19. August 2026
Bürgerlicher Anarchismus: Enhanced Games – verbesserte Spiele
Plädoyer für mehr Ehrlichkeit und Freiwilligkeit nicht nur im Sport
von David Dürr
Große Aufregung herrschte kürzlich um eine Sportveranstaltung in Las Vegas namens „Enhanced Games“ mit Spitzensportlern in Leichtathletik, Gewichtheben und Schwimmen. Auf Deutsch heißt „enhanced“ so viel wie: angehoben, gesteigert, verbessert – und eben dies, verbessert, sollen hier die Leistungen der Athleten sein, bei diesen „Verbesserten Spielen“ in Las Vegas.
Indes: Was im etablierten Sportbusiness Rang und Namen hat, internationale Sportverbände, olympische Organisationen, Hauptstrom-Sportsmedien, war sich einig: Das mit diesen Enhanced Games geht gar nicht! Denn bei diesen ist – Schnappatmung! – Doping nicht verboten.
Doch spricht genau dies nicht gegen, sondern für diese Spiele: Es macht sie ehrlicher als Spiele mit Dopingverbot. Da gibt es keine Sportler, die standhaft lügen; keine Mannschaftsärzte, die Tricks gegen die Nachweisbarkeit bestimmter Substanzen suchen; keine lachhaften Ausreden von wegen Substanzübertragung durch Zungenküsse; damit auch keine Überwachungs-, Kontroll-, Denunziations- und Korruptionsprobleme; und auch keine Justizirrtümer, falls ein Sportler einmal zu Unrecht gesperrt wird.
Spiele ohne Dopingverbot sind auch sicherer: Erlaubtes Doping ist weniger schädlich als verbotenes. Verbotene Präparate müssen im Geheimen fabriziert werden, ohne wissenschaftlichen Fachaustausch und Peer-Reviews. Geplant und entwickelt werden sie nicht von den besten, sondern den jeweils kaltblütigsten Profis. Was dabei herauskommt, ist mit Sicherheit gefährlicher als das, was in seriösen und professionellen Labors erarbeitet wird.
Spiele ohne Dopingverbot sind auch wirtschaftlicher: Erlaubtes Doping ist ständigem Wettbewerb ausgesetzt, was den Preis tendenziell reduziert. Das kennt man von der Drogenwirtschaft; dort fürchten die Kartelle nichts so sehr wie die Legalisierung von Drogen, die ihre wucherischen Preise dramatisch einbrechen ließe.
Spiele ohne Dopingverbot sind schließlich moralisch legitimer: Sie gehen von der Freiheit des einzelnen Menschen aus, sein Leben, seine Gesundheit und sein Streben nach Glück in die eigenen Hände zu nehmen. Wer Freude daran hat, sich im Sport mit anderen zu messen, wer nicht nur mit Training und Technik, sondern auch mit optimierter Ernährung und pharmakologischer Unterstützung den Erfolg sucht, soll nicht daran gehindert werden. Selbst wenn es für ihn schädlich wäre, ist dafür niemand anders zuständig als er allein. Ihn vor sich selbst zu schützen, wäre ein anmaßender Übergriff in seine Selbstzuständigkeit und damit eine nicht zu rechtfertigende Bevormundung.
So sind Enhanced Games eine anschauliche Blaupause für den Umgang mit solchen Bevormundungen, nicht nur bei traditionellen Sportverbänden und ihren durchreglementierten Spielen, sondern auch und vor allem beim Staat mit seinem engmaschigen Netz von Verboten, Regulierungen und Kontrollen.
Da soll zwar jeder, dem diese Einengungen zusagen, mitmachen dürfen, gleich wie Sportler, die sich freiwillig auf ein Dopingverbot verpflichten. Doch ebenso sollte jeder die Freiheit haben, sich stattdessen „verbesserten Spielen“ zuzuwenden.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 26. Juni erscheinenden Jul.-Aug.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 262.
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