zentimeter rund 560 Euro. Diese Munition enthält keinen Annäherungszünder, sondern programmierbare „AHEAD“-Gefechtsköpfe, die sich vor dem Ziel zerlegen und es mit einem Hagel hunderter Wolfram-Subprojektile überschütten. Zwischen sechs und zwölf Schuss sind nötig, um eine angreifende Drohne zuverlässig zu zerstören. Das bedeutet, dass auf eine weniger als 1.000 Euro teure Drohne Munition im sechsfachen Wert verschossen werden muss.
Kleinere Kaliber (etwa Zwei-Zentimeter-Maschinenkanonen, wie die General Electric M61-GAU4 Vulcan-Revolverkanone oder die Rheinmetall MK20 Rh202) verfügen weder über selbstzerlegende Projektile noch über Annäherungszünder, setzen auf hohe Feuerdichte und sind nur bei Volltreffern wirksam.
Eine zur Drohnenabwehr hervorragend geeignete Waffe ist die Rheinmetall „Skyranger 30“-Maschinenkanone mit einer Kadenz von 1.200 Schuss pro Minute. Die dafür entwickelte Munition besitzt einen Annäherungszünder, der mittels komplexer Sensortechnik im Nahbereich des Ziels eine Sprengladung zündet und das Ziel durch Splitter zerstört. Sowohl die Skyranger 30 als auch die größere Skyranger 35 können auf gepanzerten Radplattformen montiert werden und einen Luftschirm über marschierenden Einheiten bilden. Das österreichische Bundesheer hat als erste Armee 36 Einheiten der Skyranger 30 bestellt.
Den höchsten Kostenaufwand bedingt der Einsatz von Raketen zur Drohnenabwehr, wie langjährige Erfahrungen aus Israel belegen: Das von den IDF eingesetzte „Iron Dome“-System besticht zwar durch seine hohe Treffsicherheit, ist aber sehr teuer im Einsatz. Der Preis für eine Rakete beläuft sich auf mehr als 40.000 Euro.
Massenhaft einfliegende Drohnen können modernste Abwehrsysteme „übersättigen“. Auch sind die Produktionskapazitäten für Flugabwehrraketen begrenzt, sodass in länger dauernden Konflikten (etwa dem von Israel mit der Hamas oder der Hisbollah) die Gefahr besteht, die Bestände zu erschöpfen.
Eine vielversprechende Neuentwicklung für Einsatzweiten bis zu sieben Kilometer bilden Hochenergielaser, an deren Entwicklung mehrere Unternehmen arbeiten. Niedrige Kosten pro „Schuss“ und die Fähigkeit zu schnellen Zielwechseln sind deren Hauptvorteile. Problematisch ist indes ihre Wetterabhängigkeit. Regen, Nebel, Schneefall oder hohe Staubkonzentration in der Luft begrenzen die Einsatzmöglichkeiten.
Israel scheint mit dem von Rafael und Elbit-Systems entwickelten „Iron-Beam“, einem 100-kW-Hochenergielaser, die Nase vorn zu haben. Das System wird von den IDF bereits erfolgreich zur Abwehr von einfliegenden Drohnen, Raketen und Mörsergranaten eingesetzt.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 26. Juni erscheinenden Jul.-Aug.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 262.
Anzeigen
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.
Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.
Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.


