12. Juli 2019

RezensionGabriele Kuby: Missbrauch

„Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“

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Die Soziologin Gabriele Kuby ist bereits seit längerem als eine wortgewaltige und treffsichere Analystin zeitgeistiger Verirrungen und zerstörerischer Ideologien bekannt, die sich nicht nur in weltlichen Zusammenhängen, sondern auch in der katholischen Kirche ausgebreitet haben. Daher war davon auszugehen, dass gerade von ihr eine unbestechliche und schonungslose Bestandsaufnahme von Missbrauchsskandalen innerhalb der Kirche kommen würde, die in jüngster Zeit wieder durch die Medien gingen. Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kommt in zahlreichen Zusammenhängen des gesellschaftlichen Lebens vor – von Sportvereinen über Kinder- und Jugendheime (oder Pflegschaften wie jüngst in Lügde), Gefängnisse oder weltliche Schulen (Odenwaldschule) bis hinein in die eigenen Familien, vorwiegend im Fall von Patchworkkonstrukten. Überdurchschnittliche mediale Aufmerksamkeit erlangen jedoch die prozentual wenigen Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche oder deren Einrichtungen. Und diese bewegen insbesondere Autorinnen wie Kuby oder geistliche Würdenträger wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ein Vorwort beisteuerte. Zu Recht, denn die Lehre der Kirche und ihre Anforderungen an den Klerus sind klar und streng. Aber die Menschen, die sich für ein geistliches Amt berufen fühlen, sind auch Kinder ihrer Zeit und ihres Zeitgeistes – und je zerstörerischer dieser in der Welt wirkt, desto wachsamer und besser gerüstet sollten kirchliche Einrichtungen und Ausbildungsstätten sein, wenn es darum geht, das kirchliche Leben dagegen intakt zu halten. Dass dies nicht geschehen ist, analysiert Kuby in ihrer im Fe-Medienverlag erschienenen Schrift schonungslos. Dabei kommt sie zu einem ähnlichen Ergebnis wie jüngst auch Papst Benedikt XVI., der eingehend untersucht hatte, wie die Folgen der weltlichen Zersetzungsarbeit der Achtundsechziger und die Toleranz gegenüber homosexuellen Subkulturen in den eigenen Reihen auch ihre Spuren in der Kirche hinterlassen haben.


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