08. Januar 2019

Anschlag auf Frank Magnitz Möglichkeiten der Kommentierung

Es wird mehr über die Gesinnung des Opfers gesprochen als über die der Täter

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: photocosmos1 / Shutterstock.com Forderte dazu auf, die AfD zu attackieren: Ralf Stegner

Der AfD-Bundestagsabgeordnete und Bremer Landesvorsitzende Frank Magnitz ist in Bremen von drei Männern angegriffen und bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen worden. Die Täter sollen mit einem Kantholz auf den Politiker eingeprügelt und ihn, als er am Boden lag, gegen den Kopf getreten haben. Es dürfte kaum abwegig sein, von einer Körperverletzung unter Inkaufnahme bleibender Schäden – wenn nicht von einem Mordversuch – zu sprechen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten der Kommentierung. Die sarkastische: Alle Achtung, zu dritt mit einer Schlagwaffe auf einen 66-Jährigen, schade, dass die Heldenfriedhöfe alle schon belegt sind. Die satirische: Der Verfassungsschutz hat bereits einen Mann am Krankenbett. Die realsatirische: Politiker aller linken Parteien verurteilen die Tat (ich empfehle besonders aufgewühlten Linksgrünbunten den guten alten Mescalero-Brief als Lektüre fürs Abklingbecken). Die journalistisch ausgewogene offeriert, wenn auch etwas versteckt, die „Zeit“: „Bremens AfD-Landeschef attackiert“ (stellen Sie sich die Schlagzeile und deren Platzierung vor, wenn drei Neonazis einen Grünen ins Koma gestreckt hätten; dass man das „AfD-Personal attackieren“ müsse, hat Ralf Stegner, SPD, auf Twitter gefordert; das Ausmaß seiner klammheimlichen Freude entzieht sich meiner Kenntnis). Die quietschdummgrün auf Logik machende: „Wer Hass mit Hass bekämpft, lässt am Ende immer den Hass gewinnen“ (so die Twitter-Reaktion Cem Özdemirs); das heißt: Magnitz hat das Gleiche getan wie die Schläger und bekam es in gleicher Münze zurückerstattet.

Dass eine Gesellschaft politisch verroht und intellektuell verkommt, bemerkt man daran, dass nach einer Gewalttat mehr über die Gesinnung des Opfers als über jene der Täter gesprochen wird (komme mir keiner mit: Man weiß doch gar nicht, wer‘s war; wenn‘s die Mafia gewesen sein sollte, fällt automatisch auch die Gesinnung des Opfers weg). Unsere Leitmedien beziehungsweise ‑fossile werden dafür sorgen, dass rasch der Kaftan des Schweigens über den Vorfall gebreitet wird, der, wie wir seit dem Anschlag in Döbeln wissen, am Ende nur der AfD nützt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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