15. März 2026
Im Visier, die Waffenkolumne: Pistolen mit Polymergriffstück
Erfolgsgeschichte Glock
von Andreas Tögel
Auch wenn die 1982 zuerst beim österreichischen Bundesheer eingeführte Glock-Pistole nicht die erste zu großen Teilen aus Kunststoff gefertigte Waffe war (die US-Waffenschmiede Remington hatte mit der Nylon-66-Kleinkaliberbüchse die Nase vorn und Heckler & Koch präsentierte mit seiner vollautomatischen VP-70 die erste, wenn auch kommerziell nicht erfolgreiche Polymerpistole im Jahr 1970), setzt sie in diesem Segment dennoch Maßstäbe. Mit einer breiten Palette verschiedener Kaliber, mit unterschiedlichen Rahmengrößen, Lauflängen und Magazinkapazitäten zählt sie nicht grundlos zu den meistverkauften Selbstladepistolen der Welt – insbesondere für Polizei und Militär.
Genaue Zahlenangaben gibt Glock ebenso wenig bekannt wie dessen Wettbewerber. Die weite Verbreitung der Glock bei der Polizei in Europa und in den USA, wo rund 60 Prozent der Einheiten auf diese Waffe setzen, zeigt indes ihre Bedeutung für den Behördenmarkt.
Ein starkes, für Polymergriffstücke sprechendes Argument ist die Gewichtsersparnis, die für Dauerwaffenträger interessant ist. Ohne Magazin wiegt das Modell Glock 17 nur 611 Gramm, mit vollem Magazin (17 Patronen im Kaliber 9 mm Parabellum) 911 Gramm. Zum Vergleich: Die Ganzstahlwaffe CZ 75 im gleichen Kaliber wiegt ungeladen 995 und geladen (16 Patronen) 1.180 Gramm.
Ehe Gaston Glock seine Waffe mit Polymergriffstück entwickelte, kamen – mit dem Ziel der Gewichtsreduktion – Modelle mit Aluminiumgriffstücken auf den Markt, so der Colt Commander (1950), das Nachfolgemuster der P-38, die P1 (1955) oder die Beretta 92 (1975).
Die dank ihres „Safe Action“-Abzugssystems überragende Handhabungssicherheit der Glock ist und bleibt einer der Hauptgründe für die große Popularität dieser Waffe. Eine Fehlbedienung oder Gefährdung infolge mangelnder Übung ist dadurch so gut wie ausgeschlossen. Der im Vergleich zu Sportpistolen wie der SIG Sauer P226 X-Five oder der CZ Shadow2 Sport relativ schwergängige und weniger „trockene“ Abzug bildet einen der wenigen Gründe zur Kritik.
Ganz aktuell ist jetzt die inzwischen sechste Generation der Glock verfügbar – zunächst die Modelle 17, 19, 45 und 49 – alle im Kaliber 9 mm Parabellum. Die Vorläufergenerationen sind auch in den Kalibern .40 S&W, .380 Auto, .45 ACP oder im sehr leistungsstarken Kaliber 10 mm Auto erhältlich. Es darf erwartet werden, dass diese Kaliber auch für die Generation sechs folgen werden. (Der Hersteller gibt diesbezüglich allerdings noch keine Angaben ab.)
Am Funktionsprinzip des „Safe Action Systems“, das ohne Sicherungshebel auskommt, ändert sich nichts. Der Schwerpunkt der Änderungen gegenüber der Generation fünf betrifft die Ergonomie. Hierbei führten firmeneigene Analysen und Rückmeldungen von Schützen Regie. Auffälligste Neuerung ist die Überarbeitung des Griffstücks, das sich nun deutlich stärker konturiert präsentiert und besser in der Hand liegt. Damit soll eine bessere Kontrolle über die Waffe – besonders bei raschen Schussfolgen – gewährleistet werden. Verlängerte Daumenauflagen beiderseits des Griffstücks dienen ebenfalls der verbesserten Kontrolle beim Schuss. Auch der Winkel und die Position des Abzugsbügels wurden verändert, was die Handhabung der Waffe für Schützen mit kleineren Händen erleichtern soll. Veränderte Durchladerillen am Verschluss dienen der besseren Handhabung – selbst unter widrigen Einsatzbedingungen.
Besonders hervorzuheben ist die nun serienmäßige Vorbereitung der Waffe auf die Aufnahme eines sehr niedrig positionierten optischen Visiers („Optic Ready System“), womit die Montage bei jedem Modell ab sofort ohne die Hilfe eines Büchsenmachers möglich wird.
Zwar existiert im Segment der Pistolen mit Polymergriffstück ein breites Angebot an Alternativen, beispielsweise die Heckler & Koch SFP9, die SIG Sauer P320 und P365, die CZ P-10 oder die Walther PPQ, doch konnte keine dieser Waffen den Markt auch nur annähernd so stark durchdringen wie die Glock.
Mit ihrer nun sechsten Modellgeneration wird sich die Erfolgsgeschichte wohl fortsetzen.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 27. Februar erscheinenden März/April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 260.
Anzeigen
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.
Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.
Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.


