25. Januar 2026
Gold, Bitcoin und die Geopolitik: Brics-Unit – jetzt ist er halt da!
Welche Rolle spielt der Dollar weltweit noch, welche der Yuan schon?
von Lydia Flaß
Die jüngste Entwicklung ist atemberaubend. Am 31. Oktober 2025 emittierte die New Development Bank in Shanghai den ersten Prototyp der Brics-Unit, einer digitalen Recheneinheit für den grenzüberschreitenden Handel unter den Brics-Staaten, die zu 40 Prozent durch physisches Gold und zu 60 Prozent durch einen gleichgewichteten Korb der Währungen der fünf Gründungsmitglieder – brasilianischer Real, chinesischer Yuan, indischer Rupie, russischer Rubel und südafrikanischer Rand – gedeckt ist. Der Wert jeder Unit wird täglich angepasst und betrug Anfang Dezember 2025 etwa 0,9823 Gramm Gold, eine leichte Reduktion vom anfänglichen Kurs von einem Gramm Gold pro Unit.
Seit November 2025 finden erste Pilot-Transaktionen statt, darunter die teilweise Abrechnung russischer Öllieferungen an Indien in Units sowie Gold-Deposits durch Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate in Shanghai für zukünftige Settlements, was die Machbarkeit für Abwicklungen in Sekunden demonstrierte. Noch bis Jahresende 2025 sollen weitere Units testweise emittiert werden, gefolgt von einem begrenzten kommerziellen Einsatz ab 2026 und einer breiteren Anwendung im Rohstoff- und Energiehandel ab 2027, integriert in das Brics Pay-System und das chinesische Cross-Border Interbank Payment System (CIPS), das 2023 bereits Transaktionen im Wert von 920 Billionen Yuan abwickelte.
Die neue Handelswährung Unit basiert auf der Cardano-Blockchain und dient nicht als Zahlungsmittel für Privatpersonen, sondern als Instrument für Zentralbanken und große Unternehmen, um Handelsungleichgewichte auszugleichen und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern, wobei der Pilot vom International Research Institute for Advanced Systems (IRIAS) der Russischen Akademie der Wissenschaften entwickelt wurde.
Dies ist ein Meilenstein in der De-Dollarisierungsstrategie, die seit 2022 auf Brics-Gipfeln mehr leise als laut verfolgt wird, und signalisiert nebenbei eine weitere bullische Entwicklung für die langfristige Goldnachfrage, da physische Kilo-Barren in Brics-Tresoren als Wertmaßstab dienen. Das US-Finanzministerium hat die Entwicklung denn auch als „Bedrohung“ eingestuft. Und unabhängige Analysten sehen das neue System als evolutionäre Swift-Alternative für den Globalen Süden, mit angestrebten Praxistests in Brasilien, China und Russland bereits im Jahr 2026.
Die Brics-Gruppe, ursprünglich 2009 als Kooperation zwischen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gegründet, hat sich bis 2025 auf zehn Vollmitglieder erweitert, einschließlich Ägypten, Äthiopien, Indonesien, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dazu kommen enge Partner- und Anwärterstaaten wie Saudi-Arabien, Malaysia, Vietnam, die Türkei und weitere aufstrebende Volkswirtschaften des globalen Südens. Innerhalb des Brics-Blocks werden heute mehr als zwei Drittel des Handels nicht mehr in Dollar abgewickelt, Tendenz weiter steigend. Zur Erinnerung: 2015 noch betrug der Dollar-Anteil beim internationalen Handelsverkehr innerhalb der Brics-Staaten 85 Prozent. Der De-Dollarisierungsprozess ist eine stille Dampfwalze.
Und: eine goldene Dampfwalze. Die Brics-Gruppe hat seit 2022 jährlich über 1.000 Tonnen Gold netto gekauft, mit weiteren 1.180 Tonnen bis November 2025, was die längste Goldakkumulationsphase seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems markiert und insbesondere von den großen Zentralbanken in Russland, China und Indien getrieben wird. Die New Development Bank in Shanghai, die den Unit-Prototyp emittiert hat, plant eine Erweiterung auf eine supranationale Zahlungsplattform bis 2028, mit mehr als 40 Staaten, die ein Interesse an einer Beteiligung signalisiert haben, was den Unit dann endgültig zu einem Werkzeug für eine multipolare Finanzordnung macht und den Fokus von einer gemeinsamen Brics-Währung auf den bilateralen Welthandel per se verlagert.
Indonesien allein hat der New Development Bank im November 2025 eine Eine-Milliarde-Dollar-Injektion zugesagt. China treibt die Entwicklung maßgeblich voran und verfolgt seit Jahren eine konsequente Strategie zur Internationalisierung des Yuan, die eine effektive Verknüpfung mit Gold beinhaltet. Seit Juni 2025 ermöglichen neue Kontrakte der Shanghai Gold Exchange (SGE) Offshore-Kunden in Hongkong, Yuan-Überschüsse direkt in physisches Gold umzutauschen, inklusive geplanter Lagerung in autorisierten Tresoren außerhalb Chinas, namentlich in Singapur, Dubai und – bitte anschnallen – Zürich. Dies wiederum ermöglicht Yuan-Haltern, Überschüsse direkt in physisches Gold umzutauschen – ein Meilenstein für die „effektive Golddeckung“ des Yuan. Das Edelmetall dient zudem als Sicherheit für Belt-and-Road-Kredite und stabilisiert den Yuan in Zeiten hoher amerikanischer Zölle zusätzlich. Jeden Monat seit November 2024 hat die chinesische Zentralbank weiter Gold gekauft, im November allein 30.000 Unzen. Und das ist nur die offizielle Zahl. So wird der Yuan zum stabilen goldenen Asset in Zeiten weltweiter ökonomischer Schocks.
Wie reagiert der Westen und vor allem Washington? Bereits im März 2025 unterzeichnete Präsident Trump einen Executive Order zur Einrichtung einer strategischen Bitcoin-Reserve. Die US-Regierung hält derzeit bereits knapp 300.000 Bitcoin, die aus Strafverfahren stammen, und plant, bis 2030 eine Million Bitcoin anzuhäufen. Der Bitcoin Act von Senatorin Cynthia Lummis sieht vor, dass der Staat jährlich bis zu fünf Prozent der neu geschürften Coins erwirbt. Texas hat bereits fünf Millionen Dollar aus dem Staatsfonds in Bitcoin investiert, New Hampshire bereitet Ähnliches vor. In Europa ist seit Juni 2025 die MiCA-Regulierung vollständig in Kraft, Bitcoin-ETFs sind flächendeckend zugelassen, und die EZB startet im ersten Quartal 2026 ein Pilotprojekt, das Bitcoin als Sicherheiten im Digital-Euro-System erlaubt. Während China heute mehr als 75 Prozent des physischen Goldhandels über seine Börse in Shanghai kontrolliert, kontrolliert der Westen mehr als 55 Prozent der globalen Bitcoin-Rechenleistung. Ein neuer Gesetzentwurf, der Bitcoin for America Act, soll bald die Zahlung von Bundessteuern in Bitcoin erlauben, die dann direkt in die Reserve fließen könnten.
Das sind die Fakten. Hinzu kommen Ausweich- und Abwehrstrategien. Etwa, wenn Trump im Frühjahr 2025 den Brics-Staaten mit 100-Prozent-Zöllen drohte für den Fall, dass sie den Unit nutzen werden. Natürlich baut auch Trump im Zweifel auf die US-Goldreserve. Und China hat ebenfalls einen Plan B. Obwohl Krypto-Trading und Mining auf dem Festland weiter verboten sind, liegt der chinesische Anteil an der weltweiten Hashrate wieder bei 14 bis 21 Prozent. Unternehmen wie Next Technology Holding halten bereits 5.833 Bitcoin, Jiuzi plant eine Milliarden-Reserve, und in Hongkong laufen voll lizenzierte Plattformen. Peking analysiert die Entwicklung genau. Viele Beobachter rechnen damit, dass China innerhalb weniger Monate eine eigene Bitcoin-Reserve aufbauen könnte, falls die strategische Notwendigkeit steigt.
So oder so entstehen derzeit zwei parallele Finanzsysteme: Im Osten eine offensiv goldgestützte Ordnung mit der Unit als Brücke, im Westen ein eher Crypto-nahes Modell, das den Dollar durch Bitcoin als strategische Reserve absichert und auf dezentrale Netzwerke setzt. Die Fragmentierung des globalen Finanzsystems, die vor wenigen Jahren noch als Verschwörungstheorie galt, ist im Dezember 2025 Realität geworden. Gold und Bitcoin, die älteste und die jüngste Form harten Geldes, bestimmen wesentlich mit, auf welcher Seite der neuen Weltwirtschaftsordnung man steht.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 22. Dezember erscheinenden Jan.-Feb.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 259.
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