29. November 2025
Mises-Konferenz: Ohne Milei in München
Bericht von der 13. Konferenz des Ludwig von Mises Instituts Deutschland
von Hans Ketzer
Das 2012 gegründete Ludwig von Mises Institut Deutschland ist benannt nach Ludwig von Mises (1881–1973), der als schärfster wissenschaftlicher Kritiker des Sozialismus gilt. Die Österreichische Schule der Nationalökonomie fußt auf den geistigen Ahnherren Carl Menger, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek. Sie haben verlässliche Feinde bei den Sozialisten in allen Parteien, denen Hayek 1944 sein Werk „Der Weg in die Knechtschaft“ widmete.
Dass die Freunde des deutschen Mises-Instituts sich am 11. Oktober 2025 erneut im Münchner Hotel Bayerischer Hof treffen konnten, ist nicht mehr selbstverständlich. Nach der letztjährigen Tagung hatte die „Münchner Abendzeitung“ eine Schmutzkampagne gestartet, die die Veranstaltung in eine rechte oder gar braune Ecke stellte und das Luxushotel öffentlichkeitswirksam an den Pranger stellte. Hotels knicken bei solchen Kampagnen oft schnell ein. Der Bayerische Hof aber blieb standhaft.
Eigentlich sollte dem argentinischen Präsidenten Javier Milei ein Preis verliehen werden. Milei musste aber absagen, da er daheim im Wahlkampf um Wähler kämpfen müsse.
Derweil konnten beim amerikanischen Mises-Institut in Alabama Mises-Freunde in aller Welt vom häuslichen Streit in der deutschen Familie lesen. Ähnliche mit Heftigkeit ausgetragene Auseinandersetzungen hatte es auch bei anderen libertären Gruppierungen schon gegeben. Im Westen also nichts neues.
Das Credo der Freiheitsfreunde des Mises-Instituts lässt sich einfach umreißen: Freiheit schafft Wohlstand und Frieden. Mises-Präsident Torsten Polleit ist ein Freund weiträumiger Betrachtungen, während Politik in Deutschland ja eher provinziell denkt. Polleit sieht weltweit einen Politikwechsel weg von wokem und linkem Denken – hin zur Freiheit. Polleit ist sich sicher: „Es läuft in Richtung Freiheit, wir haben mitgewirkt zu helfen.“
Und deshalb sei Milei Beispiel, Vorbild und Ansporn für Freiheitsfreunde in aller Welt. Kulturkampf also – nicht nur Freigabe von Preisen wie 1948 bei Ludwig Erhard.
Umso größer war die Enttäuschung bei vielen Teilnehmern, dass der argentinische Staatspräsident seine Teilnahme kurzfristig hatte absagen müssen. So konnten nur einige Plastik-Kettensägen an die Fans verkauft werden.
Philipp Bagus, der in Madrid an der Universität lehrt, gilt als einer der besten Milei-Kenner. Als größte Gefahr sieht er den drohenden Verlust von Meinungsfreiheit. Bagus fordert ein offenes Eingeständnis von allen bürgerlichen Kräften, dass sie den Kulturkampf der vergangenen 60 Jahre verloren hätten. Jetzt müsse auf allen Ebenen, an allen Orten gekämpft werden. Die Frankfurter Schule von Horkheimer, Adorno und Co habe mit ihrer Kritischen Theorie einen gefährlichen Relativismus bewirkt und am Ende nur Neid, Hass und Missgunst zu bieten. In dem Kulturkampf, der ein konservativer oder christlicher oder christlich-konservativer wäre, stünden sich auf der einen Seite freie Bürger und auf der anderen Seite die staatliche Politikerkaste gegenüber.
Gibt es eine objektive Wahrheit? Bagus bejaht das. Besonders interessant ist der Hinweis von ihm, dass die Libertären eine offene religiöse Flanke hätten, die es zu schließen gelte. Teilnehmer der Ostsee-Konferenzen von eigentümlich frei haben es dagegen schon erlebt, dass ein aus dem Alpenraum eingeflogener katholischer Priester am frühen Sonntagmorgen eine lateinische Messe für Konferenzteilnehmer zelebrierte.
Sozialisten in allen Parteien sind entsetzt über Milei – ebenso wie über Trump. Sie haben erkannt, dass ihnen jemand die Grundlage für ihr Leben auf Kosten der Steuerzahler nehmen will.
Im Chor dieser Sozialisten hat ja auch Friedrich Merz seine Meinung geäußert: Er sei entsetzt über diese Libertären. Nicht einmal ein Neoliberaler wolle er sein, gab der Sauerländer zu Protokoll.
Kritik an den linken Medien kommt bei bürgerlichen Zielgruppen immer gut an. Auch Bagus ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und nannte in einem Atemzug ARD, ZDF und „FAZ“ als Übeltäter.
Der Autor Norbert Bolz ging in München der Frage nach, warum unsere politisch-mediale Elite antikapitalistisch ist. Die SPD habe sich von der Partei der Arbeiter gewandelt zu einer Partei der Nicht-Arbeiter. Typisch sei der Ausspruch des Machers der Lindenstraße gewesen, der mit seinem Programm die Gesellschaft ganz offen umerziehen wolle. Der Markt aber brauche keine Intellektuellen. Und die reagierten daher mit offenem Hass. Die Aussage „Ich habe Angst“ sei ohnehin mit Argumenten nicht zu entkräften.
Das auf den italienischen Kommunistenführer Gramsci zurückgehende Konzept des Kulturmarxismus mit dem Streben nach einer „kulturellen Hegemonie“ sei überaus erfolgreich gewesen. Und offenbar ja auch Basis des Denkens der neuen linken Verfassungsrichterin, die die Demokratie steuern will.
Bolz hält Brüssel für „schlimm“ – charismatische Politiker seien nirgendwo mehr zu entdecken. Trotzdem sei er extrem optimistisch. Denn Rot-Grün habe das Zenit überschritten.
Der promovierte Jurist Stephan Ring vom Mises-Institut hat das deutsche Rechtssystem analysiert und auf Möglichkeiten untersucht, Kettensägen-Eingriffe à la Milei hierzulande zu ermöglichen oder zu verhindern. Die Macht der Ministerpräsidenten sei seiner Meinung nach nicht zu unterschätzen. Steuersenkungen würden sich dagegen schwieriger gestalten, so der Fachmann.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 28. November erscheinenden Dezember-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 258.
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