27. April 2019

Politisch korrekte Ausdrucksweise Männersache

Wohl nur in Deutschland wird die Sprache derart verhunzt

von Jörg Seidel

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Bildquelle: Jacek Wojnarowski / Shutterstock.com Immer schon natürliche Gegenstücke: Frau und Mann

Gerade hatte ich eine kleine Diskussion mit meiner Frau. Hmm! Woher weiß ich eigentlich, dass es meine Frau ist? Das eine, das „meine“, bestätigt mir ihr Bekenntnis, mir lebenslang zu dienen und hörig zu sein – das habe ich schriftlich und notariell bestätigt. Das andere, dass sie eine Frau ist, kann man sehen und hören und so weiter.

Es ging um einen Artikel mit der Überschrift: „Überraschung vor den Flitterwochen: Dieser Anruf macht einen Mann zum Millionär“. Klingt nach Romantik. Aber, ich muss es gestehen – auch auf die Gefahr hin, einige meiner Leser-Männer zu verlieren –‍, ich gehöre zu jenen Menschen, die unwillkürlich – sie können also nichts dafür! Nehmen Sie das bitte als Entschuldigung! – bei einem Satz wie diesem zusammenzucken: „Ein Gastronom aus Niedersachsen wartete mit seinem Ehemann gerade am Gate, um in die Flitterwochen zu starten.“

Kurz zur Geschichte: Der Mann gewann fünf Millionen, und jetzt wollen sie, der Mann und sein Mann, sich einen Hund kaufen, wie das heutzutage ja viele Paare machen, die keine Kinder wollen.

Genauso wie ich bei einer solchen Sprachwahl erschrecke, werden jetzt Millionen Leser instinktiv „Homophobie!“ rufen. Doch das ist es nicht. Ich habe keine Angst vor Homosexuellen, „ich habe auch nichts dagegen“, ich habe aber Angst – das Wort ist auch hier zu schwer – vor dem Verlust eines unserer bedeutendsten Kulturgüter, unserer großartigen, einmaligen, phantastisch komplexen, ausdifferenzierten, wunderbar ziselierenden deutschen Sprache. Das betrifft übrigens auch alle anderen wunderbaren Sprachen, aber – soweit ich sehe – wird die eigene Sprache nur in Deutschland derart verhunzt.

Die Sache scheint mir ziemlich einfach. Das natürliche Gegenstück, Ergänzungsstück, Komplementärstück zum Manne ist das Weib, ist, moderner gesprochen, die Frau. Platons Kugel, Yin und Yang… Diese beiden Begriffe treffen und ergänzen sich auf gleicher kategorialer Ebene. Der Einfachheit halber ignorieren wir hier die Weisheit von 1. Mose 2:25: „Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schämten sich nicht.“ Sie ist es nicht, weil Menschen oder Männer das erfunden haben, sondern war es schon, als es noch gar keine Menschen gab, denn auch unsere stammesgeschichtlich gemeinsamen Vorfahren und deren gemeinsame Vorfahren und deren und deren… haben den größten Teil ihrer Zeit – es gab immer Ausnahmen – als Mann und Frau oder vielleicht tatsächlich treffender als Männchen und Weibchen verbracht und als solche in allen möglichen Formen und Varianten männliche und weibliche Nachkommen gezeugt, die das ewige Spiel weiterspielten und weitergaben. Hätten sie das nicht getan, könnten wir heute nicht darüber nachgrübeln.

Die Sprache spiegelt das nur wider, und man zeige mir eine Sprache, die das nicht tut. Es gibt Sprachen ohne „Ich“, ohne Subjekt, ohne „haben“ oder „sein“ – eine davon versuche ich gerade zu lernen –‍, ohne unser Zeitverständnis, Raumverständnis, Ursache-Folge-Verständnis, ja sogar mit eingeschränkten geschlechtsdifferenzierenden Personalpronomen…, aber eine Sprache ohne Mann-Frau-Unterschied, ohne diese Begriffe, ist mir nicht bekannt, und selbst wenn mir jetzt ein aufmerksamer polyglotter Leser eine nennt – bitte ohne Googeln – dann ist das eben die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Es gibt auch noch andere passende Gegenstücke zum Mann: das Kind, den Knaben oder Jüngling zum Beispiel. Oder, wenn man ihn sich als Lebewesen vorstellt, auch den Toten, den Gefallenen oder Ähnliches.

Ja, mehr noch, alles Mögliche kann ein passendes Gegenstück sein: das Buch, der Stein, das Atom, die Zahl, das Schwarze Loch… anything goes. Außer eines: der Mann! Nicht in dieser Bedeutung. Ehemann und Ehemann, das ist wie der Schwanz, der mit dem Hund wedelt.

Und es ist vor allem vollkommen unnötig, diese Sprachvariante zu wählen. Warum kann es nicht der Partner sein, der Lebensgefährte, der Freund, der Genosse, der Gespiele, der Gemahl oder das Ehegespons? Kein Problem, guten Flug und schöne Flitterwochen!

„Yahoo-Nachrichten“: „Überraschung vor den Flitterwochen: Dieser Anruf macht einen Mann zum Millionär“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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