22. März 2026
Fragenkatalog der „Süddeutschen Zeitung“: Fürstin Gloria im Verhör
Dokument der Zeitgeschichte mit Vorbemerkung von Michael Klonovsky
von Redaktion eigentümlich frei
Wir danken Gloria von Thurn und Taxis für die erstmalige Genehmigung zur Veröffentlichung der Vernehmung in voller Länge und dem Journalisten Michael Klonovsky für Vermittlung und Vorbemerkung.
Unenteignet und beschäftigt fand Gloria von Thurn und Taxis bedauerlicherweise keine Muße, um die Anklagevertreterin der „Süddeutschen Zeitung“ zum persönlichen Verhör zu empfangen. Also bat die Umstrittene die Abgesandte der Herzensreinen, ihr die Fragen doch schriftlich zukommen zu lassen. Daraufhin traf ein üppiger Vernehmungskatalog im selbsternannten Schloss ein. Natürlich fand, von ein, zwei Halbsätzen abgesehen, keine der störenden Antworten Eingang in den womöglich längst vorformulierten Artikel. Da dieser Fragenkatalog allerdings ein Dokument der Zeitgeschichte ist, sei er hier mit den Antworten der seit 1918 abgeschafften Fürstin veröffentlicht.
Wie werden Sie von Ihrem Personal angesprochen?
Durchlaucht.
Wie möchten Sie von Bürgern beziehungsweise Fremden angesprochen werden? Ist es egal, ob mit oder ohne Durchlaucht?
Von fremden Leuten gerne mit Frau Fürstin, von Freunden mit Vornamen.
Wie viel Bedienstete haben Sie auf Schloss Emmeram für Ihren persönlichen Unterhalt, also etwa Köche, Kellner?
Gerne hätte ich mehr Hilfe, aber ich habe nur eine Haushälterin, die alles macht.
Was macht den Adel heute noch aus?
Er ist wie eine seltene, vom Aussterben bedrohte Tierart. Da wir mit unserem Stammbaum sehr tief in den Boden der Geschichte reichen, verkörpern wir auch die lebendige Tradition. Und natürlich ist der Hochadel internationaler als jede andere Bevölkerungsgruppe.
Welche Funktion hat der Adel für Sie in der Gesellschaft?
Der Adel ist im Sinne einer gesellschaftlichen Funktion nichts Besonderes mehr. Wir müssen arbeiten wie alle anderen auch. Dem Adel waren allerdings die guten Sitten über Generationen hinweg zur zweiten Natur geworden. Das Gleiche gilt für die Ästhetisierung des Alltags – fast alle Adelshäuser haben in großem Stil gebaut und die Künste gefördert. Das verpflichtet bis heute.
Warum sind Benimmregeln so wichtig?
Der tägliche Umgang der Menschen miteinander ist eine heikle Sache, es gibt viele Gelegenheiten, sich misszuverstehen oder seine Aggressionen loszuwerden. Wenn ein rostiges Schloss hakt und klemmt und der Schlüssel darin nicht vorankommt, träufelt man Öl hinein. Die Manieren und die Höflichkeit sind gewissermaßen das Öl, das man in dieses Schloss träufelt, damit der Schlüssel besser läuft.
Widerspricht es nicht den Benimmregeln, etwa öffentlich über „Schnackseln“ zu sprechen oder über das Sexspielzeug, das bei einem Freund im Koffer gefunden wurde?
Es ist sicherlich etwas unschicklich und nicht gerade vornehm, da haben Sie recht. „Wir sind allzumal fehlbare Menschen“, sagt der alte Konsul in den „Buddenbrooks“. Andererseits war der Adel immer recht locker in solchen Dingen. Die Sorge des Bürgers, der sich zwanghaft vom einfachen Volk abgrenzen musste, damit er nicht mit ihm verwechselt wird, hatten wir ja nie.
Sie werden als jemand beschrieben, der sagt, was er denkt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, wie das in der Gesellschaft ankommt, der auch gerne einen Witz macht, der auf Kosten anderer geht. Wie passt das mit gesellschaftlichen Benimm-Regeln zusammen?
Witze auf Kosten anderer mache ich eigentlich nicht, eher über mich selber. Die vorlaute Art ist jedenfalls nicht vornehm. Aber wenn es lustig ist, kann man sie vielleicht mal durchgehen lassen.
Schlossführung (um meine Führung, bei der weniger die persönliche Nutzung im Mittelpunkt stand, komplett zu machen): Wie nutzen Sie das Esszimmer?
Kaum, wir essen in der Küche.
Verbrachten Sie dort den Abend mit Freunden, unter anderem Alice Weidel, während des Konzerts von Vicky Leandros?
Nein, wir waren im Gewölbe.
Was gab es zu essen?
Schnitzel mit Kartoffelbrei.
Ist es richtig, dass die Abendveranstaltung zum Spendensammeln für Herrn Maaßen in der Notstandsküche stattfand?
Das war im ehemaligen Refektorium der Benediktinermönche, heute werden dort die Bedürftigen verpflegt. Herr Maaßen ist sozial erledigt worden, weil er das politisch erwünschte Kanzlerinnen-Märchen von den Hetzjagden in Chemnitz nicht bestätigen wollte. In einem gewissen Sinne war er also ebenfalls ein Bedürftiger.
Wir haben im Schloss eine Art „Eckkapelle“ bei den Prunkräumen gesehen und die Gruftkapelle. Welche Kapelle nutzen Sie?
Mal die eine, mal die andere. Auch der fromme Katholik erfreut sich an einer gewissen Abwechslung.
Wie nutzen Sie privat den Ballsaal und das Silber- oder Spielzimmer (gelbe Zimmer)?
So gut wie gar nicht, nur wenn es große Familienfeiern zu Jubiläen gibt.
Bei welcher Gelegenheit saßen Sie auf dem „Thron“?
Da sitze ich nie. Warum auch?
Inwiefern sind Sie ein Kind von Flüchtlingen?
Mein Vater floh mit seinen Geschwistern und Mutter vor den herannahenden Russen nach Westen. Sein Vater war im Krieg gefallen. Meine Mutter musste zehn Jahre später vor den Kommunisten aus Ungarn fliehen. Durch die Enteignungen in der sowjetischen Zone hat meine Familie ihren gesamten Besitz verloren.
Wie hat das Ihren Blick auf Geflüchtete geprägt?
Ich habe daraus gelernt, dass Menschen, die einzig durch Flucht ihr Leben retten konnten, Unterstützung verdienen. Allerdings nur, wenn sie sich an einem anderen Ort durch Arbeit ein neues Leben aufbauen und ihre Rechnungen selbst bezahlen wollen. Ich habe außerdem daraus gelernt, dass man im Interesse der wirklichen Flüchtlinge all diejenigen, die bloß von sich behaupten, Flüchtlinge zu sein, tatsächlich aber ihr neues Gastland nur ausnutzen wollen und sich dort sogar an einheimischen Frauen vergehen oder anders straffällig werden, abschieben muss. Ein Flüchtling ist ein Mensch, der vor einem Krieg oder einer anderen Bedrohung dorthin flieht, wo er verschont bleibt. Jemand, der mehrere Grenzen überquert und mehrere Länder hinter sich lässt, um dorthin zu gelangen, wo er die meiste Sozialhilfe bekommt, ist kein Flüchtling mehr. Und wer im Aufnahmeland seine Sitten und seinen Glauben aggressiv durchsetzen will, erst recht nicht.
Wenn Sie selbst das Schicksal von Geflüchteten kennen, wieso nennen Sie dann die Aufnahme von Geflüchteten den „Vorboten eines Dritten Weltkriegs“?
Dieser Krieg könnte ein an immer neuen Orten aufflammender Bürgerkrieg sein. Enzensberger sprach mal vom „molekularen Bürgerkrieg“, ich meine etwas in der Art. Die Vorzeichen sind überall erkennbar. Die Ursache ist die verantwortungslose Migrationspolitik in den Ländern des Westens. Menschen mit unvereinbaren Auffassungen über die Art, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte, lassen sich nicht beliebig zusammenwürfeln. Es wird Konflikte geben, und diese Konflikte werden sowohl soziale als auch ethnische Gründe haben. Dann wird der Modus des Zusammenlebens tatsächlich täglich neu ausgehandelt. Ich bin für eine kontrollierte Immigration aus allen Kulturen. Wenn die Migration weiterläuft wie derzeit, stimme ich Donald Trump zu, der vor der UN sagte: „Die Migration wird der Tod Westeuropas sein – eure Länder fahren zur Hölle.“
Sie sprechen davon, dass Ihre Spielkameraden in Togo und Somalia in Armut gelebt haben ohne Spielsachen und als Zuhause eine kleine Hütte hatten. Wie haben Sie gelebt? (Gloria von Thurn und Taxis verbrachte als Kind mit ihrer Familie mehrere Jahre in Afrika.)
Wir hatten einen kleinen Bungalow mit Garten.
Ihr Vater war Journalist. Für welches Medium hat er gearbeitet und in welcher Funktion?
Er war bei der Deutschen Welle in Afrika, er hat den Sender mit aufgebaut.
Welchen Stellenwert messen Sie dem Journalismus in der Gesellschaft zu?
Die Vierte Gewalt ist zur Kontrolle der Macht enorm wichtig! Das macht ihr Fehlen in Deutschland so bedauerlich. Die meisten Medien, die noch nicht direkt vom Staat finanziert werden, suchen ja ihr Heil in der Oppositionsbekämpfung. Ich kann das verstehen, man hofft eben darauf, eines Tages auch öffentlich-rechtlich zu werden. Denn die Leser laufen ja in Scharen zu den alternativen Medien über.
Sie sagten, Ihre Familie sei verarmt gewesen. In was für einem Haus lebten Sie? Hatten Sie Angestellte?
Wir haben zur Miete gewohnt, und Mitte der 1970er hat mein Vater ein kleines Fertighaus gebaut, am Rande von Adendorf bei Bonn.
Es ist davon die Rede, dass Sie im Schloss Willebadessen ihre Jugend verbracht haben, später gingen Sie auf ein Privatgymnasium. Wie kann sich das eine verarmte Familie leisten?
Meine Tante und mein Onkel lebten mit ihren vier Kindern in Willebadessen, sie haben mich aufgenommen, weil das Stadtleben in München mir nicht gutgetan hat. Das Privatgymnasium war nur ein kurzes Gastspiel.
Es ist zu lesen, dass Sie mittlere Reife haben, aber auch, dass Sie ein Privatstudium der BWL anfingen. Welche Ausbildung haben Sie?
Mittlere Reife. Das Studium habe ich begonnen, als ich gegen das alte Management, das sich wie ein Parasit festgesetzt hatte, um das Haus Thurn und Taxis kämpfen musste. Ich konnte es nicht fortsetzen, weil ich mich danach um die Sanierung des Unternehmens kümmern musste.
Wie wichtig war in Ihrer Erziehung die Etikette, die eine Adelsfamilie einhalten muss?
Wir haben gelernt, uns sowohl auf dem Parkett als auch auf Linoleum angemessen zu bewegen.
Können Sie ein oder zwei Beispiele nennen, was Sie beachten mussten als Kind einer Hochadels-Familie?
Uns ist mit Nachdruck beigebracht worden, dass wir alle Menschen gleich höflich zu behandeln haben. Zum Beispiel die Menschen, denen wir auf der Straße begegnen, zuerst zu grüßen. Mein Mann sagte immer zu mir: Wir müssen uns besonders gut benehmen, weil auf uns besonders geschaut wird.
Wie fanden Sie das als Kind?
Ich fand das okay.
Wie und wann haben Sie Johannes von Thurn und Taxis kennengelernt?
Im Café Reitschule in München. Lang ist’s her.
Als Sie 1980 geheiratet haben, waren Sie laut Berichten im dritten Monat schwanger. Wie ist das mit Ihrem katholischen Glauben zu vereinbaren?
Nicht sehr gut. Wir sind allzumal fehlbare Sünder.
Es ist immer von Ihren wilden „Punk“-Jahren die Rede, sie selbst haben offen über Ihren Drogenkonsum gesprochen. Was war die beste Party und warum?
Am schönsten war LSD im Freien beim Grillen in einer kalten Vollmondnacht.
Welche Prominente und Rockstars nennen oder nannten Sie Ihre Freunde, zu lesen ist von Mick Jagger und Andy Warhol, können Sie noch ein paar mehr nennen?
Ich bin in den USA vielen Prominenten und Rockstars begegnet. Befreundet war ich zum Beispiel mit Michael Jackson und Prince.
Ist es richtig, dass Sie das gesamte Vermögen des Adelshauses Thurn und Taxis verwalten?
Nein.
Ist es richtig, dass Ihr persönliches Vermögen circa drei Milliarden Euro umfasst?
Oh, das wäre schön, dann müssten wir uns keine Sorgen mehr machen. Mit dem Vermögen ist das so seine Sache, es liegt ja nicht im Safe, sondern steckt in Immobilien, Wäldern und so weiter, und wenn man es nicht aufwändig pflegt, ist es schnell futsch. Aber wenn wir alle Wälder verkaufen würden unter der Maßgabe, dass die Grünen dort Windräder aufstellen und wir die Subventionen kassieren, dann wäre ich vielleicht eine richtige Milliardärin.
Wie groß ist das gesamte Familienvermögen?
Schwer zu sagen, denn die Schlösser sind unveräußerlich und kosten, haben also negativen Wert. Der Wald ist durch den Klimawandel so geschädigt, dass nur noch jeder zweite gefällte Baum nutzbar ist. Ich bestreite übrigens nicht den Klimawandel, sondern lediglich, dass er ausschließlich oder vorrangig menschengemacht ist. Die Bewertung ist also die Hälfte von dem, was es einmal war. Die Zeiten werden vorerst nicht besser. Das Einkommen geht zu 90 Prozent für die Pflege und die Erhaltung der Schlösser drauf.
Ist es richtig, dass Thurn und Taxis der größte private Grundbesitzer Deutschlands ist?
Das war vor 40 Jahren. Wer heute der größte ist? Vielleicht SAP?
Ist es richtig, dass der Familie Thurn und Taxis circa 20.000 Hektar gehören?
Es ist ein bisschen weniger.
Ist es richtig, dass sechs Schlösser im Besitz der Familie sind?
Gott sei Dank sind es nur drei.
Schloss Thiergarten ist möglicherweise von einer Antifa-Gruppe niedergebrannt worden. Wie bewerten Sie diese Tat, falls es sich als richtig herausstellt, dass es sich um eine Antifa-Gruppe handelt? [Als diese Frage gestellt wurde, war man allgemein der Ansicht, dass das Schloss durch einen Anschlag der Antifa zerstört wurde, weil auch ein Bekennerschreiben vorlag.]
Wie würden Sie es denn bewerten, wenn jemand Ihr Haus niederbrennt, weil er anderer politischer Ansicht ist als Sie? Hätten Sie Verständnis? Die Steigerung wäre ja nur noch, dass man jemanden aus demselben Grund umbringt. Ich verstehe nicht, dass ausgerechnet ich als Feindbild auserkoren bin, aber viele Menschen brauchen leider Gottes offenbar Feindbilder.
Das Caterer-Unternehmen der Schlossfestspiele hat nach jahrelanger Zusammenarbeit diese nicht verlängert. Dies soll damit zusammenhängen, dass Sie Alice Weidel als Gast eingeladen hatten. Ihren eigenen Angaben zufolge soll auch Odeon darauf hingewiesen haben, dass die Zusammenarbeit mit Künstlern in der Zukunft erschwert werden könnte durch ähnliche Gäste aus rechtspopulistischen Kreisen, auch BMW ist als Sponsor ausgestiegen, immer wieder wird vor Ihrem Schloss protestiert. Welche Wirkung hat diese Kritik auf Sie?
Ich finde das sehr bedauerlich, aber als toleranter Mensch muss man auch mal Opfer bringen können. Der Opportunismus ist eben eine deutsche Krankheit. Aber eine Toleranz, die nichts kostet oder sich in großer Entfernung vom Problem spreizt, wäre ja nicht besonders eindrucksvoll.
Bestärkt Sie diese noch in Ihrem Tun nach dem Motto „jetzt erst recht, ich lasse mir nichts verbieten“ oder ist da manchmal auch ein leiser Zweifel an Ihrem eigenen Verhalten?
„Jetzt erst recht“ wäre kindisch, aber Kontaktschuld gibt es bei mir nicht. Warum sollte ich mich nicht mit der Vorsitzenden der nach Umfragen stärksten demokratischen Partei im Land treffen?
Der letzte Auftritt in einer Talkshow ist meinen Recherchen zufolge vier Jahre her bei „drei nach neun“. Warum, glauben Sie, werden Sie nicht mehr eingeladen?
Weil ich ein zu loses Mundwerk habe und nicht kontrollierbar bin. Die deutsche Talkshow will doch den Konsens herstellen, mindestens den Konsens gegen einen anwesenden Bösen. Für diese Rolle bin ich wohl immer noch zu schillernd. Also ungeeignet.
Für Ihre Äußerungen bei Friedman zum Afrikaner, der gerne „schnackselt“, haben Sie sich entschuldigt. Und überlegt, nicht mehr in Talkshows zu gehen. Sie gingen dann doch noch einige Male und lösten mit Ihren Aussagen mehrmals Kontroversen aus, wiederholten Ihre These vom Afrikaner, der viel „schnackselt“, weil es so warm ist, einige Jahre später sogar wieder. Inwiefern war die Entschuldigung ernst gemeint?
Es gab Leute, die sich durch die Aussage gekränkt gefühlt haben, denen galt meine Bitte um Entschuldigung. Wiederholt habe ich die Aussage nicht. Und so schlimm war sie nun auch wieder nicht. Ich habe Umgang mit vielen Schwarzen – ich bin jedes Jahr mehrere Wochen in Afrika –, und keiner von ihnen fand diese Bemerkung anstößig. Das ist ein deutsches Phänomen.
Welche Lehren haben Sie aus der Reaktion auf Ihre Äußerungen bei Friedman gezogen?
Dass man im öffentlichen Raum extrem aufpassen muss, was man sagt. Dieser Auftritt hat mein Leben quasi in zwei Teile zerbrochen, davor war ich der Mediendarling und die schillernde „Punk-Prinzessin“, danach plötzlich eine Umstrittene. Aber ich kann dem Umstrittensein etwas abgewinnen. Die Umstrittenen sind selten langweilig.
Sie sind oft bei „Nius“ und anderen als rechtspopulistisch geltenden Medien. Was ist Ihr Anreiz, sich dort zu Politik und Gesellschaft zu äußern?
Ich spreche gerade mit der „Süddeutschen Zeitung“. Sie sehen also, dass mir es egal ist, ob ich mich bei sogenannten Rechtspopulisten oder bei Linkspopulisten äußere. Wer mich höflich fragt, bekommt eine Antwort. Das gehört sich so.
Sie haben weder Politik noch Soziologie studiert, inwiefern fühlen Sie sich kompetent, Fragen im Bereich von Politik und gesellschaftlicher Entwicklung zu beantworten?
Äußern sich in der „Süddeutschen“ nur Menschen zu politischen und gesellschaftlichen Fragen, die Politik oder Soziologie studiert haben? Wahrscheinlich hätten Sie dann keine Leser mehr. Ich bin zunächst eine einfache Stimme aus dem Volk, außerdem eine Unternehmerin, zuletzt eine Adlige, die in der ganzen Welt herumgekommen ist und viele Bekannte in den sogenannten Eliten hat, das reicht doch. In einer Demokratie sollte sich jeder über Politik äußern. In einer freien Gesellschaft sollte jeder über den Zustand dieser Gesellschaft mitreden dürfen.
In einem Interview mit dem RPP-Institut über Ihr neues Buch stellen Sie die These auf, dass die jetzige Politik offenbar nicht wolle, „dass die autochthone Gesellschaft sich vermehrt“. Vielmehr setze die Politik darauf, dass „die, die von außen kommen“, sich vermehren. Sie stellen die Frage: „Hat man was gegen die eigene Bevölkerung? Soll die eigene Bevölkerung sich nicht vermehren?“ Und stellen daraufhin die Forderung auf: „Unsere eigene Art sollte man doch erhalten. So schlecht sind die doch gar nicht, die Deutschen oder die Germanen oder die Kaukasier.“ Diese Äußerungen legen nahe, dass Sie einen Volksbegriff vertreten, den auch die AfD vorweist und der laut Verfassungsschutz als rassistisch gilt. Ihr Volksbegriff scheint zu beinhalten, dass derjenige zum Volk gehört, der eine gewisse biologische Abstammung (Deutsche, Germanen, Kaukasier) hat und nicht derjenige, der einfach einen deutschen Pass hat. Dies ist etwa ein Grund, warum Ihnen Rassismus vorgeworfen wird. Können Sie diesen Gedanken nachvollziehen? Warum nicht?
Die Sache ist eigentlich simpel: Im rechtlichen Sinne ist Deutscher, wer einen deutschen Pass hat. Das sind die Staatsbürger beziehungsweise das Staatsvolk. Es gibt allerdings noch ein ethnisch-kulturelles deutsches Volk als Abstammungsgemeinschaft, und das ist der größte Teil des deutschen Staatsvolkes. Diese Gruppe nannte man mal scherzhaft Bio-Deutsche, aber auch dieser Begriff steht inzwischen auf dem Index. Die Unterscheidung zwischen Volk und Staatsvolk ist international üblich, auch unter den Politikwissenschaftlern, von denen Sie eben sprachen. Fragen Sie mal einen Israeli, ob es ein ethnisches jüdisches Volk gibt, oder einen Türken oder einen Japaner. Ausschließlich in Deutschland ist diese Tatsache verpönt und wird vom Verfassungsschutz verfolgt, einer Behörde, die es in einem freien demokratischen Land gar nicht geben dürfte. Und genau das könnte man als Indiz dafür nehmen, was ich oben sagte, nämlich dass offenbar ein Interesse daran besteht, dass dieses deutsche Volk sich nicht mehr vermehrt. Warum werden wir sonst täglich mit der Forderung bombardiert, Deutschland möge „bunter“ und „vielfältiger“ werden? „Bunter“ meint in diesem Zusammenhang doch nun ausdrücklich: nicht ethnisch deutsch. Wenn die Unterscheidung zwischen Staatsvolk und ethnischem Volk rassistisch wäre, dann wäre die sächsische Landesverfassung rassistisch, denn die unterscheidet zwischen ethnischen Sorben und ethnischen Deutschen. Dann könnte es auch keine deutschen Minderheiten im Ausland geben. Wenn das Bundesministerium des Innern erklärt: „Heute leben etwa 8.000 usbekische Staatsbürger deutscher Volkszugehörigkeit in Usbekistan“, dann müsste der Verfassungsschutz das Innenministerium überwachen. Oder nehmen wir die Fußballspieler Özil und Gündoğan, beide spielten für die deutsche Nationalmannschaft, aber sie überreichen dem türkischen Präsidenten Erdoğan ein Trikot mit der Aufschrift „Für meinen Präsidenten“. Deutsche Nationalspieler empfinden sich als Türken – ein klarer Fall für den Verfassungsschutz, oder was meinen Sie?
In selbigem Interview sagen Sie weiterhin, dass nur Linken jedes Mittel recht ist, „auch Mord, auch Totschlag“, um den „Kulturkrieg“ zu gewinnen. „Das würden Sie bei Rechten nie finden“. Die Fälle von rechtsextremistisch motivierter Gewalt sind in Deutschland aber viel höher als die Fälle linksextremistischer Gewalt. Wie kommen Sie dann zu Ihrer Aussage?
Ich kenne keine rechtsextreme Hammerbande, die versucht, Linken den Schädel einzuschlagen. Ich kenne keine rechten Maikrawalle. Ich habe noch nie von Rechten gehört, die Anschläge auf die Bahn verüben. Ich weiß, dass sich Linke, Grüne und SPD überall versammeln und tagen können, ohne dass rechte Aktivisten es zu verhindern suchen oder die Veranstalter einschüchtern – bei der AfD ist das regelmäßig der Fall. Wäre ich links, würde niemand meine Schlossfestspiele boykottieren wollen. Irgendetwas scheint an dieser Statistik nicht ganz zu stimmen.
Weiterhin sagen Sie zu dem gleichen Punkt, dass „(linke) Extremisten der SA und der SS ähnlicher werden und das, obwohl sie behaupten, die anderen seien die Nazis. Fällt Ihnen nicht auf, dass das, wie sie sich benehmen, das, was sie auf der Straße anrichten, dass das an dunkelste Zeiten der deutschen Geschichte erinnert?“ Können Sie nachvollziehen, dass solche Aussagen als Verharmlosung der NS-Verbrechen interpretiert werden? Falls nein: Warum nicht? Falls ja: Warum?
Merkwürdigerweise findet niemand, es sei Verharmlosung der NS-Zeit, wenn ständig Rechte, Konservative, sogar Libertäre und vor allem natürlich AfD-Politiker als „Nazis“ verunglimpft werden. Ich wäre bereit, verbal abzurüsten, wenn die andere Seite es auch tut. Denn nach meiner Wahrnehmung haben die Linken damit angefangen.
Sie sagen weiterhin, dass die Familienform aus Vater, Mutter, Kind „die natürlichste Keimzelle“ darstelle. Inwiefern ist eine homosexuelle Beziehung oder auch eine homosexuelle Familie, also etwa zwei Väter, die ein Kind adoptieren und großziehen, nicht natürlich?
Jedes Kind hat eine Mutter und einen Vater. Jedes Kind. Das ist natürlich. Ich werte die homosexuelle Beziehung nicht ab, jeder soll leben, wie er mag, aber ich bevorzuge die traditionelle Familie.
Inwiefern wertet es eine homosexuelle Verbindung nicht ab, wenn sie als unnatürlich und von Gott nicht gewollt bezeichnet wird?
Ich habe keine Ahnung, wen Sie da zitieren, aber ich schlage vor, Sie fragen mal unter Muslimen, was die davon halten. Oder fänden Sie das islamophob?
Sie sprechen von den „bösen Herrschenden“, die die Menschen isolieren und ihnen Angst machen wollen. Wer sind diese „bösen Herrschenden“? Gehören sie der Politik an oder der Wirtschaft, agieren sie national oder international?
Das sind so unpräzise Worte, wie sie einem mal unterlaufen, wenn man versucht, sich plakativ auszudrücken. Dass bei uns die Regierenden die rechte Opposition böse behandeln, werden Sie wohl kaum bestreiten wollen, oder? Interessen, die den eigenen zuwiderlaufen und die Macht auf ihrer Seite haben, werden eben oft als böse empfunden.
Können Sie nachvollziehen, dass die Erzählung von „bösen Herrschenden“, die versuchen, die Menschen zu kontrollieren, für viele vor dem Hintergrund der Erzählung des alles kontrollierenden jüdischen Großkapitals einen antisemitischen Beigeschmack hat?
Nein. Wer so etwas behauptet, bedient entweder selber antisemitische Stereotype oder verfolgt politische Interessen. Es gibt globalistische Eliten, die Ziele verfolgen, die den Interessen der Nationen und vieler einfachen Menschen widersprechen. Aber wer behauptet, dass diese Eliten „die Juden“ seien, ist entweder tatsächlich ein Antisemit oder hat einfach einen Knall.
Sie beschreiben die linke Ideologie, dass divers im Sexuellen verwendet wird. Aber wenn man die Unterschiedlichkeit der Menschen außerhalb des Sexuellen feiere wie Sie, dann gelte das als rassistisch. Damit würde „alles vom Boden auf den Kopf gedreht. Und das trägt die Handschrift des Satans.“ Inwiefern sehen Sie in der Politik Anzeichen dafür, dass der Teufel im Spiel ist?
Das ist ein weites Feld. Der Teufel, Diabolos, ist ja der Verwirrer und Durcheinanderwerfer. Wer behauptet, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gibt oder dass Männer Kinder gebären können oder dass Minderjährige sich vom Jungen zum Mädchen umoperieren lassen dürfen, handelt diabolisch. Wenn Männer sich per Sprechakt zur Frau erklären können und dann Zutritt zum Frauensport oder in die Damensauna bekommen, finde ich das diabolisch.
Sie sagen: „Das ist das Diabolische, die Leute, die die Abtreibung feiern.“ Sie bringen den politischen Gegner, die linke Bewegung, in Verbindung mit dem Teufel, stellen sie als dessen Handlanger dar. Ist das nicht eine gefährliche Abwertung, den politischen Gegner in Verbindung mit dem Teufel zu bringen, den alle Christen bekämpfen müssen?
Menschen, die die Abtreibung – also die Tötung eines menschlichen Lebens – feiern, gewaltfrei zu bekämpfen, ist durchaus christlich. Zumindest bis sie es bereut haben.
Sollten Politik und Religion in Ihren Augen getrennt werden?
Sie sind Gott sei Dank getrennt.
Sie beklagen eine „Meinungsdiktatur“, äußern Ihre Meinung aber ungestört bei „Nius“ oder im Interview für RPP. Inwiefern werden Sie daran gehindert, Ihre Meinung frei zu äußern?
Ich darf meine Meinung schon äußern, muss aber erhebliche Nachteile dafür in Kauf nehmen. Und ich gehöre zu den Privilegierten. Mir kann kein Arbeitgeber kündigen. Ein sogenannter einfacher Mensch muss es sich heute dreimal überlegen, ob er sagt, was er denkt. Oder postet. Denn schnell steht morgens die Polizei vor der Tür, was in der alten Bundesrepublik undenkbar war.
Oft, wenn Sie auf kontroverse Äußerungen angesprochen werden, sagen Sie: „Manchmal denke ich mir, ich sollte mir ein Schild umhängen: Bitte nehmt nicht alles so ernst!“ Sind Ihre politischen Äußerungen gar nicht ernst gemeint?
Ich bin ein fröhlicher Mensch, der nicht alles tierisch ernst nimmt. Es ist auch hin und wieder Satire dabei.
Wie ernst wollen Sie genommen werden?
Mindestens so ernst wie ein Hofnarr.
Sie umgeben sich mit führenden Köpfen der AfD, die vom Verfassungsschutz als in Teilen gesichert rechtsextrem angesehen wird. Sie sitzen beim Weltfamilienkongress auf der Bühne, zu dem auch namhafte Rechtspopulisten Europas kommen, und saßen im Think Tank von Jakunin, dem hybride Kriegsführung und Homophobie vorgeworfen werden. Warum bewegen Sie sich hauptsächlich im rechtspopulistischen Milieu?
Würden Sie mich das auch mit tadelndem Unterton fragen, wenn ich mich mit Politikern der Grünen oder der Post-SED umgäbe? Und die Grünen haben unserem Land in der Regierung geschadet, von der AfD wird immer nur behauptet, dass sie das tun würde.
Würden Sie sich selbst auch als rechtspopulistisch bezeichnen?
Nein. Ich bin zuerst Katholikin und politisch eher eine Liberale.
Experten, die zur extremen Rechten forschen, bezeichnen Sie als Netzwerkerin im rechtspopulistischen und auch rechtsextremen Milieu und in dieser Funktion als gefährlich. Was sagen Sie dazu?
„Forscher“, die mich als gefährlich bezeichnen, sind keine Experten, sondern Ideologen. Sie geben mir eine Bedeutung, die ich nicht habe, weil sie sich davon einen Imagegewinn versprechen. Vielleicht sind ja solche Leute gefährlich.
Haben Sie jemals an die AfD gespendet oder an andere rechtspopulistische Organisationen?
Nein.
Inwiefern unterstützen Sie auch finanziell Organisationen, die Ihre Werte widerspiegeln? Welche sind das und wie hoch sind Ihre Zuwendungen?
Die Organisation, die ich finanziell unterstütze, ist die Steuerbehörde. Leider bekommt man von dort nie ein Dankeschön zurück.
Information
Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 27. Februar erscheinenden März/April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 260.
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