23. November 2022

Keine Polemik Staatlich finanzierte Witzbolde

Wenn das Kind aus der Schule entfernt wird

von Kurt Kowalsky

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Bildquelle: Giorno2 / Wikimedia Waldorfschule: Laut Böhmermann ein Hort der Anhänger „gefährlicher Weltanschauungen“

Der Witzbold Böhmermann hat in seiner durch Gewaltandrohung finanzierten Sendung die Waldorfschulen kritisiert. Waldorf-Ausbilder und -Lehrer hätten Kontakte in die Szene der Corona-Leugner. Gewalttätigen Lehrern werde es zudem offenbar erleichtert, unentdeckt zu bleiben, so Böhmermann laut „Handelsblatt“.

Waldorfschulen sind Privatschulen, die öffentliche Zuschüsse erhalten. Es verwundert dann auch nicht, dass der Verband dieser Schulen sich beeilte zu versichern, Reichsbürger, Neue Rechte oder Anhänger von Verschwörungsideologien hätten in Waldorfschulen nichts zu suchen. Denn einerseits sind die Unterstellungen geschäftsschädigend und anderseits sind öffentliche Zuschüsse, bemächtigt sich erst mal das öffentliche-links-grün-gute politische Gesindel damit, dann auch schnell gestrichen.

Böhmermann jonglierte, laut „Handelsblatt“, mit „Milliarden“ an Zuschüssen. Ich habe mal einen Taschenrechner genommen und nachgerechnet. Diese Walddorfschulen bekommen pro Jahr und pro Schüler weniger als 6,63 Euro. Die prügelnden Drecksäcke an meiner staatlichen Zwangsschule waren verbeamtet und kassierten überschlägig und pro Schüler gerechnet das Vierfache – aber monatlich – an Gehalt. Und deren Gewalttätigkeit ist tausendfach belegt.

Nun kenne ich die Waldorfschulen so wenig, wie ich Corona- oder Ausschwitzleugner kenne. Bereits die semantische Gleichsetzung der beiden Begriffe ist eine inszenierte Unverschämtheit, forciert von der Journaille der öffentlich-rechtlichen Zwangsmedien und ihrer Witzbolde. Natürlich sind die Gewaltmaßnahmen aufgrund des recht willkürlich, mehrfach geänderten Infektionsschutzgesetzes mit denen der nationalsozialistischen Herrschaft nicht vergleichbar. Nie zuvor in der deutschen Geschichte haben sich Regierungen getraut, auf Grundlage wahnhafter Vorstellungen und Prognosen die gesamte Bevölkerung einzusperren und mit Hundertschaften der Polizei Weihnachtsfeiern zu sprengen, wie dies Ende 2020 der Fall war. Aber ich kann keinerlei Unterschiede zwischen den kahlgeschorenen Glatzköpfen mit Hakenkreuz und den ökofaschistischen Straßenblockierern erkennen. Beide wollen der Zivilgesellschaft mit Gewalt ihre Ideologie aufdrücken. Die einen, um Deutschland zu retten, die anderen, um die Welt zu retten.

Und so kann ich mir nicht vorstellen, dass, sollte meine Nachbarin meinen, Corona wäre ein chinesisches Phantomvirus, um die Bevölkerung zu unterdrücken, zur Gewalttätigkeit neigte. Darüber hinaus müsste es auch einem staatlich finanzierten Witzbold aufgefallen sein, dass nicht nur in China das Coronavirus als Vorwand genommen wurde, Millionen Menschen zu registrieren, einzusperren und ihrer Existenz zu berauben. Und die Youtube-Videos der jüngsten Vergangenheit dokumentieren übermächtige bewaffnete Polizisten in Deutschland, die wehrlose Frauen mit einem kleinen Pappplakat um den Hals abführen. Besonders bestraft wurde entsprechend des Bußgeldkataloges derjenige, der sich „nicht einsichtig“ zeigte. „Ja, Herr Polizist. Es tut mir leid. Ich sehe ein, dass ich hier mitten auf dem Marktplatz, bei Windstärke vier, durch das Nicht-Tragen eines Mundschutzes die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährde und durch mein fahrlässiges Tun im zehn Kilometer entfernten Altenheim wieder ein 96-Jähriger an Covid-19 erkranken und vorzeitig sterben wird. Es tut mir leid!“

Obwohl ich der Auffassung bin, dass eine Infektion mit bestimmten Virusvarianten nicht zu verharmlosen ist, hat wohl kein einziger dieser sogenannten Corona-Leugner seinen Mitmenschen den Mundschutzlappen von der Fresse gerissen. Aber die Vermummten alarmierten schon mal die Polizei, fügte man sich nicht den hirnrissigen Vorschriften der Infektionsschutzverordnungen.

Sollte nun, um beim Thema zu bleiben, das Kind meiner imaginären coronaleugnenden Nachbarin in eine Waldorfschule gehen, hat es die Schulleitung dann wohl in den nächsten Tagen zu entfernen. Das ist dann allerdings wesensgleich mit den Methoden im Dritten Reich und den Methoden in der DDR.

Und natürlich hatten sich die Lehrkräfte sowohl unter Stalin wie unter Hitler als auch heute zu der jeweiligen staatlichen Grundordnung zu bekennen. Was denn sonst?

Es fragt sich jetzt nur, wie die bekennenden Lehrer aus dem schulpflichtigen Kind herausgekitzelt bekommen, welche Gesinnung die Eltern haben.

Na, da wird den faschistoiden Witzbolden dieses Systems schon noch etwas einfallen. Ich würde Denunziation vorschlagen. Was sich bei den linken und rechten Kommunisten in der Geschichte bewährt hat, werden auch die links-grünen Faschisten neuester Strickart als hervorragendes Mittel der Wahl erkennen.

Aber vielleicht rücken auch frühmorgens Staatsanwälte und Polizisten bei den Verdächtigen an, um Beweise zu sichern. Geschickt publiziert, genügen ein paar eingerammte Türen und ein paar Durchsuchungen, und alle anderen Väter und Mütter überlegen es sich zweimal, ob sie noch am Küchentisch vor dem Kind frei reden.

Nein, das ist keine Übertreibung! Bereits heute hat sich ein Wissenschaftler oder Arzt, ein Angestellter im Betrieb oder ein Handwerker beim Kunden ernsthaft zu überlegen, was er sagt oder kritisiert. Corona-Leugner, Klima-Leugner, Ausschwitz-Leugner, Putin-Freund und Asylantenwohnheimanzünder – alles die gleiche Kategorie, in die geworfen, die eigene Existenz kosten kann. Ein Urheberrechtsverstoß (im Grunde eine Bagatelle) ließ laut BR24 drei Staatsanwälte und 20 Polizisten jüngst in die Räumlichkeiten der AfD-Fraktion eindringen. „Staatliche Herrschaft“, möchte ich mit dem Juristen Adolf Merker schließen, „fällt naturgemäß demjenigen zu, der die Macht hat, sie auszuüben, und sie stützt sich von Haus aus auf ‚das Recht des Stärkeren‘.“

PS: Meine Frau war übrigens Lehrerin. Ich kann für sie nur hoffen, dass niemand herausbekommt, dass sie mit mir verheiratet ist, sonst streichen sie ihr noch die Pension.


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