17. Juni 2019

RezensionStefan Blankertz: Migration, Integration und Wohlfahrtsstaat

Freiheit ist die Lösung, und kein „Problem“

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Lange habe ich darauf gewartet, jetzt liegt sie vor, die Blankertzsche Analyse der uns seit mehr als drei Jahren beschäftigenden Völkerwanderung. Der Grundton ist eher pessimistisch, wenn auch das Werk mit einer Hoffnung schließt, die ich nicht kannte: In Nordsyrien hat sich Rojava (Westkurdistan) für autonom erklärt, wobei die Verwaltungseinheiten freiwillig durch Vertrag entstehen. Der Autor behandelt neben der Zerpflückung diverser Verschwörungstheorien (unter anderem planmäßige Senkung des Intelligenzquotienten durch Masseneinwanderung) das Migrationsthema anhand der USA und weist nach, dass das Thema Einwanderung erst im 20. Jahrhundert eines wurde. Per Dekret verbot US-Präsident Herbert Hoover (1929-1933) jede weitere Immigration, um die grassierende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Franklin D. Roosevelt (1933-1945) führte dies fort und entschied 1939 persönlich, dass ein Schiff mit 1.000 jüdischen Flüchtlingen nach Europa zurückkehren musste. Die Grenzen werden geschlossen oder geöffnet, weil Menschen als Material gesehen werden. Blankertz grenzt sich dabei sowohl von links („wir brauchen aus demographischen Gründen neue Arbeitskräfte“) als auch von rechts („es kommen ja keine Ingenieure und Ärzte“) ab und kritisiert den zynischen, planwirtschaftlichen Ansatz beider Seiten. Der Autor erkennt die treibende Kraft für solche Politik in der Überzeugung, dass nur eine zentralstaatlich verwaltete Gesellschaft rational und verschwendungsfrei zu gestalten sei. Dass sich Blankertz dabei überwiegend auf Murray Rothbard stützt, ist legitim. Einzig die von Rothbard übernommene Einteilung in Pietisten und Liturgiker ist gewöhnungsbedürftig. Interessant ist die Diskussion der Themen staatliches Berechtigungswesen und Schulpflicht sowie Parallelgesellschaften. Blankertz‘ Lösung: Das einzige Kriterium, das es zu beachten gilt, ist das der Freiwilligkeit. Eine fiktionale Geschichte zur Staatsentstehung und eine Kritik zur Theorie des IQ runden das Werk ab.


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Ronald K. Haffner

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