17. Juni 2019

RezensionJim Macgregor, Gerry Docherty: Der Krieg, der nicht enden durfte

Wie das Anglo-Amerikanische Establishment den Ersten Weltkrieg absichtlich in die Länge zog

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Das Buch ist mit 894 Seiten und 2.336 Quellen ein Monumentalwerk der Geschichte über den Ersten Weltkrieg. Die Autoren, bekannt aus ihrem ersten Werk „Verborgene Geschichte“, dokumentieren, warum der Erste Weltkrieg so lange dauerte und nicht schon nach sechs Monaten zu Ende ging. Spannend und detailreich erzählt, wird ein Bild gezeichnet, das ich gerne im Geschichtsunterricht gehabt hätte. Es geht eben weniger um die Minister oder Kaiser, sondern um die Protagonisten, die die Geschicke im Hintergrund gelenkt haben und vor allem um die zu Millionen sinnlos verheizten einfachen Bürger. Die Autoren erläutern plausibel, wie amerikanische Schießbaumwolle trotz Embargo Deutschland stets erreichte und die französische Erz- und Kohleindustrie im Bassin von Briey kampflos den Deutschen überlassen wurde und danach Deutschlands metallurgische Kriegsbasis wurde. Ein Versuch, sie zurückzuerobern, wurde nie unternommen, obwohl französische Truppen nur fünf Kilometer davon entfernt standen. Der Versuch, die Dardanellen zu erobern, wurde absichtlich hintertrieben, damit sie nicht Russland zufielen. Unter englischer oder französischer Kontrolle gefördertes Öl und Kohle erreichten jederzeit während des Krieges Deutschland. Der Krieg war ein Geschäft. Bezahlt wurde in Deutschland (Kriegskredite) wie in Großbritannien („Currency and Bank Notes Act“) mit extremer Ausweitung der ungedeckten Geldmenge. Die Wirkung des Buches jedoch wird extrem strittig sein. Die offizielle Geschichtsschreibung wird aufschreien ob der Darstellung einer englisch-amerikanischen Clique von Verschwörern als Kriegstreiber und der Deutschen als nützliche Idioten. Antikapitalisten und Etatisten werden sich darin bestärkt fühlen, dass sie es ja schon immer gewusst hätten, dass Kapitalismus unweigerlich zum Krieg führt. Für mich jedoch wird klar, dass nicht die Unternehmen und die Märkte das Problem sind, sondern dass, wer oder was auch immer sich mit dem Staat verbündet, stets einer Katastrophe zusteuert.


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Dossier: Literatur

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Ronald K. Haffner

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