21. Juli 2021

RezensionVolker Seitz: Afrika wird armregiert

oder Wie man Afrika wirklich helfen kann:

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„Afrika leidet an den Folgen des Kolonialismus. Der Westen leistet nicht genug Entwicklungshilfe.“ So lauten jene Stereotype, die mit der Realität nichts zu tun haben. Wenn Afrika südlich der Sahara 60 Jahre nach dem Ende der Kolonialzeit das Armenhaus der Welt ist, dann muss man die Schuld dafür auf dem Kontinent suchen. Das Elend ist hausgemacht. Nicht, dass es dort keine arbeitswilligen Menschen gibt. Auch mangelt es den Schwarzen nicht an Intelligenz. Die Ursache für die Armut bilden vielmehr die Verkommenheit der herrschenden Eliten und die Korruption der Beamtenschaft. Dazu kommt, dass Loyalitäten nur dem Stamm gelten. Wer an die Macht kommt, verhält sich entsprechend – auf Kosten der anderen. Afrikanische Potentaten finden es in Ordnung, Millionen außer Landes zu schaffen und Luxusimmobilien zu erwerben, während ihre Landsleute hungern. Man fliegt erster Klasse, während die Untertanen bestenfalls auf Eseln reiten. Nirgendwo ist die Distanz zwischen Herrschern und Beherrschten größer als in Afrika. Die meisten Staaten sind auf dem Papier zwar Demokratien, doch in der Realität sind es Feudalstaaten, in denen sich politische Eliten hemmungslos bereichern. Die Entwicklungshilfeindustrie hat kein Interesse daran, ihre Existenzgrundlage zu gefährden, indem sie das Elend beendet. Das Volumen mehrerer Marshallpläne wurde in Afrika versenkt, ohne dass sich etwas zum Besseren gewendet hätte. Korrupte Regime wurden damit am Leben gehalten und unternehmerische Initiativen engagierter Afrikaner durch „Gratislieferungen“ torpediert. Der Autor Volker Seitz hat 17 Jahre als Diplomat in Afrika verbracht und kennt die Verhältnisse. Er hält naiven Bessermenschen und korrupten afrikanischen Eliten den Spiegel vor und präsentiert Vorschläge, wie korrupte Regierungen daran gehindert werden könnten, in die eigenen Taschen zu wirtschaften. Jedem, der sich für die Gründe des in Afrika herrschenden Elends und Wege zu dessen Beseitigung interessiert, sollte dieses jetzt in aktualisierter Neuauflage erschienene Buch lesen.


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