28. August 2026

Im Visier, die Waffenkolumne Granatwerfer

Im Gefecht muss es nicht immer Hightech sein

von Andreas Tögel

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Bildquelle: Redaktion Granatwerfer: Mobile Steilfeuerwaffe im Gefecht (KI-generiert)

In Zeiten einer zunehmend computerisierten Kriegsführung, in der sich das Augenmerk von Öffentlichkeit und Rüstungsplanern auf autonom agierende, KI‑gesteuerte Kampfdrohnen, selbst zielsuchende Panzerabwehrraketen, modernste Radartechnologie, Gleitbomben und hochentwickelte Sensortechnik richtet, wird einer zwar einfachen, aber bewährten und, wie sich in vielen Einsätzen gezeigt hat, überaus wirkungsvollen Waffe kaum mehr Beachtung zuteil: dem Granatwerfer, der im Englischen als „Mortar“ (Mörser) bezeichnet wird. Die Vorläufer der in modernen Armeen eingesetzten Waffen hatten 1915, während des Ersten Weltkriegs, auf britischer Seite als „Stokes‑Mortars“ ihr Debüt.

Unter dem Begriff „Mörser“ verstand man in früheren Zeiten schwere Steilfeuer‑Belagerungsgeschütze, die ihre Wirkung hinter feindlichen Mauern und anderen Deckungen entfalten und Festungswerke bombardieren sollten. Während etwa Panzerabwehrkanonen direkt auf das Ziel gerichtet werden und dazu freie Sicht benötigen, bedürfen Steilfeuerwaffen wie Granatwerfer keiner direkten Sicht auf das angepeilte Ziel. Sie können also problemlos hinter Geländeerhebungen oder in einem Wald positioniert werden. Ihr Feuer wird dann von vorgeschobenen Beobachtern dirigiert. Moderne Elektronik unterstützt heutzutage die einst nur mittels Karten, Kompass und Kollimator – einer Optik, die zur exakten Positionierung des Rohres erforderlich ist – bewerkstelligte Ausrichtung der Waffe. Die wichtigste Munitionsart vor Nebel‑ und Leuchtgeschossen sind Sprenggranaten.

Für Kommandoeinsätze stehen leichte Werfer in den Kalibern 40 und 60 Millimeter zur Verfügung, die ohne Bodenplatte und Zweibein auskommen. Ihr Rohr wird direkt auf den Boden aufgesetzt und vom Schützen mit beiden Händen festgehalten. Mittlere Werfer, für die im Westen das Kaliber 81 Millimeter gebräuchlich ist, und schwere Werfer im Kaliber 120 Millimeter bestehen aus drei Hauptkomponenten: Rohr, Bodenplatte und Zweibein. Auf dem Boden des Rohres befindet sich ein feststehender Schlagbolzen, der die Zündung der Treibladungen der von oben ins Rohr geworfenen Granaten bewirkt. Je nach Geschick der aus drei bis vier Mann bestehenden Bedienungsmannschaft sind bei mittleren Werfern bis zu 30 Schuss pro Minute („Burst“) und im Dauerfeuer zwölf Schuss je Minute möglich. Das heißt, dass noch vor dem Einschlag des ersten Geschosses bereits weitere Granaten auf das Ziel unterwegs sind. Der Beobachter gibt der Bedienungsmannschaft anhand der Trefferlage allenfalls korrigierte Zielkoordinaten durch.

Das Gesamtgewicht eines modernen mittleren Systems wie dem Hirtenberger M8 111 liegt bei 45 Kilogramm und seine Reichweite, die mittels Höhenrichtung und variabler Treibladungsmengen gesteuert wird, bei bis zu drei Kilometern. Schwere Werfer können bis zu acht Kilometer weit wirken. Meriten des Granatwerfers sind seine sehr hohe Feuerrate und die infolge des geringen Gewichts gegebene Möglichkeit zu schnellen Stellungswechseln.

Militärhistorische Analysen und medizinische Untersuchungen von Kriegsverletzungen liefern Hinweise auf die Bedeutung von Granatwerfern auf dem Gefechtsfeld. Sie gelten demnach als hochwirksame Explosionswaffen. Eine auf den Ersten Weltkrieg bezogene Studie kommt zum Ergebnis, dass Granatwerfer nach der Artillerie die zweithöchsten Verluste verursachten – nicht etwa Maschinengewehre, wie man glauben könnte. Sie waren ursprünglich dazu gedacht, kleinere „weiche“ Ziele wie MG‑Nester rasch und wirksam zu bekämpfen, was die Artillerie nicht leisten konnte.

Das Gefechtsfeld der Gegenwart, das sich immer weiter in den urbanen Raum verlagert, bietet nach wie vor viele taktische Einsatzmöglichkeiten für Granatwerfer, deren mittlere Kaliber gewöhnlich auf der Bataillonsebene von Infanterieeinheiten eingesetzt werden. Sie liefern die schnellste, mobilste und vielseitigste Möglichkeit zur indirekten Feuerunterstützung auf Kompanie‑ und Bataillonsebene und schließen nach wie vor die Lücke zwischen Handfeuerwaffen und Artillerie.

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 21. August erscheinenden Sep./Okt.-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 263.


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