24. April 2019

Brand von Notre-Dame und Anschlag in Sri Lanka Keine frohe, sondern blutige Ostern

Die Feuerschrift steht an der Wand

von Vera Lengsfeld

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Bildquelle: Jeanne Emmel / Shutterstock.com Blieb beim Brand unbeschädigt: Pietà von Notre-Dame

Wahrscheinlich werden Historiker Ostern 2019 einmal als ein deutliches Warnsignal des kommenden Weltbürgerkriegs einstufen, das von den Machthabern des Westens genauso konsequent übersehen wurde wie alle Warnzeichen zuvor.

Am 15. und 16. April brannte die Kathedrale Notre-Dame in Paris. Fast gleichzeitig mit dem Brand wurde von der Polizei bekanntgegeben, dass es sich um einen Unfall handeln müsse. Dabei war mit den Untersuchungen zur Brandursache noch nicht einmal begonnen worden. Kurz darauf legte sich die Pariser Staatsanwaltschaft auf einen Kurzschluss fest. Inzwischen konnte man erfahren, dass der Brand an zwei Stellen ausgebrochen war. Zeitgleicher Kurzschluss an zwei Stellen?

Verheerender als der Brand waren die Stellungnahmen der Politiker, allen voran der französische Präsident Emmanuel Macron. Man vermisste von seiner Seite ein „Wort des Mitgefühls für die Katholiken“. Macron hat in seiner Ansprache an die Nation die Wörter „Christen“ und „Katholiken“ strikt vermieden. Juden oder Muslimen hätte man ein Wort des Mitgefühls entgegengebracht, wie der jüngste Anschlag auf eine Moschee in Christchurch wieder einmal bewiesen hat.

Beeindruckend war die spontane Spendenbereitschaft, nicht nur von Milliardären. Aber die Spenden sind mehrheitlich zur Wiedererrichtung eines europäischen Kulturdenkmals gedacht. Nicht bekannt sind Spenden an den Papst oder den zuständigen Bischof von Paris zur Renovierung des sakralen Raumes. Weder der Papst noch der Bischof von Paris hat erklärt, dass sie den Wiederaufbau als eine Aufgabe des europäischen Christentums betrachten. Diese absolute Missachtung der christlichen Wurzeln des Erfolgsmodells Europa führt zu seiner Erosion.

Nach dem Brand lag der Kirchenraum von Notre-Dame in Schutt, Rauch stieg noch auf, nur am Ende des Raumes leuchtete unversehrt, als sei gar nichts gewesen, das goldene Kreuz – ohne Korpus –‍, und bei näherem Hinsehen sah man darunter die Pietà, die den Korpus des Gottessohnes unversehrt in ihren Armen hielt, unbeschädigt von den Flammen, dem Rauch und heruntergefallenen Trümmerstücken. Notre-Dame war den Flammen zum Opfer gefallen und damit auch vieles, was sich mit ihrer Geschichte verband, bis zur Hybris einer Göttin der Vernunft während der Französischen Revolution, aber die wahre Hoffnung, die Gottesmutter mit dem toten Sohn in den Armen und darüber das golden strahlende Kreuz, sind unbeschädigt erhalten geblieben. Dies sollte eine starke Botschaft mit Hoffnung für eine christliche Zukunft sein, aber wird sie auch verstanden?

Daran muss man zweifeln, besonders nachdem Teile des europäischen Meinungsmacherkartells fast sofort eine Kampagne gegen die Spender für den Wiederaufbau begannen. Es wurde für unmoralisch erklärt, ein „Gebäude“ mit viel Geld wieder aufzubauen, wo es doch noch so viel Hunger auf der Welt gebe. Ahnungsloser kann man nicht sein, was die Symbole, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, betrifft. Europa ohne seine spirituellen Wurzeln verkommt zu einem gesichtslosen Machtapparat, der überdies so schlecht von seinen Politikern gemanagt wird, dass sich seine Macht zunehmend darauf konzentriert, seine Bevölkerung zu gängeln. Für die Welt steht Europa nur noch auf tönernen Füßen. Der Tag ist nicht mehr fern, wo unser Kontinent nicht viel mehr sein wird als ein touristisches Disneyland. Die Pietà mit dem Sohn in den Armen und das leuchtende Kreuz darüber als das Bild, das Gott uns Christen hinterlassen hat, wird, so muss man befürchten, nach einer Renovierung von Notre-Dame nicht mehr zu sehen sein. Die Touristenmassen wälzen sich dann durch ein Relikt der einstigen Größe Europas, das seiner Seele beraubt wurde. (Die Zeilen über die Spiritualität von Notre-Dame verdanke ich der Anregung meines Lesers Dr. Dieter Fasen.)

Nachdem viel propagandistische Mühe darauf verwendet wurde, den Brand von Notre-Dame nicht als einen Angriff auf das Christentum erscheinen zu lassen, folgte am Ostersonntag das Blutbad in Sri Lanka. Inzwischen werden über 300 Tote und Hunderte Verletzte gemeldet. Während nach dem Attentat auf eine neuseeländische Moschee aus Solidarität mit den betroffenen Muslimen von der Staatspräsidentin angeregt wurde, einen Tag Kopftuch, das Symbol der Unterdrückung der Frauen und der Unterwerfung, zu tragen, wird im Falle Sri Lankas von maßgeblichen Politikern vermieden, von einem Angriff auf Christen zu sprechen, geschweige denn sich mit der weltweit am meisten verfolgten religiösen Gruppe zu solidarisieren.

Der amerikanische Ex-Präsident Barack Obama und die gegen Präsident Trump gescheiterte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sprechen auf Twitter von „Easter-Whorshippern“. Der deutsche Außenminister Maas, der den Angriff von Christchurch noch als einen „Angriff auf uns alle“ bezeichnete, wenn Menschen wegen ihrer Religion ermordet werden, verurteilt im Falle Sri Lankas die Tat gegen „Betende und Reisende“ aufs Schärfste, mag aber das Wort „Christen“ auch nicht „in die Tasten hauen“. Die Kirchenoberen, die immer schnell bereit sind, sich für die verfolgten Muslime stark zu machen, schweigen oder wollen sich, wie Bischof Bedford-Strohm, der personifizierte Grund, die evangelische Kirche zu verlassen, nicht „die Freude an Ostern“ nehmen lassen.

Und der Papst? Bei seinem Ostersonntagssegen „Urbi et orbi“ verlas er ungerührt seine vorbereitete Rede, in der er wieder die Industriestaaten anprangerte und alles mögliche Leid der Unterdrückten beklagte. Erst danach ging er in einem kurzen Statement auf die Ereignisse in Sri Lanka ein, ohne sie in die weltweite Christenverfolgung angemessen einzuordnen und zu verurteilen. Eine besondere Beunruhigung über das Leid der Katholiken in Sri Lanka war dem Pontifex Maximus jedenfalls nicht anzumerken.

Solange es irgend ging, verschwiegen die deutschen Medien den islamistischen Hintergrund der Attentate. Selbst als schon längst in den angloamerikanischen Medien zu lesen war, dass zwei der Selbstmordattentäter als „Zahran Hashim“ und „Abu Mohammed“ identifiziert wurden, hielten sie daran fest, dass die Hintergründe unklar seien. Die Bereitschaft, die Augen vor den deutlichen Gefahren fest zu verschließen, lässt sich mit der Blindheit der Politiker in den 30er Jahren vergleichen, die nicht sehen wollten, dass Hitler Krieg bedeutet. Dem Einzigen, der das anders sah, Winston Churchill, wurde wegen seiner unablässigen Warnungen Panikmache und Germanophobie vorgeworfen. Als man ihm endlich glaubte, war es fast zu spät. Heute haben Viktor Orbán und Matteo Salvini die Rolle Churchills übernommen und werden ähnlich abqualifiziert.

Wer glaubt, dass Sri Lanka weit ist und uns nicht wirklich berührt, was sich dort abspielt, der sei an den Ostergottesdienst in München erinnert. Beispielhaft für die Mainstream-Medien ist der Bericht auf infranken.de: „Panik bei der Ostervesper: In der St.-Pauls-Pfarrkirche in München hat ein Mann am Samstag für einen Zwischenfall gesorgt. Neun Gottesdienst-Besucher wurden dabei leicht verletzt. Die Polizei hat am Sonntag weitere Details genannt. Ob der Störer wirklich ‚Allahu Akbar‘ gerufen hat, sei noch nicht geklärt.“ Angeblich war es ein „geistig Verwirrter“, der „unverständliche Worte“ gerufen habe. Warum etwas Unverständliches allerdings eine solche Panik hervorrufen konnte, dass es neun Verletzte gab, bleibt ein Geheimnis der Qualitätsjournalisten.

Die Feuerschrift steht unübersehbar an der Wand. Unsere politischen und meinungsmachenden „Eliten“ wollen sie nicht sehen. Wir müssen uns fragen, ob wir uns von ihnen blind machen lassen wollen, oder ob wir etwas gegen das drohende Unheil tun. Jeder muss wissen: Wer schweigt, stimmt zu!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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