25. Juni 2026
Identitätspolitik: Genderismus
Der neue Faschismus?
von Burkhard Voß
Was ist Faschismus? Im Kern ein extrem nach dem Führerprinzip organisiertes antiliberales Herrschaftssystem mit dem Ziel der Hegemonie einer Nation oder einer Ethnie.
Die intellektuell angestrichene und modellierte Form heißt Genderismus. Deren Vertreter sind zwar noch keine Führer, spielen sich aber schon mal so auf und vermitteln medial getriggert, dass es zig Geschlechter gibt, und infiltrieren die Sprache mit Gendersternchen, Binnen‑i’s und Unterstrichen. Das sieht dann so aus, als wenn Schimpansen ein Buch finden, von den fremden Wörtern und Buchstaben irritiert und fasziniert zugleich sind und ihre eigenen Primitivzeichen dumm und dreist dazwischensetzen. Sprache ist eine Funktion des Geistes, und so kann man ein kollektives Bewusstsein ummodellieren. Die Herrschaft gehört den Adepten der Regenbogenfahne! Wie im Rausch soll dies Verquere fast schon Staatsreligion werden. Die letzte Bundesregierung unter Olaf Scholz, selbst bekennender intersektionaler Feminist, was immer das auch heißen mag, hatte nichts Besseres zu tun, als erst mal einen Queerbeauftragten einzusetzen, der sich um Probleme kümmert, die mit der Lebenswirklichkeit von weit über 90 Prozent der Bevölkerung nichts zu tun haben. Zehn Prozent der Bevölkerung wollen etwas mit Gewalt durchdrücken, was sich zum gesunden Menschenverstand völlig konträr verhält. Der Genderist fühlt sich überall bedroht, beleidigt und diskriminiert, was fast schon paranoide Züge aufweist. Eigentlich sollte unsere Zivilisation solche antiliberalen Züge überwunden haben. Doch wie eine virale Pandemie werden weite Teile der Bevölkerung neuronal infiziert, ohne dies zu bemerken. Wie in einem rückenmarkgesteuerten Reflex unter Ausschaltung des Großhirns wird die gendergerechte Sprache nachgeäfft. Selbst in medizinischen Fachzeitschriften ist keine Stellenausschreibung vor ihr sicher. Wer die LGBTQ+‑Bewegung kritisiert, kann in den geisteswissenschaftlichen Fächern der Universitäten fast schon seine Karriere vergessen.
In der pluralistischen bis atomistischen Gegenwartsepoche des Westens ist nun eine gedankliche Matrix für eine fast kaninchenartige Vermehrung von Geschlechtsidentitäten gelegt worden.
Zu behaupten, es gebe mehr als 15 oder gar 66 Geschlechter, ist ungefähr so, als würde man behaupten, die Sonne würde sich um die Erde drehen. Darüber hinaus bietet die Gendertheorie die Möglichkeit, Kunstprobleme zu schaffen. Beispiel Transsexualismus. Nur jeder Tausendste ist hiervon betroffen. Blättert man aber in den auflagenstärksten Zeitungen, so gewinnt man rasch den Eindruck, dass ein Transmensch an jeder Ecke lauert und man sich gut vorbereiten sollte, auf seine speziellen Empfindsamkeiten empathisch einzugehen. Transsexualismus heißt, einfach formuliert, dass ein Mann der Überzeugung ist, eine Frau zu sein, und umgekehrt. Während Homosexualität eine Häufigkeit von eins bis zwei Prozent hat, liegt diese bei Transsexualität bei eins bis zwei Promille. Trotzdem gibt es in der westlichen Welt einen regelrechten Run auf Spezialambulanzen für Transsexualismus. Beispiel London: Die dortige Spezialambulanz (Travistock‑Klinik) befasste sich 2010 mit 94 Kindern und Jugendlichen, die meinten, im falschen biologischen Geschlecht zu stecken. 2018 waren es über 2.500. Natürlich hat die reißerische Berichterstattung in den Medien zum Thema Transsexualismus hiermit nichts zu tun. In den letzten 15 Jahren ist in Schweden die Anzahl der 13‑ bis 17‑jährigen Mädchen, die eine Geschlechtsumwandlung anstreben, um 1.500 Prozent gestiegen. Um Klarheit in dieses Geschlechterwirrwarr zu bringen, brauchen pubertierende Zeit. Die nötige Bedenkzeit kann pharmakologisch erreicht werden. Dann schlucken Jugendliche eben Pubertätsblocker. 2014 taten dies in Deutschland 125, 2019 waren es schon 275. Gleiche Tendenz wie in den USA.
Ein medial getriggerter Faschismus der Minderheiten bahnt sich seinen Lauf. Für die Demokratie hat dies katastrophale Folgen.
Jedes Mini‑Mini‑Problem wird in der Woke‑Kultur zu einer gesamtgesellschaftlich existentiellen Frage aufgeblasen. Jedes Duftmolekül, von dem nur minimale Schwingungen von Diskriminierung ausgehen, kann zu einer fast schon faschistoid anmutenden Politisierbarkeit werden. Ab sofort wird eine einfache Metzgerei zu einer Metzgerei zum toten Veganer.
Das Mantra der Unterschiedslosigkeit hat einen nicht unerheblichen Vorlauf von ungefähr 240 Jahren. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, so schallte es 1789 durch die Pariser Gassen. Das klappte schon damals nicht, denn Freiheit und Gleichheit sind kategorisch unvereinbar. Wenn alle Menschen nicht nur die gleichen Rechte haben, sondern auch die gleichen Fähigkeiten und Bedürfnisse, sind sie nicht mehr frei. Wenn alle ihre individuellen Anlagen, Bedürfnisse und Interessen ausleben, dann sind sie nicht mehr gleich. Die herrschende Doktrin soll aber in Richtung Gleichheit führen. Angesichts des unlogischen Fundaments eine wahrlich fixe Idee. Hegels Satz „Und wenn eine Theorie mit der Realität nicht übereinstimmt, umso schlimmer für die Realität“ drängt sich da förmlich auf. Überhaupt, was interessieren schon Realitäten?
Das Ganze funktioniert deswegen so gut, weil es uns im globalen Vergleich so gut geht. Es gibt letztlich keine existenziellen Probleme mehr in der westlichen Welt. Die herrschenden Themen sind beispielsweise, ob ein Kabarettist einen bestimmten Joke machen darf oder nicht, oder ob ein Weißer über die Probleme von Menschen mit schwarzer Hautfarbe schreiben darf. Ob das Wort „Mohr“ noch benutzt werden darf oder man entsprechende Straßen oder Plätze umbenennen sollte.
Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ hat gerade erst begonnen…
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