29. November 2019

Faktenfinder der „heute-show“ im ZDF über Schienenverkehr in Deutschland Staatlicher Sender privatisiert die Deutsche Bahn

Es werden immer die passenden Fakten gefunden

von Holger Finn

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Bildquelle: Gaschwald / Shutterstock.com Vor die Hunde gefahren: Deutsche Bahn

Sie kommt zu spät, sie kommt gar nicht, sie schließt immer öfter für immer längere Zeiträume ganze Bahnhöfe und Strecken und fällt positiv nur auf, wenn sie alternden Politikern einen gutbezahlten Ruhestandssitz auf einem Chefposten bietet. Die Deutsche Bahn, ein Drama auf Eisenrädern, hat ihren ehemals halbwegs guten Ruf vor allem in den letzten paar Jahren nachhaltig zerstört. Kunden schimpfen, Politiker fordern, viele Bahner selbst sind verzweifelt und verstehen es einfach nicht mehr. Wie konnte ein Unternehmen, dessen Wurzeln auf die 1920 gegründete Deutsche Reichsbahn zurückgehen, binnen so kurzer Zeit so schnell vor die Hunde fahren?

Das ZDF, dem die Deutschen schon die Erkenntnis zu verdanken hatten, dass sie und nicht etwa Luxemburger, Schweizer oder Norweger im reichsten Land der Welt leben, hat nun nachgeschaut. Die Faktenfinder der „heute-show“, die im Zweiten Deutschen Fernsehen bereits seit Jahren bemüht ist, die Reste des Anscheins von kritischem Journalismus zumindest als Brauch zu erhalten, stießen auf erstaunliche Erkenntnisse: Nach den Recherchen der vielgesehenen Sendung wurde die Deutsche Bahn 1994 privatisiert. Seitdem habe sie 6.100 Kilometer Strecke stillgelegt – die Wurzel allen Übels!

„Was der Staat kann, kann nur der Staat“, hatte der damalige SPD-Chef Franz Müntefering einst vor genau solchen üblen Versuchen gewarnt, Volksvermögen unersättlichen Spekulanten und Managern in den Rachen zu werfen. Die Deutsche Bahn ist auch deswegen bis heute an niemanden verkauft worden – das ehemals als „Sondervermögen des Reiches“ und später als „Sondervermögen des Bundes“ geführte Unternehmen mit 300.000 Mitarbeitern ist heute eine Aktiengesellschaft, die sich „zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes befindet und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geführt wird“, wie das Bundesfinanzministerium beschreibt.

Fakten, die im ZDF aber nur kurz verstören dürften. Traditionell hält sich der staatlich finanzierte und über ein halbes Jahrhundert verfassungswidrig von Politikern überwachte Sender, den erst das Bundesverfassungsgericht zwingen musste, wenigstens so zu tun, als stehe er nicht unter direkter Kuratel der Parteien, selbst für eine Art privates Unternehmen, das nur zufällig immer die Fakten findet, die gerade in die Berliner Agenda passen.

ZDF: „heute-show“ vom 22.11.2019

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politplatschquatsch“.


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