26. April 2019

RezensionStefan Blankertz: Politik macht Ohmacht

Demokratie zwischen Rechtspopulismus und Linkskonservativismus

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Das Buch ist eine Sammlung von Gedanken, die der Autor in Artikeln und Vorträgen in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Insoweit gibt es kein einheitliches Thema, sondern eine Vielzahl von Ausführungen zu den unterschiedlichsten Fragen der vergangenen Jahre. Wer also wissen will, was der Autor zum Beispiel zu offenen Grenzen, zur Schulpflicht, zur Familie, zum Grundeinkommen, zur Toleranz, zum Eigentum, zur Gleichheit, zu Pinochet, zur Bibel und zum Koran oder zur Demokratie denkt, dem sei das Buch wärmstens ans Herz gelegt. Im Selbstverständnis ist Blankertz dabei, die Gedankenstränge von Marx, Mises und Kurt Lewin zusammenzuführen. Marx und Mises haben mehr gemeinsam, als Mises wahrhaben wollte und Marxisten lieb ist, so der Autor. Aus der Fülle der Gedanken seien zwei exemplarisch hervorgehoben: die Familie und die Bibel. Für Blankertz nimmt die Rolle der Familie in dem Maße ab, in dem die staatlichen Institutionen an ihren Platz treten. Der Umkehrschluss, die staatlichen Strukturen zu entmachten, um der Familie wieder mehr Bedeutung zu verschaffen, greift nach Blankertz aber zu kurz. Nicht übersehen werden darf, dass die Familie auch Brutstätte von Neid, Hass und Ungerechtigkeit ist. „Sie kann die Entwicklung und Entfaltung von Mitgliedern ebenso behindern, wie sie sie befördern kann. Der Abbau oder gar die Abschaffung des Sozialstaates könnten daher auch diese Nachteile wieder aktivieren. Daher gilt es nicht, eine Alternative zu finden, sondern ein Panorama von Möglichkeiten für Selbstverantwortung und Eigeninitiative zu eröffnen.“ Zur Bibel: „Zitate, die zur Gewalt gegen Andersgläubige aufrufen, finden sich in der Thora respektive im Alten Testament in größerer Zahl als im Koran.“ Am Schluss diskutiert der Autor, ob Marx eher ein Antikapitalist oder ein Freund des Kapitalismus war, und kommt zu der Erkenntnis: „Er war Kapitalist in dem Sinne, dass er für ein Wirtschaften auf der Grundlage der freiwilligen Kooperation (anstatt staatlicher Planung) eintrat.“


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Ronald K. Haffner

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