10. August 2018

Muslimische Broschüre über die Stellung der Frau Frauen in Plauen im Islam

Aufklärungsschrift mit weiter Verbreitung

von Jörg Seidel

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Bildquelle: shutterstock Darf unter Umständen auch geschlagen werden: Frau im Islam

Plauen ist aufgewühlt. In der örtlichen Moschee scheint salafistisches Gedankengut gepredigt zu werden. Vor kurzem wurde ein aktives IS-Mitglied verhaftet. Der Fall ging durch die nationale Presse.

Mit der Moschee hatte ich vor Jahren schon zu tun. Die von mir betreuten Syrer gingen dort – wie fast alle Sunniten der Stadt – zum Freitagsgebet. Im heißen Jahr 2015 nahm ich an einem Diskussionskreis, einem Runden Tisch, teil, in dem linke und christliche Plauener, vom Vivere-Verein initiiert, die Flüchtlingskrise diskutierten. Im Arbeitskreis „Religion/Glauben“, dem ich mich angeschlossen hatte, berichteten zwei Frauen von Annäherungsversuchen an die Moschee. Sie wollten mit dem Imam Hamidi sprechen und ihn zu Diskussionen einladen – der Imam zeigte kein Interesse und ihnen – zu ihrem Unverständnis, denn sie kamen doch artig, freundlich, bittend… – die kalte Schulter.

Mit den Syrern diskutierte ich die Frauenfrage intensiv – Köln war in aller Erinnerung, seither war die Stimmung gekippt. Sie brachten mir ein Büchlein aus der Moschee mit, das noch einmal in Erinnerung gerufen werden soll – nach wie vor gilt es als Standardwerk.

„Frauen im Schutz des Islam“. Darin, wurde mir gesagt, sei alles erklärt. Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. In Hinblick auf die Frage der Integrierbarkeit sollte man sich dessen stets bewusst sein! Sie sind weitgehend unantastbar und diskursiv nicht zu erschüttern, weil sie ausschließlich mit dem Autoritätsbeweis (Koran, Sunna, Hadithe), und nicht mit rationalen Argumenten arbeiten. Daher gilt es, dies zur Kenntnis zu nehmen – es ist kein Diskussionsbeitrag.

Eine Diskussion wird mit Menschen dieser Denkweise nicht möglich sein, denn, wie Norbert Bolz einmal schrieb: „Wenn der Dialog beginnt, hat der Liberalismus schon gewonnen. Und dafür haben die Frommen ein untrügliches Gespür.“ – „Wenn sich die Fundamentalisten auf einen ‚Dialog‘ einlassen würden, gäbe es gar keinen Grund mehr für einen Dialog.“ („Das konsumistische Manifest“, Seite 29.) Dass diese Positionen auch bei in Deutschland geborenen, aufgewachsenen, ausgebildeten Muslimen dominant sind, beweist dies ebenso wie die dem Islam genial eingearbeitete Veränderungsresistenz. Sie ist der Religion und dem Koran inhärent und wesenseigen: „Der Islam ist in jeder Hinsicht genau, fehlerlos und deutlich.“

Die Apologie – auch das ein wichtiges Detail – stammt aus Saudi-Arabien. Ich werde sie ausgiebig zitieren, empfehle darüber hinaus aber das eigene Studium; man kann sie unter dem unten angegebenen Link herunterladen.

Der Autor macht aus seiner scholastischen Einstellung kein Hehl und betont gleich zu Beginn, nichts Neues präsentieren zu wollen, sondern lediglich „alles, was ich an Geschriebenem zu diesem Thema finden konnte, zu sammeln“. Seine Suche ging nicht weit: die heiligen Texte und zwei, drei islamische Traktate, aus denen wiederum er alle westlichen Quellen zitiert: Schopenhauer, Gustave Le Bon, Annie Besant, Will Durant… alles kreuz und quer. Mal schreibt er „Lebon“ oder „Le Bond“ und zeigt, dass er keinerlei Ahnung hat und die Autoren gar nicht kennt, und ausgerechnet Annie Besant, die Theosophin, zu zitieren, zeugt auch nicht gerade von Durchblick. Es werden Quellen angeführt, die es nicht gibt, und sogar ein „Sankt Trotolian“ muss herhalten (Tertullian?), ein Heiliger, den es gar nicht gibt – nur auf islamischen Agitprop-Seiten, die just vorliegende Schrift zitieren.

Überhaupt ist das intellektuelle Niveau der Broschüre erschreckend niedrig, sie folgt keiner inneren Methode, enthält zahlreiche logische Widersprüche… man würde sie angewidert weglegen, wenn man nicht wüsste, dass sie den geistigen Zustand eines gewissen Teils der muslimischen Welt widerspiegelt und damit große Wirkung erzielt.

Vorab gilt: Rufe nach „Freiheit der Frau, Unabhängigkeit und gleichen Rechten sind in Gesellschaften und Ländern annehmbar, in denen den Frauen nicht die ihnen zustehenden Rechte gewährt werden“. Es erstaunt den Verfasser also, „derartige Rufe auch aus den islamischen Gesellschaften zu hören“, denn es gibt „kein einziges Gesetz, System oder Regelwerk, das Frauenrechte bereitstellt, enthält oder schützt, wie es derIslam tut“ – auch kein Grundgesetz.

Ein beliebter, wenngleich leicht zu durchschauender Trick in derartigen Debatten ist der nun folgende: Es werden historische Beispiele von Frauenunterdrückung erwähnt – vorislamische Gesellschaften, alte indische, chinesische, römische, griechische, jüdische, christliche Gesellschaften –, überall wurden Frauen unterdrückt, und im Vergleich dazu seien die Offenbarungen Mohammeds ein wahrer Fortschritt. Stillschweigend werden die antiken mit den modernen Gesellschaften gleichgesetzt, dass das Alte Testament etwa ein heute fragwürdiges Frauenbild malt, wird der in dieser fernen Kontinuität stehenden modernen Sozietät nahtlos angerechnet: „Hier werden wir die Rechte, die der Islam den Frauen zugesteht, mit denen vergleichen, die Frauen in anderen Gesellschaftsformen gewährt werden“ (nicht: wurden).

Die Einstellung zur Frau hängt ganz wesentlich von ihrer Rolle und ihrer Situation ab: Tochter, Gattin, Mutter, Witwe… heiratsfähig, Braut, menstruierend, schwanger, stillend… Es war ohne Zweifel ein Fortschritt, als Mohammed den Arabern verbot, ihre ungeliebten neugeborenen Töchter im heißen Sand zu vergraben. Der Muslim – sowohl der Koran als auch die vorliegende Schrift spricht, ohne dass man sich dessen bewusst zu sein scheint, ausschließlich zu Männern – hat seither der jeweiligen Frau mit Nachsicht zu begegnen, ihr „Freundlichkeit, Respekt, Ehre, Würde und Integrität“ zukommen zu lassen. So darf ein männliches Kind gegenüber dem weiblichen nicht bevorzugt werden. Auch „schätzt der Islam die Meinung der Tochter, wenn es um ihre Heirat geht“.

Und um Heirat geht es vor allem. Alles ist bis ins Kleinste durchreglementiert, weshalb die Frau als Gattin besonders ausgiebig behandelt wird. Sie hat das Recht auf eine Brautgabe. Später wird ihr diese negativ verrechnet, wenn sie nur halb so viel erben darf wie ein Mann. Sie darf auch nicht „über alle Maßen misshandelt“ werden. Nur eine Frau, „die Unzucht treibt oder Ehebruch begeht, darf streng behandelt werden, und der Mann darf ihre Brautgabe zurückverlangen“. Rechte und Pflichten, Freiheiten und Gesetze werden hier gern verdreht: „Der Islam vergisst auch die seelischen und emotionalen Rechte der Frauen nicht.“ – „Frauen müssen vom Mann, vor allem vor unsittlichen Menschen, beschützt werden. Sie dürfen keinen Orten des sittlichen Verfalls, Nachtklubs oder ähnlichem ausgesetzt werden.“ Besonders wertgeschätzt wird die Mutter. Die Sorge um die Eltern soll sogar dem Dschihad vorgezogen werden.

Dass das Frauenbild des Islam keinen guten Leumund hat, ist dem Verfasser nicht entgangen. Er widmet sich folglich ausgiebig den „Missverständnissen“. Ganz oben auf der Agenda das Thema „Mehrehe“. Wieder wird der historische Dreh genutzt; es werden polygame Gesellschaften ebenso angeführt wie westliche Denker, die die Notwendigkeit der Vielweiberei begründet haben sollen. Bedingung für eine Mehrehe ist die Gleichbehandlung aller Frauen, sowohl materiell als auch sexuell – der Muslim scheint sich gern als Frauenglück zu sehen –, und die Fähigkeit, einen großen Haushalt zu führen. Wann sollte der Mann über eine Zweit‑/Dritt‑/Viertfrau nachdenken? Erstens: „Wenn eine Frau steril ist und der Ehemann möchte gern Kinder haben; was ist das Beste für eine Frau: geschieden zu werden, ohne dass sie eine Sünde oder ein Verbrechen begangen hätte, oder im Haushalt ihres Gatten gemeinsam mit seiner anderen zu verbleiben?“ Hier scheint die Logik wunderbar durch. Einerseits wird ein schwierig zu akzeptierendes Gegensatzpaar konstruiert – die Möglichkeit einer Mediation oder eines Verzichts wird gar nicht erst erwogen –, andererseits ist die gesamte Argumentation nur sinnvoll in einer Welt, in der eine Scheidung per se als Urschande begriffen wird. Zweitens: „Wenn die Frau unheilbar krank ist und sie kann ihre ehelichen Pflichten nicht erfüllen; was ist in ihrem Fall besser: geschieden zu werden oder dass eine andere Frau hinzukommt?“ Man könnte die Frau ja pflegen – aber das ist (auch) Aufgabe der Neuen… Drittens: „Manche Männer sind sexuell fordernd. Eine Frau könnte nicht in der Lage sein, das erlaubte Verlangen ihres Gatten zu erfüllen. Oder wenn ihre Menstruation oder ihre Wochenbettzeit beträchtlich länger als normal ist, oder sie besitzt kein sexuelles Verlangen, das dem des Gatten entspricht; was ist für beide, Ehemann und Ehefrau, in einem solchen Fall besser? Ist es besser für den Mann, irgendwo anders, außerhalb der Ehe, auf unerlaubte Weise sein sexuelles Verlangen zu befriedigen, oder eine zweite rechtmäßige Frau zu nehmen, die ihn rein hält?“ Erneut wird ein Scheinkonflikt aufgebaut und die zeitweise sexuelle Enthaltsamkeit, die Triebbeherrschung als zivilisatorische Errungenschaft, nicht erwogen – der Mann hat demnach ein Naturrecht auf dauerhafte sexuelle Befriedigung. Viertens: Kriege und Bürgerkriege führen zu Frauenüberschuss. Ein gültiges Argument in kriegsfreudigen Gesellschaften – dies dürfte der eigentliche Grund sein, weshalb der Koran die Vielweiberei ermöglichte. Mohammed führte laut Ibn Ishaq innerhalb von zehn Jahren 27 Feldzüge persönlich an und initiierte 47 Raub- und Eroberungszüge, zudem war die weitere kriegerische Verbreitung des Islam systematisch angelegt. Daraus musste sich ein demographisches Ungleichgewicht ergeben (das im Übrigen durch ausgedehnten Sklavenhandel für Muslime teilweise kompensiert wurde)… Für Mohammeds Zeit, die Jahrhunderte der islamischen Expansion, die zudem die männlichen Gegner vornehmlich töten ließ, mag die Vielehe eine logische Konsequenz gewesen sein. Fünftens: „Eine andere Konsequenz der Kriege ist das Vorhandensein von vielen Witwen, Geschiedenen und alten Jungfern in den Gesellschaften. Was ist für Frauen in ihren Situationen besser: allein zu bleiben und unter Schwierigkeiten des Lebens und seinen fordernden Bedürfnissen zu leiden oder eine Ehe als zweite Frau mit einem ehrlichen, beschützenden, ehrbaren und reinen Ehemann anzunehmen?“

Aus alldem ergibt sich natürlich die Frage der Gleichberechtigung: „Wenn wir die Mehrehe für Männer erlauben, warum ist sie dann nicht auch für Frauen erlaubt? Die Antwort ist folgende: Völlige Gleichheit zwischen Mann und Frau in der Polygamie ist aus natürlichen und körperlichen Gründen nicht möglich, wie wir erläutern werden: Körperlich: In den meisten Gesellschaften der Welt besitzt der Mann die Autorität über den Haushalt. Nur zur Diskussion: Wenn eine Frau zwei oder mehr Ehemänner hätte, wer hätte dann die Autorität und die Führung im Haus? Und wessen Verlangen sollte die Frau erfüllen, das des ersten oder das des zweiten Mannes? Es ist für eine Frau zweifellos unmöglich, all die Begierden, Bedürfnisse und Verlangen der Männer zu erfüllen. Wenn die Frau den einen vor dem anderen bevorzugen würde, wären alle ärgerlich und entsetzt. Natürlich: Eine Frau kann nur einmal im Jahr schwanger werden, wenn überhaupt. Und sie kann nur von einem Mann schwanger werden. Der Mann andererseits kann jedoch von verschiedenen Frauen mehrere Kinder in demselben Jahr bekommen, wenn er mehr als eine Frau hat. Wenn der Frau darüber hinaus erlaubt wäre, mehr als einen Mann zu heiraten, wer wird denn dann im Fall der Schwangerschaft der wirkliche Vater ihres Kindes sein, und wie würde das ermittelt?“

Nach diesen Kapriolen ist die Konklusion wenig überraschend: „Wenn wir fair und gerecht sein wollten, könnten wir sehen, dass die Polygamie im Islam die Frauen beschützt, ehrt, erhält und respektiert. Polygamie ist besser als die westliche Prostitution…“ und der Seitensprung. Daraus entstünden uneheliche Kinder, und das ist die größte vorstellbare Schande.

Aus den natürlichen Gegebenheiten ergibt sich auch das verminderte Recht der Frau, vor Gericht auszusagen. Laut Koran muss eine Straftat von zwei Männern bezeugt sein oder von zwei Frauen und einem Mann, was der Halbierung der Gültigkeit der Frauenaussage gleichkommt. „Göttliche Weisheit gab den Frauen im Allgemeinen sehr sensible Emotionen, sanfte Gefühle, Fürsorge und Liebe. Dies befähigt die Frau zu ihrer natürlichen Aufgabe, Kinder zu bekommen, zu stillen.“ – „Aufgrund dieser emotionalen Eigenschaften der Frau kann sie sehr leicht ihren gefühlsbetonten Eingebungen folgen und von der Wirklichkeit abschweifen, weil sie sich in einen Fall sehr stark hineinversetzt. Die Liebe einer Frau und ihre Gefühle können über sie und das, was sie bezeugt hat, kommen und dadurch die Geschichte ihrer Zeugenaussage und das Zeugnis zerstören. Daher wurde eine göttliche Vorsichtsmaßnahme getroffen, um jegliche emotionale Betroffenheit der Frau, im Falle einer Zeugenaussage in ernsten, kritischen und extrem gefährlichen Fällen, wie Morde, ernste Verbrechen und Angriffe, auszuschließen. Wenn eine Frau bei einem Verbrechen anwesend ist, wenn ein Mord geschieht, dann könnte sie ihre Augen schließen.“ – „Trotzdem akzeptiert der Islam aber die Aussage einer einzelnen Frau, wenn es um die Feststellung der Jungfräulichkeit, die Geburt eines Kindes, die Klärung von weiblichen sexuellen Fehlern oder andere Dinge geht, die aufgrund eines Streits einer Untersuchung der Intimsphäre einer Frau bedürfen.“ Auch macht man sich um die Sicherheit Sorgen: „Ein Ergebnis der Zeugenaussage und Bezeugung können finanzielle und körperliche Lasten sein. Ein Zeuge könnte in manchen Einzelfällen ermordet werden. Der Islam beabsichtigt deshalb, viele dieser Schwierigkeiten, die die Zeugenaussage miteinschließt, den Frauen abzunehmen.“

Abnehmen will der Islam den Frauen auch die Bürde der Verantwortung. „Die finanzielle und moralische Verantwortung eines Haushalts benötigt eine starke Persönlichkeit, Präzision und Entschlossenheit beim Treffen von Entscheidungen, und so weiter. Die Haushaltsangelegenheiten führen, leiten und bewegen ist im Islam die Verantwortung des Mannes, und nicht die der Frau. Die körperliche und geistige Beschaffenheit des Mannes befähigt ihn dazu.“ Umgekehrt sind es die Schwächen der Frau, die sie davon ausschließen: Sie menstruiert – der Islam ist menstruationsbesessen –, sie gebiert, sie stillt, sie ist körperlich schwach, sie ermangelt der Rationalität, sie ist zu emotional, ihr Nervensystem ist anders organisiert, selbst ihr Gewebe ist ein weicheres. „Daher sind Männer von Natur aus schon dazu ausgestattet und qualifiziert, die Rolle des Führers über den Haushalt im Allgemeinen und über die Frauen im Besonderen zu übernehmen.“

Auch das Erbrecht sieht Unterschiede vor: Koran: „Auf einen männlichen Geschlechts kommt gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts“ (4.11). In der islamischen Logik wird das wie folgt erklärt: Der Mann bezahlt ein hohes Brautgeld, hat also bei Eheschluss ein Verlustgeschäft gemacht. Außerdem muss er bei Scheidung für die Kinder Unterstützung zahlen. „Männer und Frauen tragen nämlich im Islam nicht dieselbe finanzielle Verantwortung und Pflicht auf ihren Schultern“ – was man ja verändern könnte – „also wäre es unfair, beiden dasselbe Erbe zukommen zu lassen. Allah nahm jegliche finanzielle Aufregung, Druck, Verantwortung und Pflicht von den Frauen. Zusätzlich ehrte Er die Frau, indem Er ihr das Recht zusprach, alles, was sie braucht, von ihrem Ehemann, Bruder oder Sohn besorgt zu bekommen.“ – „Wenn also nach dem islamischen Gesetz eine Frau nur die Hälfte des Anteils eines Mannes beim Erbe erhält, so ist dies wirklich fair und gerechtfertigt.“ Ein sich selbst bestätigendes System.

Dann gibt es noch ein sogenanntes Blutgeld. „Der Islam schreibt vor, dass das Blutgeld

für den Mord an einer Frau die Hälfte dessen beträgt, was für einen Mann gezahlt wird.“ Eine Art Entschädigung für den Verlust eines Menschen. „In dem Fall einer unabsichtlichen Tötung ist das Blutgeld, das den Erben des Opfers gezahlt wird, halb so viel wie das für die absichtliche Tötung eines Mannes, wegen des Schadens, den die Familie durch den Tod des Mannes erleidet.“ – „Dass daher das Blutgeld für eine Frau die Hälfte dessen ist, das für einen Mann veranschlagt wird, erklärt sich von selbst.“

Diese archaischen Regeln sind für Deutschland im Moment noch wenig relevant. Spannender wird es beim Arbeitsrecht. Die Frau wurde „mit Liebe, Freundlichkeit, Mitgefühl, Fürsorge und Zuneigung begabt, damit sie ihre schwierigen Pflichten mit einem Lächeln im Gesicht und Stolz und Würde erfüllen kann“. Es ist „die natürliche Aufgabe der Frau, die Arbeiten im Haus zu erledigen und im Allgemeinen für seine Bedürfnisse (sic!) Sorge zu tragen.“ – „Der Islam beraubt die Frau aber trotzdem nicht des Rechtes, zu arbeiten. In der Tat erlaubt ja der Islam der Frau, sich persönlich um ihre Geschäftsverträge und finanziellen Transaktionen zu kümmern.“ Sollte sie trotzdem aus unerfindlichen Gründen das Bedürfnis spüren, für den eigenen Unterhalt zu sorgen, so sind folgende Regeln zu beachten: „Die Arbeit der Frau außerhalb des Hauses darf ihren Pflichten und Verantwortlichkeiten ihrem Ehemann und ihren Kindern gegenüber nicht entgegenstehen.“ – „Eine Frau muss zusammen mit anderen Frauen arbeiten. Sie darf nicht in einer Umgebung arbeiten, in der sie in körperlichen Kontakt mit Männern gerät.“ Das bringe nur uneheliche Kinder und damit Katastrophen hervor. Sie muss ihren Körper „anständig bedecken“, darf keine „anziehende, kurze, verführerische Kleidung tragen“, denn es laufen viele „schlecht gesonnene Männer“ mit „natürlichen Bedürfnissen“ herum, die sie dann an diesen Frauen bedauerlicher- aber verständlicherweise befriedigen könnten. „Die Arbeit muss eine erlaubte Tätigkeit sein,die zur Natur der Frau passt.“

Das alles ändert nichts an der Verwunderung: „Warum arbeitet die Frau eigentlich? Wenn die Frau für ihren eigenen Unterhalt arbeitet, so hat der Islam sie doch davor bewahrt“, sprich: Ganz gleich, ob Mutter, Tochter, Witwe, Schwester, Schwägerin… immer verpflichtet der Islam einen Mann, für die Frau zu sorgen.

Die Frau darf auch geschieden werden, aber „die Kraft der Scheidung liegt beim Mann“, der schließlich das Brautgeld bezahlt hat und besser in der „Lage ist, seine Launen, Gefühle und Reaktionen zu kontrollieren“, und also ist es „der natürlichste und logischste Weg, den Mann die Kontrolle über den Scheidungsprozess haben zu lassen“. Hochzeit und Scheidung sind ungültig „ohne einen (männlichen) Vertreter für die Frau“.

Schwierig wird auch das Reisen ohne männliche Begleitung. „Der Islam verbietet der Frau (ob verheiratet oder nicht), allein, ohne die Begleitung eines nahen, nicht zu heiratenden Verwandten als Reisebegleiter zu reisen.“ – „Solch ein Verwandter muss einer von denen sein, die ihr zum Heiraten durch die direkte Blutsverwandtschaft verboten sind.“ Umgekehrt sagte der Prophet auch: „Kein Mann darf das Haus einer Frau betreten, wenn kein männlicher Verwandter im Haus ist.“ Natürlich gibt es dafür auch gute und leicht einsehbare Gründe: „Frauen sind von Natur aus zumindest körperlich schwächer als Männer. Das sind sie aufgrund von Schwangerschaft, Menstruation, Stillen und Kinderbetreuung. Frauen sind auch gefühlsbetonter als Männer. Sie sind leichter geneigt, ihren Gefühlen eher als den Tatsachen zu folgen. Frauen werden ebenfalls leicht von der Umgebung und dem Milieu beeinflusst“, sprich, sie sind leicht verführbar. Daher muss die Frau in einer Welt des Misstrauens vor sich und vor Männern geschützt werden: „Eine Frau stellt für Männer mit schlechten Hintergedanken durch ihre körperliche und emotionale Beschaffenheit ein leichtes Ziel und ein leichtes Opfer dar. Eine Frau benötigt einen Mann, der ihr hilft, ihren Bedarf zu sichern, auf sie aufpasst und die benötigte Fürsorge, Sicherheit und Aufmerksamkeit entgegenbringt, damit sie nicht in Verlegenheit gerät, einen Fremden um Hilfe bitten zu müssen, der dann aus ihren Bedürfnissen einen Vorteil zieht.“ Das würde zwangsläufig zu Strafen führen.

Darf man eine Frau auch schlagen? Die Antwort ist uneindeutig: „Tatsächlich untersagt der Islam das Schlagen der Frauen und warnt ernsthaft davor. Und zwar aus dem Grund, weil die Frau in ihrer körperlichen Beschaffenheit schwächer ist als der Mann.“ – „Obwohl Schlagen verboten ist, erlaubt es der Islam in eingeschränkten und begrenzten Gelegenheiten.“ Es ist wie eine bittere Medizin, die scheußlich schmeckt, aber doch heilt. Zuerst muss die Frau ermahnt und gewarnt werden, dann meidet man das Bett der Frau und hungert sie sexuell aus, und wenn das alles nichts hilft, als „dritte und letzte Stufe: Schlagen ohne zu verletzen, Knochen zu brechen, blaue und schwarze Flecken auf dem Körper zu hinterlassen, und unter allen Umständen vermeiden, ins Gesicht zu treffen.“ – „Diese Behandlung hat sich für zwei Sorten von Frauen als sehr wirkungsvoll erwiesen“: die „kontrollierende und führende Frau“ und „die unterwürfigen Frauen. Diese Frauen genießen es, geschlagen zu werden.“ Das alles freilich nur „in absoluter Privatsphäre“, als „Disziplinierung und Erziehung“, so, wie der Vater dem Sohn einen Klaps gibt oder der Lehrer dem Schüler.

Es sind vor allem diese letzten Zeilen, die vor ein paar Jahren, als man noch einen kritischeren Blick auf den Islam haben durfte, zu Razzien und Beschlagnahmungen in Moscheen, die diese Broschüre verteilten, führten. Heute liegt sie wieder öffentlich aus, und den darin geäußerten Meinungen und Lebensweisen begegnet man in dieser oder jener Form allerorten.

Abdul Rahman Al-Sheha: „Die Stellung der Frau im Islam“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Seidwalk“.


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