13. September 2019

RezensionWerner Reichel: Kickl muss weg

Der schmutzige Kampf um die Macht

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Der ehemalige österreichische Innenminister Herbert Kickl polarisiert wie kein zweiter. Medien, Asylindustrie und Bobo-Szene hassen ihn. Viele Menschen aber, die nicht in linken Filterblasen leben und die der Durchsetzung von Recht und Ordnung etwas abgewinnen können, halten ihn für einen fähigen Mann. Was ist nun wahr? Werner Reichel zeichnet die Zeit von der Angelobung der türkis-blauen Regierung bis zum Bruch der Koalition nach, den Kanzler Kurz mit dem sattsam bekannten „Ibiza-Video“ begründet. Doch in diesen Skandal, dem die personellen Konsequenzen auf dem Fuß folgen, ist Kickl nicht verwickelt. Selbst seine schärfsten Kritiker, die jeden seiner Schritte überwachen, behaupten das nicht. Der Autor spürt den Gründen nach, die dazu führen, dass Kurz am Tag nach dem Rücktritt des Vizekanzlers die Forderung nach dem Kopf des Innenministers erhebt und damit – ohne Not – die Koalition in die Luft sprengt. Seither vergeht kein Tag, an dem die Medien – allen voran der dunkelrotgrüne ORF – ihn und die Freiheitlichen nicht mit Unflat überziehen. Das hat der Jungstar nicht kommen sehen. Was der Innenminister in seiner kurzen Amtszeit auch unternimmt – es wird in Grund und Boden verdammt; jeder seiner Schritte als einer auf dem Weg in einen autoritären Staat dargestellt. Ob die Schaffung einer berittenen Polizeitruppe, sein Umgang mit „Flüchtlingen“, seine angebliche Rolle im Skandal um das österreichische Verfassungsschutzamt oder schlicht die Einladung zur Plauderstunde im ORF-Radio: Alles wird zum Skandal aufgeblasen. Die Verwendung unterschiedlicher Maßstäbe durch die Meinungsbildner, je nachdem, ob es um linke oder nichtlinke Kräfte im Lande geht, ist notorisch. Bei Kickl werden neue Gipfel erreicht. Selbst seine Körpergröße und sein abgebrochenes Philosophiestudium werden hämisch kommentiert. Der Bundespräsident erklärt, ihn nie wieder als Innenminister angeloben zu wollen. Einen Grund nennt er nicht. Kickls Karriere ist nicht zu Ende. Im Herbst werden wir weitersehen.


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