19. Mai 2020

RezensionGunnar Heinsohn: Wettkampf um die Klugen

Kompetenz, Bildung und die Wohlfahrt der Nationen

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1982 berichtete der Psychologe Richard Lynn, dass japanische Kinder und ostasiatische Schüler in Amerika regelmäßig auffallend hohe kognitive Leistungen brachten. Ähnliches wiederholte sich, als Maos vermeintliches „Ameisen-Volk“ in der Pisa-Studie 2012 bewies, dass es nicht nur in Mathematik und Naturwissenschaften, sondern jetzt auch noch beim Leseverständnis ganz vorne lag. Doch statt selbstkritischen Nachdenkens prägen bis heute Schock, Wut und Leugnung den Umgang mit der peinlichen Empirie. Heinsohn bietet eine Informationsdichte mit enormer Sprengkraft, die für ein unvorbereitetes Publikum schockierend wirken muss. Die Kompetenz Europas befindet sich in teils dramatischem Sinkflug, während Ostasien in so ziemlich allen technisch-ökonomischen Disziplinen den Ton angibt. Es übt sich in stetiger Eigenstärkung, der europide Raum überdehnt sich imperial zur amerikanischen Weltpolizei und zum abgehängten europäischen Weltmoralisten, während der Rest der Welt per Geburtenüberschuss und Inkompetenz in zunehmende Abhängigkeit gerät und vergebens sein Heil in der Migration sucht. Die Relevanz der kognitiven Fähigkeiten demonstriert Heinsohn am Beispiel Nordkoreas, das im Gegensatz zu Kuba mit vergleichbarer eigentumsfeindlicher Rechtsstruktur immerhin Nuklearwaffen und Interkontinentalraketen zustande bringt; die Relevanz der Rechtsstruktur wird aber, krasser noch als im zweigeteilten Deutschland, am nordkoreanischen Hunger gegenüber einem südkoreanischen Pro-Kopf-Einkommen oberhalb des spanischen und saudi-arabischen deutlich. „Hundert Nobelpreise für Frieden und Wirtschaft auf einen Schlag“ wünscht er sich für diejenigen, die „auch den Rest der Welt“ fit machen könnten. In dem Maß, in dem kognitive Kompetenz eine erbliche Komponente hat, und wenn eine eigentumsbasierte Rechtsstruktur ohne Hegemonie einer gewissen Basisintelligenz kaum zu haben ist, stehen die Aussichten auf eine positive Entwicklung in nützlicher Frist und ohne Großkatastrophen eher schlecht.


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