03. Juli 2020

Meinungsfreiheit weltweit in Gefahr Das vernichtende Wort

Den „Säuberungswellen“ im Netz fielen mehrere Vlogger zum Opfer – unter anderem Stefan Molyneux

von Jörg Seidel

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Bildquelle: alexskopje / Shutterstock.com Zensur: Ende des freien Internets

Wenn ich Ungarn erzähle, dass ich mich hier viel freier fühle als in Deutschland, dann schauen sie mich meist verdutzt an, denken sich wohl im Stillen ihren Teil. Klar, die ungarische Gesellschaft ist keine freie mehr, zumindest nicht, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Aber die deutsche und westeuropäische, ja die ganze westliche, die „freie Welt“ ist es eben auch nicht mehr. Wir haben keinen Grund, mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen.

Wenn ich anderen Deutschen erzähle, dass im Ringen um die Deutungshoheit selbst bürgerliche Existenzen zerstört werden, dann schauen sie mich meist entsetzt an. Was? In Deutschland wird doch niemandem das Konto gekündigt, nur weil er eine andere Meinung hat und wenn ein Kanal von einer Plattform verschwindet, dann wird das schon alles seine Gründe haben …

Dabei kann man alles wissen, wenn man es nur will. Niemand muss in seiner Blase leben – wer sucht und wer kritisch fragt, kann das alles wahrnehmen.

Vor wenigen Tagen nun wurde Stefan Molyneux auf Youtube gesperrt – und das ist eine neue Qualität. Denn Molyneux ist auf diesem Medium ein Riese. In 14 Jahren hat er dort ein gigantisches Werk geschaffen mit tausenden Videos und Millionen von Kommentaren, mit Millionen von Zuschauern. Verschwunden!

Ich erwähne ihn, weil ich einige seiner Arbeiten kenne. Der Säuberungswelle fielen auch andere bekannte Vlogger zum Opfer, etwa Jared Taylor oder Richard Spencer – aber ganz egal, welche Meinung sie vertreten, sie müssen sie vertreten können!

Molyneux ist Philosoph und wer seinen Beiträgen auch nur ein wenig folgt, der weiß, dass es schwerlich einen seriöseren, kritischeren und selbstkritischeren Autor gibt. Stets versucht er freundlich und offen zu sein, unendliche Male trat er offensiv für den kultivierten Austausch ein, lehnte alle Formen von Gewalt ab, untermauerte seine Argumente akribisch mit empirischem Material – er ist, soweit ich das beurteilen kann, ein Vorzeigeintellektueller, ihm „Hass“ vorzuwerfen, ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Aber er positionierte sich – übrigens mehr aus libertärer und anarcholibertärer Sicht denn als genuin rechter – gegen die Migrationspolitik, er zeigte unermüdlich die desaströsen Folgen der Ethnopolitik auf, er bestand auf der Wahrnehmung der Differenzen zwischen den Ethnien und den sozialen Gruppen, er verweigerte sich der Gleichheitsdroge.

Und das genügt heutzutage, um als „Hass-und-Hetz“-Prediger zu gelten und letztlich ausgelöscht zu werden.

Man geht kaum fehl, wenn man diese konzertierte Aktion als unmittelbares Resultat der „Black Lives Matter“-Hysterie betrachtet. Hier offenbart sie ihren destruktiven Antrieb – sie will in wesentlichen Teilen nicht Gleichberechtigung, sie will Vernichtung der Kultur, die sie erst möglich gemacht hat. Der soziale Druck scheint unerträglich groß zu werden, alles, was mit dem Label „Rassismus“ bedacht werden kann – und das ist potenziell tatsächlich alles – kann sein Opfer werden. Diesen Zusammenhang macht sogar „Forbes“ – affirmativ – deutlich: „In the wake of protests against police violence and systemic racism, major social media sites are slowly responding to calls to better moderate misinformation and hate speech.“ – zu Deutsch: Nach Protesten gegen Polizeigewalt und systemischen Rassismus reagieren die großen sozialen Netzwerke nur langsam auf Forderungen, auf Fehlinformationen und Hasstiraden mit einer besseren Moderation zu reagieren. Das notwendige Etikett lautet diesmal „white supremacist“, also „weiße Rassisten“.

An einem vernichtenden Wort wird es nie fehlen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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