17. Mai 2019

Medienkampagne gegen Identitären-Chef Martin Sellner Eintritt in die Matrix

Wären Rechte an der Macht ebenso repressiv?

von Jörg Seidel

Artikelbild
Bildquelle: knipsdesign / Shutterstock.com Opfer einer Medienkampagne: Martin Sellner

Zum Kotzen! Die Presse läuft Amok gegen Martin Sellner. Der „Focus“ schreibt: „Identitären-Chef lud Attentäter von Christchurch zum Kaffee ein“. In der „Presse“ wollte er „auf ein Bier gehen“. „Das beweisen Mails, die der ‚ZIB 2‘ jetzt vorliegen“, und so weiter. Der Begriff „Lügenpresse“, den ich bisher nie benutzt habe, ist nun angebracht.

Ich muss es ganz deutlich sagen: Alles, was ich in der Presse über Sellner lese, widerspricht allem, was ich von ihm und über ihn weiß. Glauben Sie kein Wort! Sellner lud nicht den Attentäter, sondern den Spender zu einem Kaffee ein, und das mit einer Mail, die jeder Englischsprachige als vollkommen unverbindlich verstehen musste. Und selbst wenn er sich mit ihm getroffen hätte – wo wäre das Problem? Ich selbst habe sogar schon unverständigen Lesern meiner Seite ein Treffen auf meine Kosten angeboten, einfach aus Interesse. Warum soll man sich nicht mit jemandem treffen können, der einem substantiell spendet, den man so oder so vielleicht interessant findet?

Die eigentliche Frage ist doch: Wie gelangen diese Informationen an die Presse? Wie gelangen ganze Spenderlisten an die Presse? Bekomme ich irgendwann auch einen Anruf, weil ich Martin Sellner eine Mail geschrieben habe? (Wir hatten einen kurzen Austausch über Heidegger und Bahro.) Bankgeheimnis, Briefgeheimnis, Gewaltenteilung, freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit werden in einem Akt über Bord geworfen, um eine haltlose Unterstellung am Köcheln zu halten. Sellner hat recht: Das ist der Eintritt in die Matrix. Zum Kotzen!

Alle, die hier jubeln, weil Sellner ihr politischer Gegner ist, verstehen das Ausmaß nicht. Sie könnten selbst die Nächsten sein. Kann man sich nicht juristisch dagegen wehren? Aber ist es nicht das gleiche juristische System, das ihn gerade verfolgt? Bei seinen gesetzesbrechenden Verfolgern Recht durchsetzen wollen? Kafkaesk. „Vor dem Gesetz“.

Gerade hatte Caroline Sommerfeld auf „Sezession“ die sehr wichtige Frage ins Spiel gebracht, wie sich „die Rechten“, sollten sie jemals die Macht übernehmen, „den Linken“ gegenüber verhalten würden. Wären sie ebenso repressiv oder noch repressiver, würden sie ihnen „ihre Meinung lassen, auch wenn diese die Grundfesten der Gesellschaft untergräbt“? Wäre das überhaupt wünschenswert? Bei ihrem Ehemann spürt sie diese Angst, die ganz authentisch ist.

Die anschließende Diskussion konnte diese Frage nicht beantworten, niemand kann das. Auch ich würde dafür nicht garantieren. Was ich aber garantieren kann, ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines geglückten demokratischen Meinungsaustauschs im Falle einer rechten Hegemonie mit jeder linken Repression des Diskurses, mit jeder Lüge der Presse, mit jeder Verdrehung, mit der immer wieder gemachten Erfahrung der Ohnmacht, dem In-die-Ecke-getrieben-werden, dramatisch sinkt. Ich selbst spüre diese Beengung, diese Verzweiflung immer öfter in mir, merke, wie sie mich vergiftet, und muss bewusst meine stoischen, buddhistischen, philosophischen Übungen dagegen einsetzen, und ich ahne, dass sehr viele Menschen nicht über diese Mittel verfügen.

Wer den Druck aus dem Kessel Deutschland nehmen will, der muss endlich beginnen, die eigene Agenda zurückzustellen und sich der Wahrhaftigkeit, der Ehrlichkeit, der Offenheit, kurz: der Realität stellen. Wer hingegen millionenfach ein Ohnmachtsgefühl erzeugt, der darf sich nicht wundern, dass die Welle beim Gezeitenwechsel gewaltsam über ihm zusammenschlägt. Das sind Naturgesetze, ob wir es mögen oder nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Mediales

Mehr von Jörg Seidel

Über Jörg Seidel

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige