15. Juli 2019

„Appell der 100“ von AfD-Funktionären gegen Björn Höcke Sozialistische Neidkultur sollte in der Partei keinen Platz haben

Blindwütige Höcke-Kritik sichert keinen besseren Platz im Öko-Gulag

von Christian Rogler

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Bildquelle: knipsdesign / Shutterstock.com Hat sein Charisma niemandem weggenommen: Björn Höcke

Mittlerweile scheint sich der Sturm im Wasserglas wieder gelegt zu haben, der im Unterschied zu diversen Stürmen größeren Ausmaßes an der US-amerikanischen Südküste nachweislich menschengemacht war. Die Agenturen melden, AfD-Fraktionssprecherin Alice Weidel und „Flügel“-Frontmann Björn Höcke hätten sich darauf geeinigt, Differenzen künftig intern zu regeln – insbesondere vor den wichtigen Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern im Herbst.

Inwieweit diese Ansage allgemein Wirkung entfaltet, wird sich weisen. Immerhin ist dem „Appell der 100“ damit aber fürs Erste der Boden entzogen, der sich jüngst einen kurzen Platz im medialen Rampenlicht erkämpft hatte. Die Wähler im Osten durften damit nur kurz Freude an ihrem „Geschenk“ haben, als das dessen Protagonisten diesen dargestellt hatten. Ist aber halb so schlimm: Nachdem ihnen bereits über Jahre hinweg sogar „Menschen geschenkt“ worden waren, wie Martin Schulz es formulierte, sind sie sehr bescheiden geworden.

Dass sich im „Flügel“ und dessen Umfeld auch einige höchst zweifelhafte Bestrebungen organisiert haben, soll an dieser Stelle nicht in Abrede gestellt werden. Dass die abermalige Wahl Doris von Sayn-Wittgensteins zur Landesvorsitzenden in Schleswig-Holstein – auch wenn bezüglich der ihr zur Last gelegten Äußerungen zum Holocaust Aussage gegen Aussage steht – kein Grund ist, die Sektkorken knallen zu lassen: geschenkt! Allerdings ist diese Wahlentscheidung trotzdem zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen die einzig sinnvolle Reaktion, zumindest solange keine verwertbaren Anhaltspunkte für einen belastbaren Grund zu einer Amtsenthebung oder einem Parteiausschluss bestehen.

Auch Björn Höcke kann natürlich nicht unantastbar sein. Insbesondere inhaltlich gibt es gute Gründe, einige seiner Ideen nicht zu unterstützen, etwa bezüglich Rentenpolitik, antikapitalistischer Rhetorik oder einem fallweisen amerikakritischen Unterton. Dass er das „Flügel“-Treffen nutzt, um den Bundesvorstand relativ pauschal zu kritisieren, ist auch nicht die feine Art – wobei jedoch Personen, die ihm daraufhin „mangelnde Solidarität“ vorwerfen, vielleicht zuvor nicht unbedingt selbst in billigster Antifa-Rhetorik über ihn vom Leder gezogen haben sollten.

Dass es einmal im Jahr ein „Flügel“-Treffen gibt, das für einige Teilnehmer zum Anlass wird, mal salopp gesagt „auf die Kacke zu hauen“ und sich selbst zu feiern, ist kein Novum in der AfD. Jeder Strukturvertrieb hat – dort sogar monatlich – einen Jour fixe, an dem man zusammenkommt und in dem es nur darum geht, sich selbst zu motivieren. Der Außeneffekt ist begrenzt, der Mobilisierungseffekt bei den Betroffenen jedoch sehr hoch, was in Wahlkämpfen kein unbedingter Nachteil ist, und das hätte es eigentlich gerechtfertigt, den Leuten ihre Freude zu gönnen und darob kein Fass aufzumachen. Insbesondere nicht öffentlich.

Was aber an Aktionen wie dem „Appell der 100“ so ärgerlich ist, ist neben dem manisch anmutenden Anpatzerdrang gegen Höcke, der so zum Ausdruck kommt, vor allem die sozialistische Neidkultur, die sich darin manifestiert.

Björn Höcke wird im Kern zum Vorwurf gemacht, dass er bei Menschen ankommt, sie inspiriert und motiviert. Offenbar herrscht bei seinen Hatern die Meinung vor, die Tatsache, dass er Charisma hat, sei Ergebnis der Ausbeutung all jener, die keines besitzen – und deshalb sollte er, da es schwierig ist, so etwas gerecht umzuverteilen, doch bitte keinen Gebrauch davon machen, weil es diese beleidigen könnte.

Nun ist es aber eine recht einfache Sache: Dass es Tassen, Taschen und weiß der Geier was sonst noch an Höcke-Devotionalien gibt, die findige Thüringer Kreisverbände verkaufen, um damit ihre Kasse aufzubessern, liegt einzig daran, dass es dafür eine Nachfrage gibt. Diese zu Geld zu machen, ist ein ganz normales marktwirtschaftliches Phänomen. Ebenso, dass keine Helmut-Seifen-Bettwäsche, Steffi-Brönner-Stützstrümpfe oder Kohlendioxid-Kompensationskassen der JA Berlin zur Unterstützung chinesischer Bevölkerungskontrollkommissare und Planned-Parenthood-Schlachthäuser in Afrika angeboten werden – weil eine kostendeckende Gewinnerzielungsaussicht in diesen Fällen bis auf Weiteres fraglich erscheint.

Eine charismatische Ausstrahlung allein macht natürlich noch keinen guten Politiker, Manager, Geistlichen oder was auch immer aus. Auch die Inhalte müssen stimmen. Aber es funktioniert in einer von Aufmerksamkeitsökonomie dominierten Gesellschaft vieles auch besser, wenn die richtigen Gedanken auch durch eine charismatische Symbolfigur verkörpert werden. Deshalb ist Donald Trump erfolgreicher als viele inhaltlich durchaus vernünftige republikanische Politiker vor ihm, deshalb ist die FPÖ ohne HC Strache recht langweilig, deshalb zieht Franklin Graham weltweit ein größeres protestantisches Publikum an als Heinrich Bedford-Strohm.

Natürlich darf sich eine politische Partei nicht von charismatischen Persönlichkeiten abhängig machen. Aber sie sollte ihnen auch nicht ohne Not im Weg stehen. Sie sollte vielmehr einen Weg finden, um jedermann zu ermöglichen, seine spezifischen Talente auf die adäquate Weise zum Wohle der Partei einzusetzen.

Und zum Schluss sei noch eine Prognose gewagt: Sollte es Grünen, CDU, Fridays for Future und dem Rest der Bande gelingen, dieses Land tatsächlich in eine ökokommunistische Dystopie umzufunktionieren, wird bestimmt keiner eine besser ausgestattete Baracke im Gulag zugestanden bekommen, nur weil er nachweisen kann, dass er viele Appelle gegen Björn Höcke unterschrieben hat. Dass „Appell“-Protagonist Uwe Junge erst vor zwei Wochen im Vorfeld der Plasberg-Talkrunde selbst zum „elenden Hetzer“ (Ralf Stegner) und „waschechten Neonazi“ (Niema Movassat) erklärt wurde, spricht zumindest deutlich für diese Einschätzung.


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