21. Mai 2019

RezensionFrank Jordan: Das Attentat

Kein Fall für Carl Brun

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Eine Privatmaschine mit dem russischen Oligarchen Aleksei Wladimirowitsch Laritski und seiner Gemahlin, der Politikerin Evgenija Iwanowna, sowie einer halben Milliarde Euro in bar stürzt in den Schweizer Bergen ab. Schnell kommen die offiziellen Ermittlungen zu einem Ergebnis – zu schnell. Carl Brun und sein Team vom Schweizer Geheimdienst, dem Leser bereits aus den Vorgängerbüchern „Die Ministerin“ und „Der Fonds“ vertraut, ermitteln verdeckt weiter. Als sie dabei einer grausamen und gefährlichen Wahrheit auf die Spur kommen und ihre Vorgesetzten warnen wollen, wird aber klar: Dies ist wieder einmal – kein Fall für Carl Brun! Wie in den beiden ersten Thrillern des Autors ist auch in „Das Attentat“ nicht einmal der Schein das, was er zu sein vorgibt. Hinter der wohlanständigen Fassade von Politik und Finanzwesen tun sich Abgründe auf, die derart realistisch geschildert werden, dass man sich unwillkürlich die Frage stellt, ob vielleicht etwas dran sein könnte, ob hinter dem, was der durchschnittliche Zeitungsleser als Politik präsentiert bekommt, vielleicht ganz andere Interessen im Spiel sind, von denen er nicht einmal ahnt. Hat die unter dem Pseudonym „Frank Jordan“ schreibende Schriftstellerin Monika Hausammann vielleicht Einblick in Verhältnisse, die den meisten Menschen verschlossen bleiben? Oder versteht sie es „nur“ meisterhaft, einen Plot zu konstruieren, der den Leser über knapp 600 Seiten zu fesseln vermag, so dass ihm der Thriller trotz mancher Längen vor allem in den Dialogen am Ende sogar zu kurz erscheint? Wie schon in den Vorgängerbänden sorgt die „multiperspektivische“ Erzählweise dafür, dass der Roman alle seine Figuren ernst nimmt – hier gibt es keine Statisten, hier gibt es streng genommen auch kein Gut oder Böse, sondern nur unterschiedliche Interessen. Trotz einiger kleinerer Mängel, die durch ein anderes Lektorat vielleicht  hätten geglättet werden können – „Frank Jordan“ begeistert seine wachsende Fangemeinde auch mit seinem dritten Thriller. 


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Ulrich Wille

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