12. Juli 2019

RezensionTerry L. Anderson / Peter J. Hill: Der gar nicht so Wilde Westen

Eigentumsrechte im Frontier

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„Ohne staatlichen Ordnungsrahmen haben wir Zustände wie im Wilden Westen!“ Wohl jeder Verteidiger einer staatsfreien Ordnung ist schon auf diese Reaktion gestoßen. Nach der Lektüre des 2004 erschienenen Werks „The Not so Wild, Wild West“ von Terry L. Anderson und Peter J. Hill, das jetzt in deutscher Übersetzung von ef-Autor David Schah vorliegt, kann er überlegen antworten: „Eben!“ Gestützt durch umfangreiches Datenmaterial, zeigen die Autoren mit den Instrumenten der „Neuen Institutionenökonomik“, wie sich Rechtssicherheit und der Respekt vor dem Eigentum anderer im amerikanischen „Frontier“ des 19. Jahrhunderts eben nicht durch staatliche Festlegung, sondern durch Verträge und Marktprozesse entwickelten. An detailliert ausgeführten Beispielen wie Viehzucht, Büffeljagd und Bewässerung wird deutlich, dass für die Menschen im „Frontier“ – vernünftigerweise versucht der Übersetzer erst gar nicht, eine deutsche Entsprechung für das unübersetzbare, für die Mentalität des amerikanischen Westens so zentrale Wort zu konstruieren – das „Positivsummenspiel“ Handel und Vertrag lohnender war als das „Negativsummenspiel“ Gewalt, auf das daher sehr viel seltener zurückgegriffen wurde, als Hollywood es uns weismachen will. Unternehmer waren es, die die immensen Ressourcen der Großen Ebene zum Wohle der Menschen erschlossen und die Zivilisation in den Westen brachten. Konflikte waren für sie mit Kosten verbunden, Kooperation bedeutete Gewinn. Marktwirtschaftliche Institutionen gab es in Amerika freilich schon vor der Ankunft des weißen Mannes, viele Indianerstämme hatten den Nutzen von Arbeitsteilung und Handel bereits erkannt, so dass der friedliche Austausch mit den Weißen auf bereits vorhandene ökonomische und rechtliche Strukturen zurückgreifen konnte – bis es eine steuerfinanzierte Armee gab, für die es billiger war, den Ureinwohnern ihr Land einfach wegzunehmen, so dass die Gewalt in den Indianerkriegen eskalierte. Das Buch ist eine Fundgrube für jeden Freiheitsfreund.


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Ulrich Wille

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