13. Juni 2021

RezensionAnthony de Jasay: Gegen Politik

Über die Regierung und die geordnete Anarchie

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Die Frage, ob oder wie viel Staat es bedarf, um Freiheit und Eigentum zu schützen, ist alt. Seit der griechischen Antike beschäftigt der unauflösbare Gegensatz zwischen Sicherheit und Freiheit die hervorragendsten Denker. Von Platon bis Marx und von Aristoteles bis Mises wurde überlegt, ob und inwieweit die Macht des Staates beschränkt werden kann, soll oder muss. Der Universalgelehrte Anthony de Jasay hat die um den Staat und dessen Aufgaben und Grenzen kreisenden Gedanken vieler großer Geister studiert und kritisch analysiert. Warum und wie es zur Staatsbildung kommt, wer in welchem Ausmaß herrschen soll, Wert und Bedeutung einer Verfassung, Gründe für Koalitionsbildungen und die Frage, ob eine staatsfreie, geordnete Anarchie möglich ist, bilden die Schwerpunkte seiner Betrachtungen. Darüber, dass das in westlichen Gesellschaften heute geheiligte und auf allgemeinem, gleichem Wahlrecht beruhende Demokratiemodell tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, herrscht unter Gelehrten keineswegs Einigkeit. Dass jedes dieser Modelle in der Praxis auf einen alle Lebensbereiche durchdringenden Wohlfahrtsstaat zustrebt, ist eine empirische Tatsache. Allerdings besteht doch Hoffnung, weil es, getrieben von der Macht des Faktischen, immerhin geschehen kann, dass der Weg zum scheinbar unausweichlich dräuenden Sozialismus verlassen wird. So wurde etwa das im Würgegriff marxistischer Gewerkschaften befindliche Großbritannien Ende der 1970er Jahre von den Tories Margaret Thatchers vor diesem Schicksal bewahrt. Spieltheoretische Überlegungen, Vertragstheorie, messerscharfe Begriffs-Definitionen und -Abgrenzungen nehmen breiten Raum in de Jasays einsichtsvollen Betrachtungen ein und helfen dabei, auf falschen Prämissen beruhende Schlussfolgerungen zu vermeiden. „Gegen Politik“ ist keine Anfängerlektüre. Wem Staatstheorie und Ideengeschichte aber nicht ganz fremd sind, findet hier eine in eleganter Sprache und nicht ohne Ironie verfasste Abhandlung zur Frage der Verfasstheit des „liberalen Rechtsstaates“.


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