17. Juni 2019

RezensionPeter J. Preusse: Bürger zweier Welten

Ein libertärer Entwurf

Artikelbild

Dass das vorliegende Buch im Antaios-Verlag erschienen ist, legt nahe, dass hier jemand im Stile von Hoppes „Demokratie – Der Gott, der keiner ist“ libertäre Populärliteratur schreiben will und damit vor allem auf Konservative und Rechte abzielt. Schon zu Beginn macht Preusse deutlich, dass er aus dem Nebel zu treten bestrebt ist, in dem große Teile des intellektuellen Diskurses heutzutage stattfinden, und eine logisch-stringente Argumentation aufbieten möchte, wo sonst „nicht klar bestimmte Wörter und Treibsand-Begriffe“ vorherrschen. Er beginnt damit, das Wesen von „Gemeinschaft“ einerseits und „Gesellschaft“ andererseits auszuloten, schreibt aber bereits hier oft zu verästelt und zu verkopft, als dass er die angestrebte Rolle des Ent-Täuschers einnehmen könnte. Auf anthropologische Ausflüge folgt ein Verweis auf die Lockesche Aneignungstheorie, und der Leser gerät unweigerlich in die Situation, seine ganze Konzentration aufbieten zu müssen und doch nicht so recht zu wissen, worauf der Autor denn nun hinauswill. Zu oft werden in diesen Zusammenhängen essentielle libertäre Grundlagen nur angerissen, so dass Preusses Antwort, ein Plädoyer für eine staatenlose Gesellschaft, für Leser aus anderen politischen Lagern nicht einleuchtend sein wird. Auch der zweite Teil des Büchleins, in dem der Autor eine Privatrechtsverfassung zu Papier bringt, verdient diese Kritik: Konservativen Lesern wird Preusses eloquente Kritik an unserer Malaise zweifelsohne zusagen, doch um bei seinem Publikum Weltbilder wirklich zum Einsturz zu bringen, fehlt es an Details zur Österreichischen Schule, an libertärer Klassenanalyse und nicht zuletzt auch an Querverweisen zu Rothbard, Hoppe und Co. Was nach der Lektüre in jedem Fall bleibt, ist die Erkenntnis, dass, um die menschliche Geschichte aufzufächern und auf der Basis von soziologischen und ökonomischen Einsichten einen libertären Gegenentwurf zum Status quo des Etatismus zu skizzieren, knapp 100 Seiten schlicht nicht ausreichen.


„Peter J. Preusse: Bürger zweier Welten: Ein libertärer Entwurf“ bei amazon.de kaufen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Literatur

Mehr von Lukas Abelmann

Über Lukas Abelmann

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige