22. September 2022

16. Konferenz der Property and Freedom Society Das heutige Deutschland verstehen lernen – und weinen

Eine Zusammenfassung des Referates von Hans-Hermann Hoppe

von Andreas Tögel

Dossierbild

Teil 1: Deutschland in Ost und West, die Wiedervereinigung und die USA

Der erste Teil des Referats war der Entwicklung Deutschlands in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ausbruch der Covid-Pandemie respektive den daraufhin ergriffenen politischen Maßnahmen gewidmet.

1949 war nicht nur das Geburtsjahr von HHH (Hans-Hermann Hoppe), sondern auch jenes der BRD, der „DDR“ und der Nato – ein ereignisreiches Jahr also. Die ersten Besuche Hoppes im östlichen Teil Deutschlands waren geprägt von der Erkenntnis, es mit einem Überwachungsstaat zu tun zu haben, in dem es an so gut wie allen materiellen Annehmlichkeiten fehlte, die im westlichen Teil des Landes bereits zum Alltag gehörten. Nach dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 schließlich war es ostdeutschen Bürgern faktisch nicht mehr möglich, ihrem repressiven Überwachungsstaat zu entkommen.

Im Westen sorgte die „Soziale Marktwirtschaft“, eine milde Form des Sozialismus, die das Gemeinwohl weitgehend über das private Wohl stellte, immerhin dafür, dass es ökonomisch stetig bergauf ging. Die materielle Wohlstandssteigerung wurde von einem kontinuierlichen Staatswachstum begleitet. Die nach und nach erfolgende Verschlechterung der Charaktere des politisch handelnden Personals führte langsam, aber sicher zur Ausbildung eines „Klüngelkapitalismus“ (Crony Capitalism).

Nach 1989 und der Abwicklung und Übernahme der gescheiterten „DDR“ wurde das gesamte Staatsvermögen von der BRD übernommen und großteils privatisiert. Eine umfassende juristische Verfolgung der kommunistischen Verbrecher des Ostregimes fand nicht statt. Vielmehr wurden viele deren Kader integriert, so wie weiland nicht wenige hochrangige Nationalsozialisten von den Siegermächten nach dem Krieg in ihre Dienste übernommen wurden.

Es kam zu einer systematischen Linksverschiebung des politischen Spektrums, die zu einer laufenden Privatrechtserosion führte. Die einst bürgerlich-konservative CDU wurde in eine neue Sozialdemokratie transformiert, während der linke Flügel der SPD durch Grüne und später die Linkspartei abmontiert wurde. Die Grünen sind heute eine radikal linke Anti-Privateigentum-Partei, die die Moral für sich gepachtet zu haben behauptet und die zu wissen meint, wie man von deutschem Boden aus die Welt rettet. Sie sind damit zu gefährlichen Wohlstandsvernichtern mutiert – ohne zu begreifen, dass ihre Programme nur von einer reichen Gesellschaft finanziert werden können. Gleichmacherei ist ihr Hauptgeschäft. All ihr Sinnen und Trachten läuft auf suizidalen Nonsens hinaus.

Bei alldem handelt es sich um die logischen Folgen von „Mehr Demokratie wagen“. Durch Rationalisierung und Desindustrialisierung wurde die Arbeiterschaft, das traditionelle Klientel der SPD, dezimiert, während die Grünwähler sich hauptsächlich aus urbanen Parasiten, also beim Staat angestellten Steuerkonsumenten, rekrutieren.

Das heutige Deutschland ist ein teilsouveräner Vasallenstaat der USA, nach wie vor ohne Friedensvertrag und unter ausländischer Militärbesatzung. Der 1955 erfolgte Beitritt zur Nato war ein ins Bild passender Schritt. Im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses wurde Deutschland zum kontinentalen Zahlmeister. Kritik an dieser Entwicklung wird erbittert bekämpft. Wider den Stachel der transatlantischen Achse löckende politische Wettbewerber sehen sich diffamiert und/oder mundtot gemacht. Die Jugend wird mittels linientreuer Zwangsbeschulung und medialer Dauerberieselung planmäßig zu Befürwortern einer neuen Weltordnung unter einer demokratischen Weltregierung geformt. Die globalistische Agenda wird von den politischen Eliten vehement vorangetrieben. Faktisch alle politischen Parteien mit Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung marschieren inzwischen im Gleichschritt diesem Ziel entgegen.

Die Desintegration und der Kollaps der Sowjetunion haben diesem Prozess zusätzlichen Antrieb verliehen und die politische Linksverschiebung beiderseits des Atlantiks weiter gefördert.

In den USA betrieben die Neocons die Ausdehnung der Nato durch die Integration der vormaligen europäischen Satellitenstaaten der UdSSR. Die aus politischen, nicht ökonomischen Gründen erfolgte Einführung des Euro verstärkte die Zahlmeisterrolle Deutschlands. Die Integration Deutschlands in ein internationales Militärbündnis führte dazu, dass das Land jetzt sogar schon „am Hindukusch verteidigt“ wird.

Jede nationale Opposition wird – nicht nur in Deutschland – niedergemacht. Eine ungeschminkt ideologisch motivierte Einwanderungspolitik zieht schwerwiegende – durchwegs negative – Konsequenzen für die Autochthonen nach sich. Das gilt beiderseits des Atlantiks.

Obwohl alle Probleme des menschlichen Lebens stets individuelle Ursachen haben, werden von den politischen Eliten immer mehr „globale Probleme“ identifiziert, die ein kollektives Handeln erfordern. Kollektive Maßnahmen aber verlangen nach hoheitlich orchestrierten Zwangsmaßnahmen und der Schaffung zusätzlicher internationaler Organisationen. Der „menschengemachte Klimawandel“ bietet dafür die ideale Plattform. Es wird allen Ernstes behauptet, dass es bei internationaler Zusammenarbeit möglich wäre, das Klima zu kontrollieren.

Ähnlich agiert die Politik im Rahmen des Kampfes gegen die Covid-19-Pandemie. Doch gerade die Bewahrung der Gesundheit bildet den Inbegriff eines individuell zu lösenden Problems! Es wurde ganz bewusst die Existenz eines internationalen Gesundheitsproblems konstruiert, um rücksichtslos durchregieren zu können. Ohne breit angelegte Testorgien hätte es die „Pandemie“ schlicht und ergreifend nicht gegeben.

Deutschland hat sich – zusammen mit Österreich – höchst willfährig erwiesen und rücksichtslos Politik gegen die Interessen der eigenen Bevölkerungen gemacht. Dass es gegen die totalitären Regierungsmaßnamen kaum Widerstand gab, ist alarmierend.

Während es modern geworden ist, den weitgehend mangelnden Widerstand und die Unterwürfigkeit der Bürger während der Nazizeit scharf zu kritisieren, wird gleichzeitig Kritiklosigkeit gegenüber der aktuellen Politik als Tugend gefeiert. Seltsam.  

Teil 2: US-Nato, Deutschland, Russland und die Ukraine

Im zweiten Teil seiner Ausführungen konzentrierte sich Hoppe auf den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine. Es geht demnach letztlich um eine Demonstration, wer der Boss im Hause ist.

Während es bei privaten Konflikten meist leicht ist, den Aggressor zu identifizieren, ist das bei politischen Konflikten wesentlich schwieriger. Erste normative Feststellung: Grundsätzlich ist jeder in einen Krieg involvierte Politiker ein Kriegstreiber.

Nicht Wladimir Putin und seine Gang sind diejenigen, die eine neue Weltordnung anstreben, denn Russland ist ein wirtschaftliches Leichtgewicht, das nicht ansatzweise dazu imstande wäre, ein solche Agenda durchzusetzen. Dagegen sind die politischen Gangs in den USA sehr wohl dazu in der Lage.

Die russisch-ukrainische Grenze ist etwa 2.000 Kilometer lang. Wer will es der Führung Russlands verdenken, an dieser Flanke (nach einem allfälligen Nato-Beitritt der Ukraine) keine Front entstehen lassen zu wollen?

Zweite normative Feststellung: Es ist nicht Putin, der nach unserem Eigentum greift – es sind vielmehr unsere eigenen Regierungen! Würden sie den Krieg gegen Putin (in den sie inzwischen direkt involviert sind) verlieren, wäre es ein Schock für sie – nicht für die Bürger. Politische Konflikte sind immer Konflikte zwischen rivalisierenden Gangs. Es sei an dieser Stelle klar und deutlich gemacht, dass es hier weder um eine Apologie der russischen „Spezialoperation“ in der Ukraine geht noch darum, Putins Politik zu beschönigen!

Was wäre denn schlecht daran, wenn die Ukraine neutral bliebe, so wie auch die Schweiz neutral ist? Sicher nichts. Daran aber haben die USA kein Interesse, die anno 2014 in der Ukraine ein ebenso korruptes wie willfähriges Marionettenregime ans Ruder gebracht haben. Daher ist nicht Putin der Hautschuldige am gegenwärtigen Krieg, sondern Washington. Die USA hätten es jederzeit in der Hand, den Konflikt zu beenden. Das ist aber gar nicht erwünscht, weil von Washington klare geopolitische Ziel verfolgt werden.

Die Willfährigkeit gegenüber den Anordnungen des transatlantischen Verbündeten bringt Deutschland – das Land mit den stärksten wirtschaftlichen Bindungen an Russland (Öl und Gas) – in schärfste Bedrängnis. Die heute von allen Seiten scharf kritisierte „Abhängigkeit“ von russischen Energielieferungen war die Folge rationaler wirtschaftlicher Entscheidungen. Deutschland ist damit gut gefahren. Die 16 Jahre lang über jede Kritik erhabene Angela Merkel wird plötzlich scharf angegangen, weil sie mit den Russen auf gutem Fuß stand.

Die westliche Politik zielt darauf ab, die russische Ökonomie zu zerstören. Doch die Russen reagierten recht schnell und liefern ihre von der EU und den USA boykottierten Rohstoffe nun nach China, Indien und in die Türkei. Der Westen hat seine Größe und Bedeutung überschätzt. Viele wichtige Staaten machen seine Politik nicht mit. Der sanktionsbedingte wirtschaftliche Schaden für Russland mag groß sein. Der für Europa dagegen ist immens. Die USA sind im Verhältnis zu Europa die klaren Profiteure dieses Konflikts – und zwar in jeder Hinsicht.

Nicht nur haben sie dadurch wirtschaftliche Vorteile gegenüber Europa erlangt (Gas- und Rüstungslieferungen von gewaltigen Ausmaßen), sondern sie haben auch ihr geopolitisches Ziel erreicht, der darin besteht, einen Keil zwischen Deutschland und Russland zu treiben – die einzige denkbare Achse, die die USA hinsichtlich ihrer internationalen Interessen herauszufordern imstande wäre. Es ist ihnen gelungen, den Deutschen kollektiven Hass auf „die Russen“ zu verordnen. Grund: Putin führt einen völkerrechtwidrigen Krieg. Dass Bush, Clinton, Obama und Biden genau das Gleiche getan haben oder tun, kümmert dagegen niemanden.

Die deutschen Grünen, die einst mit „make love, not war“ hausieren gingen, sind inzwischen zu den schlimmsten Kriegstreibern mutiert. Sie lancieren wahre Hassorgien gegen Putin – aufgehängt an der Kritik an seiner „Aggression“. Faktum aber ist, dass in Wahrheit der Westen Russland den Krieg erklärt hat, nicht etwa umgekehrt! Der jetzt dräuende wirtschaftliche Niedergang der EU ist eine Konsequenz dieser erratischen Politik.

In Deutschland (und anderswo in Europa) werden kritiklos ukrainische Propagandafestspiele zelebriert, und der vor Beginn des Kriegs im Westen zum Teil noch heftig attackierte Clown Wolodymyr Selenskyj wird de facto zum Heiligen erklärt. Indessen haben die Russen in der Ukraine bislang längst nicht so rücksichtslos gewütet, wie es die USA etwa im Irak getan haben. Der mehrheitlich russisch bevölkerte Donbass hat seine Unabhängigkeit von der Ukraine erklärt – und gerade dort sind die schlimmsten Zerstörungen zu beklagen.

Die Ukraine ist einer der korruptesten Staaten der Welt und hat nach dem Zerfall der Sowjetunion von all deren ehemaligen Teilrepubliken den im Vergleich schwächsten Aufschwung genommen. Das Pro-Kopf-BIP in der Ukraine liegt deutlich unter jenem Russlands. Einer der Hauptfinanciers Selenskyjs, Ihor Kolomojskyj, ist zufällig ein guter Freund von Sleepy Creepy Joe Bidens Sohn Hunter, der wirtschaftlich stark in der Ukraine investiert ist.

Das Selenskyj-Regime hat die ultranationalistischen Asow-Bataillone in die Armee integriert und zwingt alle männlichen über 18-Jährigen zum Verbleib im Lande, während seine Kumpels mit ihren Luxuskarossen auf allen Straßen Westeuropas unterwegs sind.

An diesem Punkt angelangt, bleibt wirklich nicht viel mehr, als über Deutschland und dessen aktuelle Politik zu weinen.


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