09. August 2026

Daniel Stüssi und das werthaltige Geld Freiheit und Verantwortung

Die Geschichte eines Praktikers der liberalen Freigeistigkeit

von Martin Moczarski

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Bildquelle: Redaktion Vermögensschutz: Balance zwischen physischem Besitz und digitaler Technologie (KI-generiert)

Es sind nicht immer dramatische Ereignisse, die einen Lebensweg verändern. Manchmal genügt ein einziger Moment der Irritation – ein Gedanke, der sich festsetzt, eine Beobachtung, die sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Bei Daniel Stüssi war es der Blick auf eine Graphik: das rapide Wachstum der Geldmenge, gesehen außerhalb der vertrauten Welt der Bank, in der er damals als Filialleiter tätig war.

„Da war mir sofort klar: Hier stimmt etwas nicht“, sagt er heute. Was folgte, war kein plötzlicher Bruch, sondern ein Prozess. Zweifel, Recherche, neue Perspektiven – und schließlich der Schritt heraus aus einem System, dem er zunehmend misstraute. Heute ist Stüssi CEO der RealUnit Schweiz AG, einer Investmentgesellschaft, die sich dem Schutz von Vermögen durch Sachwerte verschrieben hat. Doch um zu verstehen, was dieses Unternehmen ausmacht, lohnt sich zunächst der Blick auf den Menschen dahinter.

Stüssis Werdegang ist alles andere als akademisch-abgehoben. Er begann mit einer Lehre als Bankkaufmann, durchlief in jungen Jahren verschiedene Stationen im Vertrieb und Marketing und verbrachte schließlich zwei Jahrzehnte bei einer Tochter der Credit Suisse, zuletzt als Leiter zweier Filialen. Er beschreibt sich selbst als Praktiker – einer, der Dinge ausprobieren will, bevor er sie theoretisch durchdringt. Vielleicht erklärt das auch, warum er sich erst später gezielt weiterbildete: Blockchain, digitales Banking, Bewertungsmodelle. Nicht aus Neugier allein, sondern aus dem klaren Wunsch heraus, arbeitsmarktfähig zu bleiben und sich weiterzuentwickeln.

Eine wichtige Rolle spielte dabei ein Vorgesetzter, der mehr in ihm sah, als er selbst zu erkennen glaubte. Es war diese Mischung aus Förderung und Forderung, die ihn dazu brachte, neue Wege einzuschlagen. Dass genau dieser frühere Chef heute im Anlagekomitee von RealUnit sitzt, wirkt fast wie eine stille Bestätigung dieses Weges.

Wer Stüssi zuhört, merkt schnell, dass seine Sicht auf Geld eng mit seiner Vorstellung von einem gelungenen Leben verknüpft ist. Er ist Vater von vier Kindern, geschieden und lebt heute in einer glücklichen Partnerschaft. Über seine Rolle als Vater spricht er mit spürbarem Stolz. Werte weiterzugeben, so sagt er, sei das Nachhaltigste überhaupt. Diese Haltung spiegelt sich auch in seinem Alltag wider, der bewusst aus mehr besteht als Arbeit: Zeit in der Natur, sei es beim Skifahren oder Wandern, Segeln auf dem See, Reisen, Lesen, gute Gespräche mit Freunden.

Er spricht von drei Säulen, die für ein stabiles Leben notwendig seien: Familie und soziale Beziehungen, eine sinnstiftende Tätigkeit und – oft unterschätzt – Zeit für sich selbst. Gerade dieser letzte Punkt komme bei vielen Menschen zu kurz, meint er. Es ist eine Beobachtung, die nicht belehrend wirkt, sondern aus eigener Erfahrung zu stammen scheint.

Der gedankliche Kern seiner heutigen Tätigkeit liegt jedoch in einem grundlegenden Zweifel: Kann unser Geldsystem noch leisten, was es verspricht? Für Stüssi ist die Antwort eindeutig. Fiatgeld, also staatlich geschaffenes Geld ohne materielle Deckung, verliere über die Zeit an Kaufkraft und tauge damit immer weniger als verlässlicher Wertspeicher. Diese Einschätzung verbindet er mit einer weiteren, weniger offensichtlichen Problematik: der Struktur des modernen Finanzsystems selbst.

Denn Eigentum, so seine Beobachtung, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Was früher physisch greifbar war, existiert heute oft nur noch als digitaler Eintrag innerhalb eines komplexen Systems aus Banken, Brokern und Zentralverwahrern. In stabilen Zeiten fällt das kaum auf. Doch in einer Krise könnte genau diese Struktur zur Schwachstelle werden, wenn der Zugriff auf Vermögen eingeschränkt wird, obwohl es formal weiterhin besteht. Der Gedanke, dass das eigene Depot letztlich auf Vertrauen basiert, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Argumentation.

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee von RealUnit – weniger als Produkt, sondern als Gegenentwurf. Gegründet wurde das Unternehmen 2017 von Karl Reichmuth und Vahan Roth, zunächst mit der Vision einer privat emittierten Währung. Ein Ansatz, der sich im Markt jedoch nicht durchsetzte. Als Stüssi vor einigen Jahren die operative Verantwortung übernahm, stand die Gesellschaft vor grundlegenden Herausforderungen: eine sehr kleine Kundenzahl, eingeschränkter Zugang für Anleger und fehlende Handelbarkeit der Aktie.

Die entscheidende Wende kam mit der Börsenkotierung im Jahr 2021. Damit wurde die Aktie erstmals einem breiteren Publikum zugänglich. Heute zählt RealUnit über 2.000 Aktionäre und hat sich als eigenständige Investmentgesellschaft etabliert. Doch entscheidend ist weniger das Wachstum als die Struktur dahinter.

Auf den ersten Blick folgt die Anlagestrategie bekannten Mustern: Gold, Silber, Aktien, ergänzt durch etwas Bitcoin. Der Unterschied liegt im Detail. Ein wesentlicher Teil der Vermögenswerte wird bewusst außerhalb des klassischen Bankensystems verwahrt, etwa in Form physischer Edelmetalle in Hochsicherheitslagerstätten. Die Auswahl der Aktien beruht auf dem Geschäftsmodell der Firmen, die die Grundbedürfnisse der Menschen decken und damit auch in Krisenzeiten nachgefragt werden. Gleichzeitig erlaubt die Struktur als Aktiengesellschaft eine Flexibilität, die viele Fonds nicht haben – etwa die Möglichkeit, Vermögenswerte direkt zu halten oder bei Extremereignissen zum Schutz des Aktionärsvermögens die Anlagequoten drastisch anzupassen.

Hinzu kommt ein Aspekt, der oft unterschätzt wird: Die Investoren sind nicht bloß Kunden, sondern Miteigentümer. Sie halten Aktien, verfügen über Stimmrechte und sind damit Teil des Unternehmens. Es ist ein Modell, das Verantwortung und Beteiligung miteinander verbindet.

Dieses Streben nach Unabhängigkeit zieht sich konsequent durch die gesamte Strategie. RealUnit verzichtet bewusst auf Staatsanleihen und versucht, die Abhängigkeit von Banken und staatlichen Strukturen so gering wie möglich zu halten. Dahinter steht die Überzeugung, dass steigende Staatsverschuldung und expansive Geldpolitik langfristig zu Instabilität führen. Entsprechend richtet sich der Fokus weniger auf maximale Rendite als auf den Erhalt von Vermögen in unsicheren Zeiten.

In diesem Zusammenhang wirkt ein Gedanke besonders prägnant: Vermögen entsteht nicht in ruhigen Phasen, sondern wird in turbulenten Zeiten bewahrt. Es ist eine Perspektive, die sich bewusst gegen die Logik kurzfristiger Gewinnmaximierung stellt.

Auffällig ist dabei, dass Stüssi trotz seiner Skepsis gegenüber dem bestehenden Finanzsystem keineswegs technikfeindlich ist. Im Gegenteil: Die Nutzung von Blockchain-Technologie spielt bei RealUnit eine zentrale Rolle. Neben der klassischen Aktie existiert ein gleichwertiger Aktientoken, der unabhängig von Banken kostenfrei in einem eigenen Wallet verwahrt werden kann. Für die einen mag das ein technisches Detail sein, für andere ein Schritt hin zu größerer finanzieller Selbstbestimmung. Die Nachfrage nach dem RealUnit Aktientoken wächst – langsam, aber kontinuierlich.

Politisch bleibt Stüssi schwer greifbar, und das ist offenbar gewollt. Er versteht sich als liberaler Freigeist, der keiner Partei angehört und Entscheidungen sachbezogen trifft. Die direkte Demokratie der Schweiz sieht er als Privileg, das Eigenverantwortung und Mitbestimmung verbindet. Seine Haltung ist geprägt von einem starken Freiheitsbegriff, der jedoch nicht in Beliebigkeit umschlägt. So kritisiert er ideologische Übertreibungen, etwa in der Klimapolitik, betont aber gleichzeitig die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Mannes, der nicht aus Opposition handelt, sondern aus Überzeugung. RealUnit ist kein lauter Gegenentwurf zum bestehenden System, sondern ein leiser Versuch, zentrale Schwachstellen anders zu denken. Es geht nicht um die Abschaffung des Bestehenden, sondern um eine Ergänzung – um eine Form von Vermögensschutz, die weniger auf Vertrauen und mehr auf Substanz setzt.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Nicht in der Kritik am System, sondern in dem Versuch, innerhalb seiner Grenzen neue Wege zu finden.

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 26. Juni erscheinenden Jul.-Aug.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 262.


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