20. November 2020

RezensionRoland Baader: Totgedacht

Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören

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Warum stehen die meisten Intellektuellen unserer Zeit am linken Rand der Gesellschaft? Viele Jahre nach Roland Baader kommt Nassim Taleb in seinem Buch „Skin in the Game“ zum Befund „intellectual yet idiot“: Bildung schützt vor Torheit nicht. Viele Jahre vor Taleb liefert Baader (lange vergriffen, hier neu aufgelegt) die Begründung für dessen Kritik an den Intellektuellen: Sie setzen einfach nie ihre Haut aufs Spiel. Sie haben allerlei Geschwätzwissenschaften studiert und hocken in mit öffentlichen Mitteln errichteten Elfenbeintürmen, von wo aus sie voller Verachtung auf die produktiv Tätigen herunterblicken, die, anders als sie selbst, keine Zeit für Hirngespinste haben und von deren Geld sie gegenleistungsfrei und sehr kommod leben. Sie sind ganz und gar schambefreite Symbionten der Macht, die den Politdesperados, grundsätzlich jeder Couleur, bevorzugt allerdings den Linken unter ihnen, als Sinnlieferanten dienen. Ayn Rand, die Roland Baader ihres rabiaten Atheismus wegen nie mochte, hat dafür das Gleichnis von Attila und dem Geisterbeschwörer gebraucht. Letzterer liefert das Hokuspokus, das dem Warlord Grundlage und Apologie für sein Handeln liefert und jede Untat elaboriert rationalisiert. Exakt diese Rolle spielen dieser Tage die Intellektuellen für die demokratisch „legitimierten“ Obertanen. Spielten sie in besseren Tagen im Idealfall die ihnen zukommende Rolle eines dem werktätigen Werteproduzenten komplementären Sinnstifters, so sind sie heute zu nichts mehr als Stichwortlieferanten für die Politnomenklatura verkommen – quer durch alle Disziplinen. Ebenso gebildet wie charakterlos prostituieren sie sich für die Machthaber, denen sie jederzeit zu Willen sind – und sie mucken niemals auf, weil sie das ja ihre steuerfinanzierte Karriere kosten könnte. „Denkenlassen ist aller Laster Anfang“, stellt der Autor am Ende seiner brillanten Analyse fest und er wünscht sich wieder „Leistungs-Eliten statt Schmarotzer-Eliten“ an der Spitze unserer Gesellschaft. Sein Wort in Gottes Ohr! 


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