04. Januar 2020

Unterschiedliche Entwicklungen in der Finanzbranche Banken werden „ihre“ Krise nicht auf die Versicherungen übertragen

Nach dem Regelbruch ist vor dem Regelbruch

von Viktor Heese

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Bildquelle: nitpicker / Shutterstock.com Legt zu: Allianz

Während die Allianz-Aktie 2019 wohl 20 Prozent zulegen wird und das Konzernergebnis von Rekord zu Rekord jagt (operativ in den ersten neun Monaten neun Milliarden Euro bei einem Umsatzwachstum von vier Prozent), kommt die Deutsche Bank nicht aus der Krise heraus und will bis 2022 mindestens 18.000 Stellen abbauen. Es gibt Gründe für derart unterschiedliche Entwicklungen.

Die alten Übertragungsmechanismen bestehen heute nicht mehr

Besteht heute die „Ansteckungsgefahr“ für die Versicherungen durch die global kriselnden Banken? Diese Befürchtung ist wegen der Verflechtungen in der Finanzbranche und gleicher Wirkungstrends durchaus berechtigt: Sehr ähnliches Geschäftsmodell, hohe Zins- und Börsenabhängigkeit, zahlreiche Überkreuzbeteiligungen (früher als „Bancassurance“ bekannt) – das sind die wichtigsten Pro-Argumente. Werden doch beide Sektoren zu der Finanzindustrie gezählt, die daneben noch die Fondswirtschaft und die Finanzdienstleister (Asset-Management, Brokerage, Zahlungssysteme, Kreditkarten, Research, Emissionsgeschäft) umfasst.

Diese Sorgen sind glücklicherweise weitestgehend unberechtigt, weil bei weiter bestehenden Wirkungstrends die Verflechtungsportfolien seit Jahrzehnten abgebaut wurden. Ein ernst zu nehmender Wirkungstrend ist dagegen nach wie vor der Niedrigzins. Aber auch hier gibt es Entwarnung: Die Hausse der Versicherungsaktien (Branchensubindex WKN 965842), belegt, dass die negative Auswirkung der Niedrigzinsen kompensiert werden kann.

Wenn dies den Banken jedoch nicht gelingt, liegt das an den Altlasten des US-Geschäfts und den noch nachwirkenden Schieflagen des Investmentbankings (Stichwort: tickende Zeitbomben wegen Abschreibungsgefahr).

Hingegen sind die deutschen und europäischen Assekuranz-Konzerne nach den bitteren Lehren aus der New-Economy-Krise 2001/2002 nicht der Versuchung der Börsenhausse erlegen, haben ihre stillen Lasten abgebaut und „normal“ investiert. Diese Zurückhaltung zahlte sich aus. Die Branche musste kaum auf die staatlichen Rettungsschirme (wenige Einzelfälle bei der Auffanggesellschaft Protektor) und die Mogelkonstrukte der „Bad Banks“ zurückgreifen.

Der empirische Befund und eine Prognose

Hinsichtlich der Börsenkapitalisierung ist die europäische Assekuranz im Stoxx Europe 600 mit 360 Milliarden Euro nicht mehr der „kleine Bruder“ der Banken, sondern deren gleichberechtigter Partner. Hierdurch ist sie nicht zuletzt aufgrund „ihrer Masse“ immun gegen die Übertragungsgefahr geworden. Ob die Hausse der Versicherer anhält, wird schwer zu prognostizieren sein.

Dagegen wird die schwere Krise im Bankensektor (Staatsschuldenkrise, Altlasten, Rückzug auf Kernkompetenzen, Gesundschrumpfen) auch aufgrund der labilen Konjunkturlage anhalten oder sich sogar verstärken. Da helfen nicht die routinemäßigen „Zufriedenheitszusicherungen“ über bestandene Stresstests, zumal wenn unbegreiflicherweise auch die Finanzbranche zur Klimarettung herangezogen werden soll. Das kann nur zusätzliche Belastungen bringen.

Na und? Retten wir eben das Klima. Es besteht kein Grund zu Sorge – solange das Diktat der EZB ungehindert anhält, gibt es keinen Systemzusammenbruch. Nach dem Regelbruch ist wie schon früher vor dem Regelbruch!

Hingegen wird die Allianz SE mit einer Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden US-Dollar ihren Platz 22 unter den nach Forbes Global 2000 weltweit größten Unternehmen im Jahr 2019 behaupten können. Die Indexschere wird sich nicht verringern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf finanzer.eu.


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