21. Mai 2019

RezensionThorsten Winkelmann (Hrsg.) Tim Griebel (Hrsg.): Der Brexit und die Krise der europäischen Integration

EU und mitgliedsstaatliche Perspektiven im Dialog

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Sammelbände verkaufen sich meist schlecht, besonders wenn es Festschriften sind. Bei der vorliegenden handelt es sich um eine Geburtstagsgabe für den Politikwissenschaftler Professor Roland Sturm. Sie hat einen hohen Nutzwert für alle, die sich in die komplizierte Materie des Brexit und der Krise der EU einarbeiten wollen. Schon das Vorwort der Herausgeber Thorsten Winkelmann und Tim Griebel liest sich mit Gewinn. Sie betonen, was oft übersehen wird: dass der Brexit nicht einfach auf eine rein britische Problematik beschränkt werden kann, sondern den Kern des europäischen Projektes insgesamt betrifft, da er nach Ansicht der beiden Verfasser das Ende einer „immer engeren Union“ markiert. Aus Sicht der EU sei der Austritt des Königreiches ambivalent, weil einerseits der wichtigste Zentralisierungsgegner wegfalle, andererseits aber ein Dominoeffekt entstehen könne. In 14 weiteren Kapiteln wird dann beleuchtet, inwiefern der Austritt Großbritanniens einzelne EU-Mitglieder tangiert und wie er von ihnen beurteilt wird, wie er sich auf die längst überfällige Reform der Europäischen Union auswirken könnte, wie er Europas Rolle in der Welt verändern würde und was von den Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 zu halten ist. Ein Kapitel widmet sich dem Konzept der „Brexiteers“, der Befürworter des Brexit, und ihrer Vision von einem souveränen „Global Britain“, das sich von den Brüsseler Fesseln befreit, in eigener Regie Handelsverträge abschließt und sich der angelsächsischen Welt einschließlich der früheren Kolonien zuwendet. Aufschlussreich auch der Beitrag des Politikwissenschaftlers Professor Udo Kempf („Frankreich und der Brexit“), der die realpolitischen Interessen Frankreichs nach einem Brexit untersucht. Frankreichs Gewicht in der Europäischen Union der 27 werde wachsen, auch auf Kosten Deutschlands. Insgesamt ein faktenreiches und sauber analysierendes Buch, das sich davor hütet, das Brüsseler Narrativ kritiklos zu übernehmen.


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