26. April 2019

RezensionElias Helios: Manifest des Demokratismus

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Nach dem kommunistischen, dem konsumistischen, dem konservativen, dem sozialdemokratischen, dem ökologischen, dem liberalen, dem libertären nun also das Manifest des Demokratismus: Gefühlt eine Inflation. Hier dient der Begriff aber eher dem Marketing. Der Autor, ein junger deutscher Philosoph, versucht die derzeitige Krise der Demokratie durch deren „Verbesserung“ zu überwinden. Zunächst werden die Probleme der Demokratie analysiert. Faszinierend: Die Einführung des Begriffs des moralischen und weltanschaulichen Imperialismus sowie der neutrale Vergleich von Demokratie, Oligarchie und Monarchie. Der Autor erkennt, dass die Stimme eines Wählers, der zu einer Minderheit gehört, letztendlich wirkungslos bleibt. Seine Vorschläge überzeugen aber nicht. Zwar hat die geforderte Trennung bei den Wahlen in Personendirektwahlen für die Exekutive und die Wahl von „politischen Idealen“ einen gewissen Charme, aber wenn bei der Wahl die „Ideale“ gewichtet und hierarchisiert werden, um so einen „Gesamtdurchschnitt der Ideale“ als politischen Maßstab zu ermitteln (das Exekutivpersonal ist daran gebunden), macht es das nicht besser. Ein bisschen Gleichheit/Freiheit ist wie ein bisschen schwanger. „Die Exekutierenden müssen die Geeignetsten sein.“ – „Die Exekutive jedes Fachbereiches bildet einen Rat.“ – „Die gesamte Exekutive einer Gemeinschaft bildet einen Gesamtrat.“ (Lenin lässt grüßen.) „Das Exekutivpersonal wird nicht gewählt, sondern mittels Eignungsprüfung ermittelt.“ – „Ziel der Prüfungen ist die Ermittlung derjenigen Personen, die für die praktische Ausführung der Exekutivämter am besten geeignet sind.“ Spätestens mit den Forderungen, „dass jedem Bürger möglichst uneingeschränkt wissenschaftliche Informationen und Bildungsgüter zur Verfügung zu stellen sind“ und: „Die Wirtschaft hat der Gemeinschaft zu dienen, nicht die Gemeinschaft zu unterwandern“ gibt sich Helios als Etatist zu erkennen. Immerhin ist Sezession mit „deutlich mehr als Stimmenmehrheit“ möglich.


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Ronald K. Haffner

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