20. November 2019

RezensionCyril Moog: Der neue Mensch

1917-1923

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Der Titel des Buches „Der neue Mensch“ weckt Erwartungen. Eine Liebesgeschichte vor detailliert dargestelltem historischem Hintergrund gehört nicht dazu. Es dreht sich nicht etwa um die Revolution in Russland, sondern um die bewegten Zeiten der Weimarer Republik nach der Niederlage im „Großen Krieg“. Der neue Mensch, um den es hier geht, ist völlig anderer Natur als jener, nach dem die Kommunisten bis heute vergeblich suchen. Zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, seit Jugendtagen miteinander bekannt, treffen nach dem Krieg wieder aufeinander. Der traumatisiert und orientierungslos aus dem Krieg heimgekehrte Jüngling, der durch sein Engagement in reaktionär-deutschnationalistischen Kreisen eine neue Identität zu finden hofft, und die schwärmerische junge Frau, die sich für die Sache der Revolution begeistert. Geschickt verbindet der Autor Cyril Moog mehrere parallel laufende Handlungsstränge, die zunächst voneinander völlig unabhängig zu sein scheinen, am Ende aber doch gemeinsam Sinn ergeben. Kaum eine namhafte Figur der Zeitgeschichte bleibt unerwähnt. Ob Geostrategen, Politiker, Militärs, Revolutionäre, nationale und internationale Unternehmer und Finanzkapitalisten, Künstler oder Literaten – im „Namedropping“ läuft Cyril Moog zur Höchstform auf, ohne dabei bemüht zu wirken. Die genannten Persönlichkeiten passen allesamt perfekt in die Erzählung. Die geschilderten Ereignisse entsprechen, sofern es sich nicht um die rein fiktionalen Passagen des Romans handelt, den historischen Tatsachen – davon abgesehen, dass die Versenkung des britischen Passagierdampfers „Lusitania“ durch ein kaiserliches U-Boot nicht der Grund für den (zwei Jahre später erfolgten) Kriegseintritt der USA bildete. Die beschriebenen Aktivitäten der internationalen Finanzelite werden die Herzen der Freunde von Verschwörungstheorien höherschlagen lassen. Ein Buch für den zeitgeschichtlich Interessierten, der sich von 500 Seiten nicht abschrecken lässt.


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