30. November 2025

Brücken über den Atlantik Die AfD und die Trump-Administration

Ist das der Auftakt für eine baldige Regierungsbeteiligung in Deutschland?

von Lydia Flaß

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Bildquelle: AfD-Bundestagsfraktion Mitarchitektin: Beatrix von Storch

Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump im Januar 2025 haben sich die Kontakte zwischen der Alternative für Deutschland (AfD) und der US-Regierung merklich intensiviert. Was einst als Randphänomen galt, ist zu einem stabilen Austausch geworden, der auf gemeinsamen Werten wie nationaler Souveränität, Schutz der Meinungsfreiheit und Ablehnung polit-globalistischer Einflüsse basiert. Diese Vernetzung umfasst offizielle Treffen, Reisen hochrangiger Abgeordneter und öffentliche Unterstützung durch Trump-nahe Figuren – ein klares Signal, dass Washington die AfD als relevanten Partner in Europa betrachtet.

Die Grundlage legten frühe Begegnungen im Jahr 2025. Im Februar traf AfD-Parteichefin Alice Weidel Vizepräsident J.D. Vance bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Vance, ein einflussreicher Architekt der Trump-Agenda, bestätigte das Treffen und bezeichnete die AfD als potenziellen „politischen Partner“ für eine reformierte europäische Ordnung. Dies brach ein Tabu, da Berlin solche Kontakte als Einmischung ablehnte. Parallel positionierte sich Tech-Milliardär Elon Musk, der damals als Berater in der Trump-Administration agierte, als offener AfD-Befürworter: Er postete mehrmals auf X (ehemals Twitter) Aufrufe zur Unterstützung der Partei und kritisierte die deutsche Regierung scharf für Zensurmaßnahmen. Musks millionenstarke Reichweite auf seinem eigenen Internetdienst verstärkte diese Botschaft bei jungen Wählern.

Ab März 2025 häuften sich Reisen von AfD-Funktionären nach Washington. Bundesvorstandsmitglied Kay Gottschalk besuchte die USA zweimal und plant eine dritte Fahrt im Dezember; er betonte gegenüber „Politico“ den „engen Austausch mit Republikanern“, um auf Missstände wie die Überwachung durch den Verfassungsschutz aufmerksam zu machen. Der außenpolitische Sprecher der AfD Markus Frohnmaier reiste mehrmals und traf republikanische Abgeordnete, darunter Anna Paulina Luna, im Repräsentantenhaus. Luna, eine Trump-Verbündete, empfing nicht nur Frohnmaier, sondern auch die AfD-Abgeordnete Anna Rathert und versprach Unterstützung bei Asylfragen für AfD-nahe Aktivisten. Jan Wenzel Schmidt, ebenfalls Außenpolitiker, unternahm zwei Reisen und eine dritte ist in Planung; er sieht bei Unterstützung durch US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident Vance „gute Chancen“, ein potenzielles AfD-Verbotsverfahren zu verhindern.

Ein Meilenstein war der Besuch von Beatrix von Storch, stellvertretender Fraktionschefin, in Washington im September 2025. Begleitet vom AfD-Bürgermeisterkandidaten Joachim Paul, der zuvor von einer Kandidatur ausgeschlossen worden war, traf sie Trump-Beamte im Weißen Haus. Das Treffen zielte darauf ab, die US-Seite von der „Verfassungstreue“ Pauls zu überzeugen und zukünftige Interventionen bei ähnlichen Fällen anzuregen. Die Trump-Administration reagierte positiv: Berater wie Newt Gingrich und Mercedes Schlapp lobten die AfD öffentlich als „Stimme des gesunden Menschenverstands“ gegen den EU-Zentralismus. Im Oktober folgte die Initiative, Trump die Ehrenbürgerschaft in Deutschland zu verleihen – ein symbolischer Akt, der die AfD als Brückenbauer positioniert.

Besonders eng ist der Austausch mit Trumps Social-Media-Team. Im Oktober 2025 lud von Storch den 28-jährigen Berater Alex Bruesewitz, der für Trumps Podcast-Strategie (unter anderem Auftritte bei Joe Rogan) verantwortlich zeichnet, in den Bundestag ein. Das Event im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zog 280 Gäste an, darunter Abgeordnete und Nachwuchsmitglieder. Bruesewitz, den „Time“ als „Rising Star“ ehrte, sprach über den „globalen Kampf um Wahrheit“ und kritisierte „Globalisten in Brüssel und Washington“ als „transnationale Plage“. Er verglich die Verfolgung der AfD durch den Verfassungsschutz mit seiner eigenen FBI-Überwachung unter Joe Biden und schloss mit den Worten: „We are in this together.“ Frohnmaier dankte ihm und forderte ein Ende des „Woke-Virus“ weltweit. Der Vortrag, der eine Stunde dauerte, endete mit Standing Ovations – und mit transatlantischem Humor, als ein Gast Bruesewitz nach Trumps dritter Amtszeit fragte. Der Berater erwiderte loyal, er unterstütze Trump bei allem, was dieser anstrebe. In Berlin diskutiert man Verfassungsbrüche, in Washington feiert man Flexibilität.

Naomi Seibt, AfD-nahe Influencerin mit 500.000 Followern allein auf X, dient als Brückenkopf in den USA. Im Oktober wurde sie von Luna empfangen, die ihren Asylantrag unterstützt, da Seibt in Deutschland „nicht mehr sicher“ sei. Luna verglich die deutschen Maßnahmen gegen die AfD mit „sowjetischem Autoritarismus“. Was für eine Entwicklung: Während Berlin seine Bürger durch den Verfassungsschutz geheimdienstlich ausspäht und kompromittiert, bietet Washington nun womöglich diesen verfolgten Deutschen Asyl.

Bruesewitz agitierte gegen „Marxisten und Atheisten“ und feierte den Glauben als „größte Waffe“ im „spirituellen Krieg“. Die AfD teilt viele Feindbilder: Globalisten, EU-Eliten und „transnationale Plagen“. Maximilian Krah, Europaabgeordneter der AfD, betonte gegenüber „Politico“: „Die Trump-Administration schaut genau hin“ und könnte die Geheimdienstkooperation einstellen, falls Berlin die AfD weiter isoliert. Gottschalk ergänzt optimistisch: Trump sehe „kritisch auf Entwicklungen in Deutschland“ und werde „nicht tatenlos zuschauen“. Frohnmaier erwartet „Druck auf Kanzler Merz“ im US-Interesse.

Diese Bande öffnet Perspektiven jenseits des Verbotsrisikos. Die AfD nutzt sie, um Wahlaus-schlüsse wie bei Paul anzufechten. Und sie baut PR-Netzwerke auf: US-Firmen erkundigen sich nach Beratern für zukünftige Kooperationen mit einer „unvermeidbaren AfD-Regierung“, wie Seibt postete. 

Plötzlich zählt die AfD zu den engsten europäischen Partnern der Trump-Administration. Bis November 2025 hat das bereits zu einigen konkreten Versprechen geführt – und signalisiert: Die AfD ist nicht isoliert, sondern längst vernetzt.

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 28. November erscheinenden Dezember-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 258.


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