16. Dezember 2022

RezensionBurkhard Voß: Deutschland in der Psychofalle

Der lange Weg in den Wahnsinn

Das vorliegende Buch ist von einem Psychiater und Neurologen geschrieben worden, was man unschwer an seiner Struktur erkennen kann – also zunächst die Diagnose, dann die Therapie. In 30 kurzen „diagnostischen“ Kapiteln werden vom Autor medizinische, gesellschaftliche, politische und ideologische Gegebenheiten in unserem Lande analysiert und auf ihre Plausibilität und ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht. Dies geschieht mit bemerkenswerter Unvoreingenommenheit, auch gegenüber der eigenen Profession des Verfassers. Zur „Therapie“ äußert sich Burkhard Voß ausführlich gegen Ende des Buchs im Kapitel „Epilog“. Hier erfährt der geneigte Leser, woran es unserer Gesellschaft vor allem mangelt: „Wissenschaft und Rationalität müssen wieder zum Lackmustest für das werden, was man Wahrheit nennen darf.“ Unsere Gesellschaft braucht nach Ansicht des Verfassers eine „konservative Revolution“, um diesen Anspruch einlösen zu können. Zu diesem Programmentwurf gehört auch, vorurteilsfrei und ohne Anfeindungen darüber nachdenken zu dürfen, ob eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht als Voraussetzung für das allgemeine Wahlrecht sinnvoll erscheint. Denn es verwundert schon, wenn man einen Führerschein zum Autofahren braucht, aber nicht, um wählen zu dürfen, oder (nach Meinung des Rezensenten) einen „Hundeführerschein“ benötigt, aber kein „Kinderführerschein“ vorgeschrieben ist. Das Buch ist salopp und flott geschrieben, trotzdem keine Sofalektüre im herkömmlichen Sinne. Am meisten profitiert man, wenn man sich abends nach getaner Arbeit genau ein Kapitel zuführt und das an den folgenden Abenden wiederholt. Zu viele Kapitel auf einmal sind toxisch. Alles in allem ein lesenswertes Buch, das mutig, kenntnisreich, authentisch und selbstkritisch daherkommt. Wäre das Buch von Burkhard Voß ein Parteiprogramm, würde der Rezensent jetzt über seinen Beitritt nachdenken.


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Dossier: ef 229

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Elmar Terhorst

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