20. November 2020

RezensionAlexander Kreis: Parasit Staat

Entdecken Sie den Libertarismus!

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Die von Milton Friedman erkannte „Tyrannei des Status quo“ betrifft besonders die Einschätzung des Wohlfahrtsstaates. Ohne ihn gehe nichts. Wenn es ihn nicht gäbe, herrschte der Krieg jedes gegen jeden, wäre das Leben kurz, scheußlich und brutal. Autor Alexander Kreis unternimmt einen Generalangriff auf diese eklatante Fehleinschätzung. Er präsentiert – ganz im Sinne anderer libertärer, anarchokapitalistischer Denker – den Staat als das, was er ist: eine gewaltbereite und parasitäre Organisation. Alles, was der Staat gibt, hat er zuvor geraubt. Alles, was er tut, könnte von Privaten – ohne Macht- und Gewaltmonopol – besser und billiger getan werden. Rechtsstaat – das ist ein Oxymoron, denn einen rechtssetzenden Rechtsbrecher, einen eigentumsschützenden Enteigner, das kann es aus logischen Gründen nicht geben, wenn man den Begriff des Rechts ernst nimmt. Alexander Kreis baut auf der von Immanuel Kant formulierten Kernthese der Aufklärung auf, die auf den Aufbruch des Menschen aus der selbstgewählten Unmündigkeit zielt und den Einsatz des eigenen Verstandes fordert. Ein freier Mensch braucht keine allsorgende Gouvernante, die ihm unentwegt vorschreibt, wie er sein Leben zu führen hat – und die ihm darüber hinaus den Großteil seines mühsam erarbeiteten Einkommens unter Gewaltandrohung abnimmt. Denn niemand zahlt freiwillig Steuern, sonst gäbe es keine Finanzpolizei. Der Autor erkennt im Staat ein sozialistisches Umverteilungssyndikat, das nach der Devise „Teile und herrsche“ Reiche gegen Arme, Dumme gegen Gescheite, Fleißige gegen Faulpelze ausspielt und die Welt in zwei Klassen teilt: in eine, die Steuern zahlt, und eine, die davon lebt. Ein unauflösbarer Gegensatz. Die Alternative zum stets zum Totalitarismus tendierenden Staat bildet die Privatrechtsgesellschaft, in der jeder sich um sein eigenes Leben kümmert und das einzige menschliche Grundrecht, nämlich jenes, in Ruhe gelassen zu werden, respektiert. Wäre schön, wenn das Buch nicht eine Predigt zu den bereits Bekehrten bliebe.


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